Bushido – Vom Bordstein bis zur Skyline

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Ehrlich, ich bin ein Freund des gewählten Wortes. Ich habe schon früh den literarischen Kanon aufgesaugt und Eloquenz als absolute Maxime für mich entdeckt. Also fick dich, du Opfer. Ehrlich, ich bin kein Freund von Gewalt, von Drogen und linken Touren. Ich habe meinen Mahatma intus und halte mich für umgänglich. Also komm mir nicht in die Quere, sonst frisst du den Bordstein, du Toy. Ehrlich, ich hatte ein Problem mit diesen harten Berliner Jungs á la Bushido und ihren elegischen Verbal-Härtetests auf Platte. Zu brutal, zu fäkal, zu platt. Allein das hat mich bis jetzt immer daran gebracht, den konstant hohen Output der rappenden Hauptstädtler mit ruhigem Gewissen zu ignorieren. Bis es kam, wie es kommen musste: Ein Berliner Rapper rammt mit unglaublicher Wucht meine aus Ignoranz und Arroganz gebauten Mauer in Grund und Boden und nimmt mich mit in seine Welt. Eine Wahl habe ich nicht. Die Platte mit den unglaublich wuchtigen Beats und den abgründigen Texten bewegt sich konstant am Limit. Am Limit des Erlaubten, am Limit der Ästhetik, am Limit des Verständnis. Sozusagen eine kontrollierte lyrische Eskalation, hart aber herzlich, die unakzeptable Grenze wird zwar ständig gekratzt, aber niemals überschritten, du Nutte. Nur so lässt sich das komplette Spektrum der Gefühle und Situationen in einem Moloch wie Berlin authentisch darstellen. Bushido braucht keine Fassade, seine Stadt reicht ihm. Und so legt er seine teils hoch poetischen und intelligenten Lyrics über Betrug, Gewalt, Ehre, Liebe, Vertrauen und Respekt wie einen schwarzen Schleier über den Hörer, um ihn dann kurzerhand und ohne Vorwarnung im blaumetallic 7er-BMW platt zu fahren. Natürlich ist das dreist, und eventuell auch zu viel des Guten für den Seelenzustand eines normalen Mittelständlers. Jedem, den die dunkle und drekige Seite reizt, sei dieses Album allerdings ans Herz gelegt. Ignorieren läuft nicht mehr.
 
Text: dk 2003 / JUICE #56
Foto: Aggro Berlin
 

 

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