Feadz

 

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Schon vor über zehn Jahren erforschte Fabien Pianta aka Feadz die Schnittstellen zwischen HipHop und elektronischer Musik, als er am Mr. Oizo-Album “Analog Worms ­Attack” mitarbeitete und Tracks für das Pariser Minimal-Techno-Label Karat aufnahm. ­Parallel dazu bewies er seine DJ-Skills bei der Band Audiomicid. Heute gehört Feadz zum umtriebigen Ed Banger-Kollektiv, veröffentlicht aber auch noch beim deutschen Electro-Label B-Pitch ­Control. Der Sound auf seiner jüngsten EP “People, Numbers, Money, Business” verbindet reduzierte Elektronik mit zerhäckselten Samples, Booty Bass-Grooves mit poppigen Melodien und ­Baltimore-Vibes mit einer fast schon klassisch zu nennenden HipHop-Ästhetik auf den Drums.

 

Du hast gerade gesagt, dass Rap deine ­Lieblingsmusik ist. Seit wann ist das so?
Seit ich denken kann. (lacht) Später habe ich viel Electro und Rock gehört, aber ich lande am Ende immer wieder beim Rap. Diese Musik verfolgt mich.

 

Du nimmst seit über zehn Jahren Platten auf, hast aber immer noch kein Album gemacht.
In erster Linie bin ich DJ, und nebenbei nehme ich halt noch eigene Tracks auf, die ich gerne in ­meinen Sets spielen würde. Ich liebe Singles, ob digital oder physisch. Und ich weiß, was eine gute 12” haben muss, damit sie vom DJ gespielt wird. Außerdem mache ich gerne Remixe. Mein Ziel ist es eben, ein guter DJ zu sein und nicht unbedingt der beste Produzent zu werden. Dazu habe ich momentan aufgrund der vielen Gigs gar nicht die Zeit, denn da muss man sich wirklich richtig reinhängen. Das erlaubt es mir einfach nicht, mich für längere Zeit auf ein Album zu konzentrieren. Aber vielleicht mache ich eines Tages doch eins.

 

Du warst früher mal Teil der Turntablism-Band Audiomicid. Warum habt ihr euch aufgelöst?
Das war eine sehr gute Erfahrung, die mir viel gebracht hat. Aber letztlich habe ich eingesehen, dass mein Weg nicht der eines typischen Scratch-DJs ist – ich habe die Scratch Perverts oder die Beat Junkies gesehen und wusste, dass das nicht mein Ding ist. Audiomicid stellte eine Art Wendepunkt in meiner Karriere dar. Ich habe wirklich viel durch die Arbeit mit den Jungs gelernt.

 

Seitdem hast du zahlreiche 12”es und ­Kollaborationen mit anderen Künstlern ­aufgenommen. Liegt dir das besonders?
Ja, ich liebe es, als Produzent mit Künstlern wie Uffie zusammen zu arbeiten. Aber ganz besonders liebe ich es, andere Künstler zu remixen, zu re­fixen, ihre Arbeit zu nehmen und bestimmte Sounds wegzunehmen oder hinzuzufügen, die Stimmen zu überarbeiten… Das bringt mich zurück zu diesem Prozess des Scratchens. Es ist genau mein Ding.

 

Auf Mr. Oizos erstem Album “Analog Worms Attack” bist du als DJ gecreditet, sollst aber auch mitproduziert haben.
Nun, Oizo ist ein großartiger Produzent, und der Umstand, dass er heute auf Ed Banger gesignt ist, beweist ja, dass wir immer noch musikalische Verbindungen haben. Außerdem ist er ein Freund von mir. Bei diesem Album war ich zuerst nur mit den Cuts und Scratches beauftragt, weil das nun mal genau mein Job war. Ich war der Erste, der Oizos Tracks zu hören bekam, weil ich dann ja die Cuts einfügen müsste. Und dass ich ihm direkt Feedback zu den Tracks gegeben habe, hat den Sound der Platte natürlich ein wenig beeinflusst. Teilweise haben wir dann auch noch zusammen an den Stücken herumgeschraubt. Es war also eine Kollaborationsarbeit, aber am Ende war er der Puppenspieler, ich habe höchstens mal einen guten Vorschlag oder Rat gegeben.

 

Du stehst derzeit bei Ed Banger und B-Pitch Control unter Vertrag. Was macht diese Labels so besonders?
Es sind für mich die besten Labels auf der Welt! (lacht) Dank dieser Labels konnte ich durch die USA touren und in den letzten Jahren überall auf der Erde Spaß haben. Es ist der Wahnsinn, wie die Fans dieses Ed Banger-Movement verfolgen. Pedro Winter [aka Busy P, Chef des Labels, Anm. d. Verf.] ist einfach ein Visionär. Er hat damals dafür gesorgt, dass Daft Punk die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen, und jetzt nutzt er dieselben Strategien für Ed Banger. Er denkt nicht unbedingt kommer­ziell, sondern ist wirklich in erster Linie daran interessiert, dass ihm die Musik gut gefällt.

