Haze – Guten Abend, Hip Hop // Review

Haze(Alte Schule/Chapter ONE/Universal)

Wertung: Vier Kronen

Um ein Haar wäre »Guten Abend, HipHop« eine verdammt traurige Angelegenheit geworden. Mitte Februar war Haze in einen Auffahrunfall auf der A5 verwickelt, erlitt innere Blutungen und musste notoperiert werden. Ohne Milz und sichtlich von den Ereignissen gezeichnet, dafür aber mit schelmischem Grinsen im Gesicht grüßte er bereits einen Tag später via Facebook von der Intensivstation: »Unkraut vergeht net.« Ein Motto, das man problemlos auf den musikalischen Ansatz des badisch-slawischen Spitters übertragen kann. Am wohlsten fühlt sich Haze auf klassisch-unvergänglichem Bummtschack mit starken Mittneunziger-Reminiszenzen, irgendwo zwischen 85 und 95bpm. Während es knackt, knistert und aus der SP-1200 seines Stammproduzenten Dasaesch rumpelt, begrüßt Haze seine Herzensdame HipHop nach drei über die vergangenen vier Jahre verteilten Gratisproben nun zum ersten Mal im Tausch gegen Bares. Dabei fällt zunächst der Feinschliff auf, den er seinem Trademark-Flow verpasst hat. Noch präziser sitzen die Silben, die Mischung aus rotzigem Badisch, kroatischen Sprachfetzen und im Deutschrap mittlerweile fest verankerten Bordsteinslang könnte ausgewogener kaum sein. Das hat sich in der Szene rumgesprochen und so wundert es kaum, dass mit Bonez MC, MoTrip und RAF Camora drei A-Promis der hiesigen Rap-Landschaft auf »Guten Abend…« den Hasen ins Longpaper bröseln. Haze selbst nennt seine Mucke »Tiefgaragenboogie«, thematisch beschränkt er sich deswegen jedoch keineswegs auf handelsüblichen Straßenecken-Talk. Als einer der wenigen seiner Zunft setzt er sich auf »Ausländer rein« unpeinlich mit der Flüchtlingskrise auseinander, auf dem »Bullentrack« prangert er an konkreten Beispielen korrupte Vertreter der Staatsgewalt an. »Ich verkauf dir diese Tracks und wenn net, dann verkauf ich wieder Packs«, rappt Haze. Acht Stunden hart schuften, nach Feierabend weitermachen und dann Drugs pushen? Keine Sorge, dieser junge Herr hat vorerst andere Karriereoptionen. Guten Abend, HipHop, hier ist jemand gekommen, um zu bleiben.

Text: Kilian Peters

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