Beats On Road #2: Clockwerk & Chefket // Video + Feature

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Samplelastige Beatware ist was für die Nerds und findet fast ausschließlich in der Nische statt, sagen die einen. Die anderen machen etwas dagegen, denn an der musikalischen Qualität liegt es nicht. Hanno Martius und Jamie Seidl von Don’t Let The Label Label You schicken sich nun an, mit ihrem Format »Beats On Road« Instrumentalmusik made in Germany aus den verrauchten Szenekneipen und Hinterhof-Gigs rauszuzerren – auf die Straße. Besser gesagt: in die Berliner U-Bahn-Linie 1. In den gelben Wagons präsentieren einige interessante Vertreter der Beat-Szene instrumentale Schmankerl in Form von Beat-Sets. Für Folge #2 hat Chefket die MPC-Koryphäe Clockwerk mit ein paar Live-Bars unterstützt. Doch wer ist Clockwerk eigentlich?

Hustlin‘ since ’94

Sieht man das mit den Begriffen ein wenig enger, dann kann man Clockwerk nicht zu den typischen Vertretern der deutschen Beatmaker-Szene zählen. Denn obwohl seine Beziehung zu HipHop schon seit über 20 Jahren anhält, ist ein zusammenhängendes Projekt in Form einer reinen Instrumental-EP bis dato nicht erschienen. Clockwerk ist in erster Linie Live-Musiker. Zwar schraubte er von 1994 bis Ende der Nuller-Jahre Beats für ambitionierte Rapper und releaste ganze 9 Projekte, seine Interessen verlagerten sich jedoch irgendwann woanders hin. »Ich fand’s nach 14 Jahren Studioarbeit echt sehr eintönig und wollte raus – auftreten und vor allem reisen. Also fing ich Ende 2006 an, mit diverser Hardware zu experimentieren, um meine Beats auf die Bühne zu bekommen. Der Gedanke, dabei einfach nur an ein paar Potis rumzudrehen, gefiel mir aber nicht. Und da ich kein besonders herausragender Keyboarder war, fielen die ganzen Synths, die ich damals hatte, auch flach«.

Also widmet er sich irgendwann gänzlich der Maschine, die ihn bis heute begleitet: der MPC. Tag und Nacht trommelt Clockwerk in der Folge auf den Pads herum, um seine Skills auf Live-Niveau zu bringen. »Ich kann mich erinnern, wie ich sechs Tage lang fast ohne zu schlafen auf meine MPC eingeprügelt habe, bis mir die Haut von den Fingern fiel. Ich musste sie mit Tape abgekleben, um weiter üben zu können«. Nach einem längeren Aufenthalt in Amsterdam startet seine Karriere als MPC-Live-Performer erst so richtig, als er wieder in hiesigen Gefilden ist. Durch Gigs in Hamburg, Leipzig, Berlin und der ganzen Republik connectet sich Clockwerk schnell mit gleichgesinnten Künstlern. »Wenn man nicht im Studio eingesperrt ist, kollidiert man natürlich mit viel mehr Leuten. Dadurch habe ich auch Amewu kennengelernt, der mich nach Berlin geholt hat. Inzwischen habe ich schon mit ’ner Menge Leuten, die ich feiere, die Bühne teilen dürfen«.

Auch die Verbindung zum Heidenheim-Representer Chefket sei bei einem Live-Gig entstanden, erzählt Clockwerk. »Ich war mal wieder an einem Nachmittag allein in Kreuzberg unterwegs und hab‘ Beats gespielt. Auf einmal merke ich, wie jemand neben mir steht. ‚Yo Jules, magste ’nen Kaffee?‘, meinte Chefket. Er chillte dann mit mir den Nachmittag an der Straßenecke und wir haben uns recht lange unterhalten. Da kam die Idee, mal was zusammen zu machen – und so kam später die U1-Session von Ear-Sight zustande«.

 
Clockwerk hat mit uns anlässlich von »Beats On Road« über seine innige Bindung zur MPC und die Freiheit von Liveauftritten gesprochen:

Erste eigene Platte?
Meine erste eigenen Platten waren Pete Rock & CL Smooth – »The Main Ingredient«, Redman – »Whut? Thee Album« und Sachen von Digable Planets, den Jungle Brothers oder Digital Underground.

Mit welchem Equipment arbeitest du?
Mit Bands oder anderen Musikern, wie z.B. den HandzOfDoom, nutze ich am liebsten meine gute alte MPC1000 und ein Kaosspad3. Für die Strasse, kleinere Gigs oder Sessions benutze ich dann meistens einen Akai MPC Controller und ein iPad mit MPC App – ist leicht, passt in ’nen Rucksack und der Akku hält echt lange. Im Studio und für größere Gigs nutze ich alles zusammen, auch einen Push, MPC Software etc..

Was reizt dich an der MPC?
Eine MPC, vor allem die Hardware, kommt leer und macht keinen Mucks. Man muss sich die Sounds, die sie ausspucken soll, selbst erarbeiten. Somit ist man gezwungen, sich mit Sampling und Sounddesign zu beschäftigen und hat dann am Ende alles selbst aufgezeichnet – was dabei hilft, einen eigenen Sound zu haben. Bei den heutigen Softwarelösungen bekommt man eine riesen Library an Samples dazu, was im Prinzip nichts Schlechtes ist. Das macht aber alles so beliebig und eben auch eintönig.

Du spielst fast ausschließlich Live-Sets mit der MPC. Hat es dich nie gereizt, auch mal im Studio Beats einzuspielen und eine Solo-Instrumental-EP zu releasen?
Ich sehe mich als Liveperformer. Mein Sound ist divers, hat zwar eine erkennbare Handschrift, ist dadurch aber nicht einseitig. Das Spiel und der Sound entwickeln sich ständig weiter. Das wird wahrscheinlich bis an mein Lebensende so weitergehen. Mir geht es im Gegensatz zu ein paar Kollegen nicht besonders darum, krasse Fingerfertigkeit unter Beweis zu stellen, sondern die Maschinen wie richtige Instrumente, als Ausdrucksmittel zu nutzen und eben Musik zu machen. Groove und Vibe sind da meine Hauptelemente – sowie Originalität zu bewahren und nicht wie ein weiterer XY-Abklatsch zu klingen. Ich arbeite derzeit an mehreren Tracks, Livesets und einigen Projekten von Menschen, deren Musik ich sehr schätze. Da ich aber bisher noch kein Label bzw. Partner gefunden habe, die mir bei der Umsetzung helfen für mein Soloalbum gefunden habe, warte ich bis der richtige Moment kommt, das alles aufzuzeichnen. Im Grunde geht’s schnell: ein oder zweimal einspielen, mastern lassen – fertig. Ich weiß aus der Vergangenheit, dass man das alles nicht ganz allein durchziehen kann – vor allem mit dem ganzen lästigen Buisness-Schmutz, der dranhängt, sobald man die Platte im Kasten hat. Ist der richtige Moment gekommen, wird es also mit Alben nicht lange auf sich warten lassen. Bis dahin spiel ich eben weiter Gigs und arbeite an neuen Livebeats.

Die erste »Beats On Road«-Folge mit digitalluc findest du hier.

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