Kings Of HipHop: Drake // Feature

Für den Erfolg von »Thank Me Later« war die Publicity aber nebensächlich, denn auf musikalischer Ebene hatte Drake längst alle nur erdenkliche Aufmerksamkeit. Nicht nur wegen »Best I Ever Had«, auch wegen »Forever«. In der Single aus dem Soundtrack der LeBron-James-Doku »More Than A Game« besaß Drake doch tatsächlich die Frechheit, neben Eminem, Kanye West und Lil’ Wayne zu rappen: »Last name ever, first name greatest«. Es war die Kollabo des Jahres. Nach so einem Song wäre Drake selbst mit einem leeren CD-Rohling Doppelplatin gegangen. Zu viele Wagnisse gab es auf »Thank Me Later« aber nicht. Die LP war vor allem eine logische Fortsetzung vom hochgelobten »So Far Gone«. Alle Themen, die auf dem Mixtape stattfanden, erfuhren auf dem Album neue Extreme. Der Titel von »So Far Gone« spielte unter anderem darauf an, dass man als aufstrebender Star so sehr von Oberflächlichkeiten gelockt wird, dass man schnell vom Wesentlichen abdriftet. Der Erfolg war für Drake nie nur ein Genuss, immer auch ein Gift, und auf »Thank Me Later« sogar ein hochdosiertes. Am augenscheinlichsten wird das bei den Texten über seine Romanzen: Er sehnte sich nach einer echten Beziehung, sein Sexsymbolstatus aber schreckte echte Frauen ab – während er Amber-Rose-Verschnitte anzog. »Isn’t it ironic that the girl I wanna marry is a wedding planner/And tells me my life is too much and then moves to Atlanta«, rappte er auf »Karaoke«. Zu melodramatisch? »Thank Me Later« ist definitiv Drakes weichstes Album – und in den Augen vieler Fans und Kritiker sein schwächstes. Auch Drake selbst sieht das so: »Ich war bei dem Album sehr gehetzt und konnte mir nicht die Zeit nehmen, die ich haben wollte«, sagte er Y.C Radio 1.

Beim zweiten Album sollte das anders werden. Zwar kündigte Drake »Take Care« schon kurz nach der Veröffentlichung seines Debütalbums an, aber zur Fertigstellung nahm er sich genügend Zeit. Schließlich musste er keine Befürchtungen haben, nach 15 Minuten Ruhm wieder in der Versenkung zu verschwinden. In Kanada hatte er sich bereits unsterblich gemacht: Im August 2010 organisierte er in Toronto sein eigenes Festival, das »OVO Fest«, ein HipHop-Elitetreffen, von dem Nordamerika vorher nur hätte fantasieren können. Die Gäste: Bun B, Rick Ross, Fabolous, Kardinal Offishal, Young Jeezy, und selbst Eminem und Jigga ließen sich nicht lumpen. Spätestens jetzt war die Marke OVO jedem ein Begriff. Das Kürzel steht für »October’s Very Own«, eine Referenz an Drakes Geburtsmonat. Bis 2012 war OVO nur das Imprint mit dem Eulen-Logo, dann machten Drake, 40 und Kindheits­buddy Oliver daraus das Label »OVO Sound«.

Eine Zeitlang hingen an OVO auch noch zwei weitere Buchstaben: XO, kurz für »Ecstasy Oxycodone«, der Name von The Weeknds Crew. Und damit sind wir mitten in der Ära von »Take Care«, Drakes Grammy-gekröntem zweitem (Nummer-1-)Album. Weeknds geisterhaft-zugedröhntes Crooning und Drakes Night-Vibe-Faible waren das perfekte Match, aber Drakes zweites Album hatte noch sehr viel mehr zu bieten als die Kollaborationen der zwei aus Toronto. Auf der Hyphy-Hymne »The Motto« machte Drake mit »YOLO« das Carpe Diem der Moderne populär und erweiterte seinen kulturellen Einfluss auf Pausenhofgespräche rund um den Globus. Das Drunk-Dial-Geständnis »Marvin’s Room« bewies, wie smooth man Sätze wie »Fuck that nigga« klingen lassen kann, und hat damit sicher dazu beigetragen, dass R&B-Texte in den nächsten Jahren wesentlich unkuscheliger werden sollten. Und das unhatebare Just-Blaze-Brett »Lord Knows« richtete die ultimative Ansage an all die Neider, die Drake für zu soft halten: »I’m hearing all of the jokes, I know that they tryna push me/I know that showin’ emotion don’t ever mean I’m a pussy/Know that I don’t make music for niggas who don’t get pussy/So those are the ones I count on to diss me or overlook me.« In diesem experimentellen Chaos schaffte es Drake auch irgendwie, noch ein Gesamtfeeling aufrechtzuerhalten – 40s typischen Düster-Synthies sei Dank. Drake bediente sich auf dem Album wieder seiner drei großen Fs: Familie, Frauen, Fame – aber weniger resignierend, vielmehr angriffslustig. Reflektierte er seine Beziehungen zuvor noch mit Lines wie »I know they say the first love is the sweetest/But that first cut is the deepest«, sagte er seinen Ex-Freundinnen jetzt: »Bitch I’m the man, don’t you forget it.« Drake ließ weiter tief in seine Gefühlswelt blicken, aber erweiterte seine Perspektivität um eine Arschloch-Attitüde.

Passend dazu hielt Drake jetzt auch nicht mehr den Mund, wenn jemand Beef anzettelte. Er ist zwar ein großer Battlerap-Fan und ließ für einen zweitägigen Contest sogar mal die Grammys ins Wasser fallen, aber anfangs operierte er nach dem Grundsatz: »Diss me, you’ll never hear a reply.« Damit war jetzt Schluss. Seit Ende 2011 hatte Drake zahlreiche Auseinandersetzungen, allerdings nicht nur musikalische (Pusha T, Common, Kendrick Lamar), auch persönliche (Ludacris, Chris Brown, Diddy, Tyga, Rappin-4-Tay). Der Höhepunkt war natürlich der Beef mit Meek Mill. Aber dazu gleich.

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