Off-Beat-Rap, Memes, »Thotiana«: Wieso ist Blueface so populär? // Feature

Ist er nun auf oder neben dem Takt? Scheißegal, findet Blueface – er ist vor allem eins: der Rapper, zu dem 2019 jeder eine Meinung hat.

Ist er nun auf oder neben dem Takt? Scheißegal, findet Blueface – er ist vor allem eins: der Rapper, zu dem 2019 jeder eine Meinung hat.

Als sich Instagram am späten Abend des 13. März wieder zurück am Netz meldet, vollzieht Blueface die endgültige Transformation zum Meme – ohne eigenes Zutun, wohlgemerkt. Es ist ausgerechnet Will Smith, der nach einem weltweiten Serverausfall ein Video für seine 30 Millionen Follower hochlädt, das ihn beim Twerken zu »Thotiana« zeigt. Dabei ist die Single aus Bluefaces aktuellem Mixtape »Famous Cryp« zu diesem Zeitpunkt längst ein virales Phänomen, das neben unzähligen Memes auch Remixe von YG, Cardi B, Young M.A und Tyga sowie über hundert Millionen Spotify-Streams generiert hat. Dass einer der größten Hollywoodstars sein Hüftgold zu dem simplen Piano-Loop schüttelt, ist jedoch eine Art Ritterschlag 2.0.

Aber der Reihe nach: Eigentlich ist der 1997 geborene Jonathan Porter, wie Blueface bürgerlich heißt, gar kein Rapper. Seine große Leidenschaft als Teen ist Football: Als Quarterback führt er das Team der Arleta Highschool 2014 zum Sieg der East Valley League. Als Quasi-Stadtmeister werden die Scouts diverser College-Mannschaften auf Porter aufmerksam. Er entschließt sich, ein Stipendium an der Fayetteville State University anzunehmen, doch schnell plagt ihn das Heimweh. Als er sich nicht als Stammspieler durchsetzen kann, hängt Porter die Stollenschuhe an den Nagel und kehrt ohne Abschluss oder Plan B nach L.A. zurück.

Zum Rappen kommt er erst 2017: Als er im Studio eines Freundes ein Handyladekabel abholen will, landet er in der Booth – und findet Gefallen daran. Seinen heutigen Produzenten Scum Beatz kennt er bereits aus seiner Zeit als Highschool-Footballer. Als Jonathan, der sich nun Blueface Bleedem nennt, nach Beats fragt, hält Scum das für einen schlechten Scherz – und ist schockiert, als er die ersten Songskizzen hört. »Ich musste mich erst mal daran gewöhnen«, verrät Scum Beatz im Gespräch mit Genius. Das Risiko ist jedoch gering: Alle Beats, auf die Blueface rappt, sind Ausschussware.

So auch »Dead Locs«, Bluefaces erster lokaler Hit, den er genial promotet: Als viele junge Fans sich ein Konzert an ihrer Highschool wünschen, fährt er in seinem Benz auf den Campussen vor und rappt vom Autodach herab. Dass an der Westküste eine Tradition in Sachen Off-Beat-Rap besteht, kultiviert von Künstlern wie E-40, Mac Dre oder Suga Free, ist dabei eher sekundär. Blueface erobert die Herzen mit einer Mischung aus Pretty-Boy-Swag und Millennialhumor. Der C-Walk des School-Yard-Crips-Mitglieds ist anfangs stark ausbau­fähig; hinzu kommen die unverkennbaren Adlibs »Blueface, baby!« und »yeah, aight« sowie der alberne Schönlings-Move, bei dem er mit zwei abgespreizten Fingern seine Augenbrauen befeuchtet.

Mittlerweile kümmert sich The Games Manager Wack100 um Blueface, hinzu kommt ein Deal beim Westküstenableger von Cash Money Records. Das Gesichtstattoo, das sich Blueface als Verpflichtung ans Rap-Game hat stechen lassen, wird er sich jedenfalls vorerst nicht weglasern lassen müssen – egal, ob und wie wack du ihn findest.

Text: Jakob Paur
Foto: Entertainment One

Dieses Feature erschien in JUICE 192. Aktuelle und ältere Ausgaben könnt ihr versandkostenfrei im Onlineshop bestellen.

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