Fashawn

 

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Vor wenigen Monaten stellten wir den 21-jährigen Fashawn aus Fresno als vielversprechenden Upstart in unserer HipHope-Sektion vor, inzwischen kann er mit seinem Debüt “Boy Meets World” bereits ein JUICE-Album des Monats vorweisen. Der seit langer Zeit interessanteste Newcomer von der Westküste vereint intelligente Straßenpoesie mit alternativem Neo-BoomBap (in diesem Fall von Exile) und vor allem einer wiedererkennbaren, ­unterscheidbaren Rap-Persona. Amaury Feron sprach erneut mit dem MC, der gerade von einer US-Tournee zurück ins heimatliche Kalifornien gekommen war.

 

Dein Album bekommt besonders aus Europa sehr gutes Feedback. Hast du damit gerechnet?
Ich habe darauf gehofft, denn ich mache meine Musik nicht für eine bestimmte Region, sondern für die ­Menschen auf der ganzen Welt. Ich richte mich nicht bloß an meine Nachbarschaft, sondern ich berichte ­darüber, wo ich herkomme und wie es hier zugeht. Aber die ganze Welt ist ein Ghetto, von daher war mir klar, dass Menschen von überall her sich dazu in Beziehung setzen ­können. ­Allerdings hatte ich nicht ­damit ­gerechnet, dass viele Menschen es gleich das Album des Jahres oder ­einen modernen Klassiker nennen. Ich habe wirklich noch nichts Negatives über die Platte gelesen oder gehört, seit sie erschienen ist. Das macht mich sehr glücklich.

 

 

Hörst du dir selbst das Album ­immer noch an?
Zuletzt habe ich es sogar sehr viel anhören müssen, weil ich mich auf die Tour vorbereiten musste. Als ich das Album zum ersten Mal am Stück durchhörte, freute ich mich über jeden einzelnen Song. Das liegt aber auch daran, dass Exile und ich uns sehr viel Zeit für das Album genommen haben. Wir haben die Songs ständig überarbeitet und Kleinigkeiten repariert. Am Ende waren wir beide zufrieden, und ich würde auch rückblickend nichts daran ändern.

 

Viele nennen dich bereits den “Nas von der Westküste”. Das liegt vielleicht auch daran, dass das Albumcover von “Boy Meets World” an “Illmatic” erinnert. War das Absicht?
Nun, der Fotograf und ich hatten einfach das Gefühl, dass dieses Bild meine Geschichte am besten illustriert. Ich hatte ja sieben Mixtapes ­gemacht, bei denen ich selbst auf dem Cover war, daher war ich gelangweilt davon, mein eigenes Gesicht zu sehen. Also haben wir meinen kleinen Homie draufgepackt, und es passt perfekt. Außerdem liebe ich “Illmatic”, ich war ein großer Fan von Nas und ganz speziell von diesem Album. Es ist richtig, dass es da ein paar seltsame Parallelen gibt. Er war um die 20 Jahre alt, als er sein Debüt veröffentlichte, genau wie ich. Daher werden wir wohl auch verglichen. Aber ich denke nicht, dass ich klinge wie er.

 

Du machst keine Musik, die man von einem 20-Jährigen erwarten würde.
Ich mache Musik, die mich selbst und meinen Lebensstil reflektiert. Ich lebe genau so, wie ich es in meinen Texten erzähle, und das jeden Tag.

 

 

Wie hast du nach sieben ­Mixtapes noch genug Themen ­gefunden, über die du auf dem Album ­sprechen konntest?
Das war schon schwierig. Wenn man so viel Musik veröffentlicht, die sich nur um das eigene Leben dreht, dann muss man sich immer wieder fragen: Was wissen die Menschen jetzt noch nicht über mich? Aber ich habe das als interessante Hürde empfunden. Bei den Mixtapes habe ich letztlich nur versucht, die Menschen auf mich aufmerksam zu machen. Auf dem Album geht es um mein persönliches und musikalisches Wachstum. Ich bin ja auch einen Tag, bevor das Album erschien, 21 Jahre alt [und damit nach amerikanischem Gesetz volljährig, Anm. d. Verf.] geworden, Das ist schon ein Einschnitt in meinem Leben und in meiner Karriere.

