Credibil – Molokopf // Review

Credibil-Molokopf-Album-CoverWertung: Viereinhalb Kronen Wenn der erste Ton von »Molokopf« erklingt, erinnert man sich an »XOXO«. Sowohl das langsam, aber dramatisch beginnende Instrumental des Intros, als auch die Vortragsweise, mit der Credibil von Anfang an gehörig Pathos aufbaut (»Wir beginnen da, wo alles anfing/An dem Tag, an dem Mikis sagte: ‚Bruder, du musst Karma an die Hand nehmen’«), wirken, als wäre Ben Griffey am Werk. Nun hat Credibil nie einen Hehl daraus gemacht, dass in seiner Sozialisation Casper und Curse eine genauso große Rolle gespielt haben wie Bushido. Dennoch stutzt man innerlich für einen Moment, wenn der junge Frankfurter sich zu Beginn dieser EP auf eine glorreiche Zukunft als MC einstimmt. Dabei ist dieser Schritt, den Credibil bereits mit »Deutsches Demotape« angedeutet hat, ein vollkommen logischer für deutschen HipHop. Er schließt gewissermaßen die Lücke zwischen MoTrip, der sich auf »Embyro« selbstbewusst zum »Kanacke mit Grips« [sic!] stilisierte, und nachdenklichen Mittelstand-MCs wie Gerard und eben Casper. So hinterfragt Credibil auf »Molokopf« sich und seine Generation, lässt – wie einst Marteria – Pappbecher vergolden, feiert in einem Song die Liebe zur Musik und auf dem nächsten die Lost Boys aus seiner Nachbarschaft. Letzteres Stück, »Meine Jungs« (feat. Belabil & Frustra), ist eine von mehreren Großtaten auf einer EP, die der Öffentlichkeit einen merklich gewachsenen Credibil präsentiert. Der ist mittlerweile nicht mehr nur ein guter, sondern ein hervorragender Rapper: Stimmeinsatz, Flows, Songwriting, Hooks – Credibil hat all diese Qualitäten und wirkt schon jetzt wie ein nahezu kompletter MC. Es gibt nicht viel zu bemängeln an dieser EP; einzig wirken das musikalische Gewand, die weiblichen Backing-Vocals und das Mixing der Songs manchmal etwas zu glatt. Wenn Credibil es auf seinem Langspieler hinbekommen sollte, weniger nach Perfektion zu streben und ein paar mehr charmante Fehler in seinem Soundbild zulässt, dann wird dieses Album einer der Höhepunkte des jüngst gestarteten Rap-Jahres. Mark my words.

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