 

Mit ihm und DJ Mehdi gibt es bei Ed Banger noch zwei weitere HipHop-Heads…
Ja, Mehdi ist letztlich der größte Producer der französischen Rap-Geschichte. Er hat mit Mafia K’1 Fry, Kery James, Booba, Rohff und fast allen anderen großen Namen gearbeitet. Und jetzt produziert er eben instrumentalen Electro für Ed Banger. Man könnte sagen, dass ich so ein bisschen in seine Fußstapfen trete. Als junger Typ war ich total auf dem HipHop-Film und ein begeisterter Scratch-DJ – das war die Zeit, als Mehdi schon mit Ideal J französischen Rap gemacht hat. Und Busy P ist einfach ein Fan, er hat zwar genau wie ich niemals Rap-Produktionen gemacht, aber er steht auch komplett auf Rapmusik, vor allem auf US-Rap.

 

Welche Art von US-Rap?
Also, ich persönlich bin momentan besessen von Gucci Mane. (lacht) Der Typ ist unglaublich. Ich liebe Southern Rap, vor allem diese einfache, minimalistische Programmierung, die eine seltsam ­hypnotische Wirkung entfaltet.

 

Die Karrieren von South-Artists wie Gucci Mane oder Lil Wayne basieren ja wie deine nicht auf ­Alben, sondern in ihrem Fall auf Mixtapes.
Absolut, die Typen hören einfach nie auf. Sie sind immer im Studio, nehmen immer neue Songs auf, jeden Tag. “Gangsta Grillz” ist eine unendliche Geschichte. Ich selbst höre auch auf diese Art Musik: Wenn mir ein Song gefällt, muss ich ihn immer und immer wieder hören, wie in einem Endlos-Loop. Das liegt wohl auch daran, dass ich als DJ und 12”-Producer eben auf den Track fixiert bin. Ich suche nach Tracks, die man immer wieder spielen kann, im Club oder auf dem iPod.

 

Würdest du sagen, dass du Teil der Shuffle-Generation bist, die sich keine Alben mehr am Stück anhört, so wie wir früher?
Ja, so ist es wohl. Ich muss zwar gestehen, dass die Mixtapes den Markt derart überfluten, dass es zu einer Überdosis führen kann. Aber ich nehme mir einfach die sechs Tracks von einem Gucci Mane-Tape, die mir gefallen, und dann gehe ich zum nächsten Tape. Es ist dasselbe, als wenn man die Neuerscheinungen im 12”-Fach durchwühlt.

 

Kaufst du denn noch Vinylplatten?
Leider ist meine Wohnung zu klein dafür ­geworden. Ich habe 14 Jahre lang Vinyl in meiner Bude ­gesammelt, und irgendwann musste ich aufhören. Ich bekomme ja auch noch ungefähr zehn Vinyls pro Woche von Labels und Bekannten geschickt. ­Ansonsten bin ich komplett auf digitale Downloads umgestiegen. Ich bin ja viel unterwegs und habe natürlich immer meinen iPod dabei. Manchmal schaue ich in fremden Ländern mal in Plattenläden, aber ich bin nicht mehr so drauf wie früher, wo ich statt Mittagessen lieber nach Vinyl gediggt habe. Heute esse ich in tollen Hotels und surfe dabei im Internet. (lacht)

 

Bei der Winter Music Conference in Miami gab es eine Party unter dem Motto “Stones Throw x Ed Banger”. Warst du anwesend?
Nein, ich konnte leider nicht, denn ich war mit Uffie auf Tour. Pedro hatte ja auch ein paar seiner ­Lieblingsrapper wie Mos Def und Murs eingeladen. Ed Banger verfolgt eben immer, was im HipHop passiert. Vor allem Pedro und ich, wir sind wirklich krasse HipHop-Konsumenten.

 

Warum wolltest du dann nie ein straighter HipHop-Produzent sein?
Für mich ist das, was ich mache, die Evolution von HipHop. HipHop war ja auch schon in den Anfangstagen Electro-basiert! Gerade die aktuellen Produktionen aus dem Süden erinnern mich an Electro-Produktionen aus den Achtzigern, mit ihren schrägen Synthies und den knackigen Plastikbeats. Als DJ musste ich mich irgendwann jedoch ent­scheiden und habe mich aufgrund der Möglichkeiten für die elektronische Musik entschieden. Ich hatte einfach das Gefühl, dass man als Electro-DJ besser seinen persönlichen Stil entwickeln kann. Wenn es um Rapmusik geht, bin ich nur noch Fan.

 

Du mischst Electro ja auch mit anderen HipHop-Derivaten wie Booty Music.
Ja, ich liebe Baltimore Club, alte 2 Live Crew-Platten, DJ Assault und Disco D – möge er in Frieden ruhen – nur um ein paar zu nennen. Die 2 Live Crew ist HipHop, aber der Bass und die Programmie­rung ist Electro. Ich liebe Basslines, elektronische Sounds und catchy Pop-Hooks. Das ist auch der Sound, den ich auf meiner neuen EP verfolge. Im letzten Jahr konnte ich weniger an meinem persönlichen Sound arbeiten, da ich auf die Arbeit mit Uffie fokussiert war. Aber jetzt ist Feadz zurück…

Text: Fred Hanak

 

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