 

Wie wird es jetzt weitergehen? Was kann man auf dem zweiten Album erwarten?
Ich weiß es noch nicht. Erstmal will ich feststellen, ob die Leute überhaupt wollen, dass ich mit einem zweiten Album zurückkomme. Wir schauen jetzt, wie das Album läuft. Mit dieser Platte stelle ich mich der Welt vor, beim zweiten Album werde ich sicher aus einer anderen Perspektive berichten, weil ich dann viele andere Teile der Welt gesehen habe. Ich bin gespannt darauf, was das Leben noch für mich an Erfahrungen bereithält. Man könnte es vielleicht so sagen: “Boy Meets World” war eine Rückschau auf die letzten 20 Jahre meines Lebens, und das nächste Album wird eine Vorschau auf die nächsten 20 Jahre. (lacht)

 

Exile hat das gesamte Album produziert, du bist aber auch eng mit Evidence und ­Alchemist ­befreundet. Hast du sie im ­Entstehungsprozess nach ihrer Meinung befragt?
Definitiv. Alchemist hat parallel an “Chemical Warfare” gearbeitet, und wir haben zusammen das Mixtape “The Antidote” aufgenommen. Evidence hatte gerade seine “Layover EP” gedroppt, auf der ich mit einem Feature vertreten war, von daher passte der Zeitpunkt für mein Album perfekt. Ev und ich haben uns jeden Tag unterhalten und zusammen meine Musik angehört. Er war von Anfang an der Ansicht, dass die Leute die Platte lieben werden. Auch Alchemist hat meinen Stoff gepumpt, als wenn es sein eigener wäre, besonders seinen Lieblingssong “Ecology”. Ich habe von beiden wichtige Einblicke bekommen, und sie haben mich mit ihrem Arbeitsethos angesteckt. Alchemist wacht morgens auf und ballert die Beats nur so raus, so lange er im Studio sitzt. Von diesen Künstlern kann man lernen, wie man sich eine echte Karriere aufbaut, ­anstatt nur einen einzigen Hit zu haben und dann wieder zu verschwinden.

 

 

Für Rapper wird es aufgrund der sinkenden Tonträgerverkäufe immer wichtiger, eine gute Live-Show zu haben. Wie gehst du an deine Konzerte heran?
Ganz ehrlich: Die erste Show, die ich kürzlich mit Exile zusammen gespielt habe, war ein einziger Freestyle. Wir hatten einfach keine Zeit zu proben. Aber jetzt haben wir uns zusammengesetzt und einige gute Ideen entwickelt. Ich bin sehr aufgeregt, wie die Shows ankommen werden. Aber ich will nicht zu viel verraten, damit die Leute in Europa noch überrascht sind, wenn sie zu unseren Shows kommen. Ich musste ja den Schritt von kleinen Clubs zu etwas größeren Venues gehen, und das ist noch ungewohnt für mich. Aber ich habe jede Menge Energie und kann die Leute definitiv mitreißen.

 

Stimmt es, dass du vor ein paar Monaten mit Dr. Dre an “Detox” gearbeitet hast?
Ja, ich habe ein paar Sachen für ihn geschrieben und war ein paar Tage in seinem Studio in Los Angeles. Die ersten beiden Tage war er selbst gar nicht vor Ort, aber am dritten Tag kam er ins Studio, um mit mir gemeinsam an einem Song zu arbeiten. Das war eine sehr intensive Erfahrung. Er sagte mir, dass er beeindruckt von meiner Arbeitseinstellung sei. Aber das Erste, was er zu mir sagte, war: “Danke, dass du vorbeigekommen bist.” So eine Höflichkeit und Bescheidenheit erwartet man nicht von so einer Ikone, mit deren Musik man selbst aufgewachsen ist. Es hat mich ja schon beeindruckt, dass er überhaupt meinen Namen kannte.

 

Text: Amaury “Ammo” Feron

 

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