Crack Ignaz – Kirsch

Crack-Ignaz-Kirsch

(Melting Pot Music/Groove Attack)

Wertung: Fünf Kronen

Man hätte es wissen müssen. Spätestens 2013, als Ignaz vom Hanuschplatz sich fragte, wieso immer alle »ongfressn« auf ihn seien, als er wissen ließ: »Hawara, du konnst ma nix«, da war schon recht offensichtlich, was sich jetzt manifestiert: Crack Ignaz ist Künstler und Kunstwerk zugleich. Damit bleibt er eine außergewöhnliche Figur im jungen deutschsprachigen Swag-Based-was-auch-immer-Rap-Kontinuum und hat kaum noch etwas mit all den Dudes im Fahrwasser gemein. Dabei unterscheiden sich die Themen auf den ersten Blick nicht groß. Auch bei Ignaz dreht sich viel um »Gödlife« und Genussmittel, um Rari und Royce, um die Frauen und um seine Jungs, die allesamt Messerstecher sind. Mit diesem Instrumentarium gelingen Ignaz aber ganz ohne ironische Brechung Dinge, die man längst nicht mehr für möglich gehalten hat. »Kirsch« ist nämlich kein Album aus der gefühlskalten Hustensaft-Phrasenmaschine, so wie auch Crack Ignaz kein Rapper ist, der sich einfach besinnungslos based ans Mic stellt. Wie unangestrengt und entwaffnend cool Ignaz in jeder Sekunde wirkt, wie herzlich seine Arroganz daherkommt, das belegt sein Talent weit über die schmale Nische der Wavyness hinaus. Während »Swag« anderswo zum Meme aus albernen Luxusartikeln und Fließband-Flows zusammengestaucht wird, füllt Crack Ignaz den Begriff im Sinne der einzig angemessenen Übersetzung mit Leben, die noch dazu der österreichischen Mundart entstammt: er hat Schmäh. Und den kann man weder lernen noch imitieren. Deswegen funktionieren die dick auftragenden Balladen (»Sternenstaub«, »Oder ned«) auch so tadellos neben den dicht-dopen Rapsachen (»Kush«, »Gustav Klimt«, »Gwalla«). Ignaz ist ein astreiner Handwerker, dessen Gespür für Hooks nicht nur einmal an Cro’sche Pop-Leichtigkeit denken lässt. Dass dann auch die Produktionsseite so souverän – hauptsächlich von Lex Lugner, Feux und dem brandgefährlichen Wandl – gestemmt wird, macht das Album trotz relativer Inhaltsleere zum Dauer-Repeat-Favoriten und den König der Alpen mindestens zum König des Sommers. Natürlich ist »Kirsch« von »Kitsch« nur einen Buchstaben entfernt. Aber diese Distanz reicht für eine runde und reuelos süße Angelegenheit und das wichtigste österreichische Rap-Album seit »Versager ohne Zukunft«.

 

 

 

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