DJ Stylewarz Vs. The Beats: »Das ist das Beste, was je aus Bremen kam!«

Michael Whitelov, besser bekannt unter seinem Künstlernamen DJ Stylewarz, ist in seiner Tätigkeit als DJ wohl das, was man gemeinhin eine Ikone nennt. In den Neunzigern war er Teil der Britcore-Combo No Remorze, stand in der HipHop-Sendung »Freestyle« auf Viva hinter den Plattentellern und war langjähriger Wegbegleiter von Ferris MC. Na ja, und er hat natürlich mit nahezu allem gearbeitet, was in Sachen HipHop und Rap hierzulande Rang und Namen hat. Nach »The Cut« von 2002 erscheint dieser Tage nun sein zweites Album »Der Letzte seiner Art«. Wir haben ihm jedoch etwas älteres Material vorgespielt.

James Brown
Superbad (1971)

Das hab ich rausgesucht, weil es dein Geburtsjahr ist. Welche Rolle spielten Funk und Soul in deiner Jugend?
Da ich aus Bremerhaven komme und eine Hälfte von mir afro-amerikanisch ist, bin ich damit aufgewachsen. Das gehört quasi zu mir wie Arme, Beine, Augen und Ohren.

Hast du da im Vergleich zu anderen Familien einen Unterschied bemerkt? Hattest du einen Wissensvorsprung?
Mir ist das tatsächlich erst später aufgefallen, als ich bemerkte, dass viele deutsche Freunde, die eher Fans waren von Nena oder Kiss, ganz anders mit der Musik umgegangen sind. Der Sound von HipHop kam mir damals sehr familiär vor. Für mich ist HipHop ja Funk – nur mit neuen Mitteln.

Arthur Baker
Breaker’s Revenge (1984)

»Break«… das feiere ich immer noch hart! Das ist für mich sofort »Beatstreet«-Feeling. Mein Einstieg in HipHop war aber früher. Es gab da so Kids von den Amis in meinem Alter. Ich habe gesehen, was die gemacht haben, und auf den Festen um mich herum waren so DJs. Und dann habe ich von Verwandten aus New Jersey Mixtapes geschickt bekommen mit Radiosendungen von Mr. Magic & Marley Marl & DJ Red Alert drauf.

Hijack
Stylewars (1988)

(lacht) Gott … ich bekomme immer noch Goosebumps, ey! Egal ob in England, USA oder sonst wo – es gibt für mich keinen anderen Track, der mehr HipHop ist als »Stylewars« von Hijack.

Ist die Quelle deines Namens dieser Track oder der HipHop-Film von 1983?
Das ist ein bisschen süß, das du das fragst. Es ist die Idee hinter dem Film. Plump übersetzt bedeutet es ja »Krieg der Stile«, und für mich steht Style absolut im Vordergrund. Ich war froh, dass der Song »Stylewars« hieß, aber die Namensgebung stammt von der Idee, die hinter dem Namen »Stylewars« steht.

Was ist so wichtig an Style?
Das ist meine Identität. Das ist ja wie ein Fingerabdruck, dein Style. Das bin einfach ich.

UTFO
Wanna Rock (1988)

UTFO…! (lacht) Mixmaster Ice, come on… (lacht) – einer der DJs, die mich ziemlich derbe beeinflusst haben. Mixmaster Ice war seiner Zeit so voraus. Ich glaube, das hatten ganz viele DJs damals, aber auch heute, gar nicht so richtig auf dem Zettel. Mixmaster Ice hat damals Sachen gemacht, die zu der Zeit unglaublich waren. Der hat mich mehr geprägt als zum Beispiel DJ Jazzy Jeff oder DJ Cash Money.

Wieso bist du eigentlich beim DJing hängen geblieben?
Ich habe alles ausprobiert, mit 13, 14 Jahren viele Skizzen gemacht und mich überall ausprobiert. Aber ich blieb immer irgendwie beim DJing hängen.

Public Enemy
Fight The Power (1989)

Ich feiere den Sound seit Tag eins und habe wirklich erst gar nicht gecheckt, was sie alles sagen. Ich glaube, das wissen ganz viele bis heute nicht. Mich hat aber zuerst der Sound gepackt, das ist genauso wie bei Hijack: Das hat eine Energie gehabt, die dich gepackt hat. Und wenn dann noch klar wird, was sie alles sagen … das war so ein Startpunkt, an dem man nachdenkt und Sachen begreift und Zusammenhänge erfasst. Das ist für mich eine der wichtigsten Gruppen im HipHop.

No Remorze
Killa Squad (1992)

Ich habe damals den Toningenieur TNG kennengelernt und hatte selbst keine Ahnung, wie man im Studio arbeitet. Ich hatte schon ein paar Samples gediggt, bin dann ins Studio und habe ihm gesagt: »Ich will das so und so haben.« TNG kam aus der Soul- und Funk-Ecke und wusste genau, wie der Sound funktioniert und zu klingen hat.

Du hast dich also durch ausprobieren dem Ziel genähert, das du erreichen wolltest?
Klar – Techniken zu erlernen ist Trial and Error. Nicht wie heute, wo du dir in einem Youtube-Video abschaust, wie es geht. Ausprobieren ist das Beste, was dir passieren kann, weil du aus Fehlern lernst und dabei Sachen erfindest, die trotzdem geil sind. Dadurch entsteht ja auch dein eigener Flavour. Das ist deins. Das passiert heute so nicht mehr. Die Leute haben Angst, Fehler zu machen – deswegen klingt heute auch so vieles gleich.

Seite 2: »Ich empfinde meine Generation als die schlimmste HipHop-Generation, die Deutschland je hatte«

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