»Dass die Amis unsere Sachen gefühlt haben, sagt mir nur, dass wir was richtig machen« // AT Beatz im Interview

-

Neben Sonus030, Ronny J und Jimmy Torrio ist AT Beatz einer der musikalischen Architekten von »808«. Als langjähriger Freund und Wegbegleiter ist der Berliner Producer eine der wichtigsten Anlaufstellen für Ufo in Soundfragen.

Du produzierst schon seit Ufos Anfängen für ihn. Welches Sound-Konzept steht hinter »808«?
Bei »808« war schnell klar, dass es düster ausfallen und sich am typischen Atlanta-Sound orientieren muss. Wir waren aber auch sehr darauf bedacht, den Berliner Style darin zu integrieren. Es ging um Kontraste: Auf »Dream« läuft zum Beispiel der Beat durch, und auf einmal kommt eine leere ­Stelle – das überrascht und verwirrt zugleich. Wir spielen viel mit verrückten Sounds. Es sollte eine stetige Spannung vorhanden sein, auch wenn das Instrumental im Kern minimalistisch bleibt. Du brauchst kein 16-Bars-8-Bars-Schema, damit ein Song funktioniert. Wir wollten zeigen: Ein Beat ist mehr als ein Loop.

Trap wurde oft vorgeworfen, immer die gleichen Sounds zu benutzen wie zum Beispiel die Nexus-Plug-Ins. Wie seid ihr ­damit umgegangen?
Wir haben versucht, nicht zu offensichtlich zu sein. Ich habe eigentlich immer meine eigenen Sounds, aber am Ende geht es um die Atmosphäre. Da ist es egal, ob der Sound jetzt von Nexus oder Omnisphere stammt. Kategorisch irgendwelche Snare-Rolls auszuklammern, war nicht unser Credo. Es ging um das, was wir gefühlt haben.

Wie siehst du als Ufos ­Wegbegleiter seine Entwicklung?
Ich kenne ihn seit den Hoodrich-Zeiten, und er war immer jeden Tag im Studio – ein Arbeitstier. Ufo hat damals schon versucht, in allem ein gewisses Niveau zu haben, sei es Beats machen, Fotografie, Videos, Recording, Mixing und Raps sowieso. Es überrascht mich immer noch, wie professionell er geworden ist.

»Ein Beat ist mehr als ein Loop«

Ufo meinte, die Zusammenarbeit mit den US-Künstlern verlief relativ eng. Wie hast du als Producer darauf Einfluss genommen?
Ufo hat Kontakt mit der 808 Mafia geknüpft, als er in L.A. war. Zur ers­ten Zusammenarbeit kam es auf dem Song »Ohne mich«. Natürlich muss man die eigenen Vorstellungen etwas hinten anstellen, wenn man auf einem Beat kollaboriert – erst recht, wenn man mit so großen Namen arbeitet. Einfluss habe ich insofern genommen, als dass die Beatskizzen, die wir den Amis vorgelegt haben, hauptsächlich von mir kamen. Die mussten sich also schon an unserem Sound orientieren. Es war eine gute Erfahrung, wir haben vorher noch nie mit so vielen Producern gearbeitet. Beim Arrangement von »Ohne mich« haben wir drei, vier verschiedene Beats zusammengemischt. Es war einfach genial, dass jeder von uns die Möglichkeit hatte, mit professionellen Leuten aus den Staaten zu kollaborieren – Sonus zum Beispiel auch mit Ronny J für »Power«.

Was hast du von der Zusammenarbeit mit US-Produzenten gelernt?
Man kann sich nur inspirieren lassen, ich saß ja nicht mit ihnen zusammen. Die Jungs wissen genau, was zu tun ist und machen ihren Job gut. Die liefern sehr schnell und leidenschaftlich ab und sind in der Lage, sich dem jeweiligen Projekt anzupassen – trotz ihres Trademark-Sounds. Dass die unsere Sachen gefühlt haben, sagt mir nur, dass wir was richtig machen und hat mich umso mehr motiviert, am Ball zu bleiben und mich zu entwickeln. »808« ist dadurch noch authentischer geworden.

Dieses Feature erschien als Teil der Titelstory erstmals in JUICE #186. Back-Issues können versandkostenfrei im Shop nachbestellt werden.

Foto: Purps 808 Mafia

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein