American Dreams: Das Producer-Trio Shucati über die Arbeit mit Timbaland, Dave East uvm. // Interview

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Stell‘ dir vor, du bist ein ambitionierter Producer, dein Telefon klingelt und Timbaland ist dran, um dich für eine Session in die USA einfliegen zu lassen. Das Producer Trio Shucati hat genau das erlebt. Bestehend aus der deutschen Producer-Instanz Shuko und den Newcomern Sucuki (aka Tim) und Luca, haben sich die drei in Windeseile internationale Kunden und Placements bei u.a. Future, Dave East oder Tee Grizzley erspielt. Was sie machen? Sie bauen einzelne Samples und Melodien und verschicken sie an ihre Kontakte in die USA.

Im JUICE-Exclusive-Interview erzählen die drei von dem florierenden Sample-Pack-Business, von den Sessions mit Timbaland, Dave East und Chance The Rapper in Atlanta und Miami, und davon, wie sich das Producer-Business verändert hat. Ein Gespräch voller wahrgewordener Träume und interessanten Einblicken hinter die Kulissen der weltweiten Musikindustrie.

Lasst uns gerne ganz am Anfang beginnen: Wie kam dieses Shucati-Projekt zustande?
Luca: Ich habe mit Shuko vor der Entstehung dieses Trios bereits ein Jahr zusammengearbeitet. Ich habe dann vorgeschlagen, dass wir auch mal anfangen könnten, Melodien rauszuschicken, um damit auch mit anderen Produzenten, auch aus den USA, zu connecten. Kurz bevor wir damit angefangen haben, kam über einen Freund von mir noch Tim dazu. Zu dritt haben wir dann damit angefangen, diese Melodie-Packages rauszuschicken mit dem Ziel, an so viele Ami-Kontakte wie möglich zu kommen. Das war die Grundlage für das Shucati-Projekt.
Tim: Du hast Shuko doch damals bei einem Workshop kennengelernt, oder?
Luca: Oh ja, stimmt. Das war way back.
Shuko: Der Workshop hieß »Produzentrum«, der fand damals in Mannheim statt. Da erzählt man etwas aus dem Business und gibt den jungen Kids, die Bock haben Beats zu machen, Hilfestellungen. Bei Luca hat mich beeindruckt, wie fokussiert er war und wie viele Fragen er gestellt hat. Wir haben danach den Kontakt gehalten und der ist nie wirklich abgebrochen. Das war zwei Jahre, bevor wir Shucati gegründet haben. Ich habe Lucas Schaffen immer verfolgt und beobachtet, wie er immer besser wurde. Was dieses Sample-Ding angeht: Da gibt es ja schon Leute, die das seit Jahren machen. Wie die Cubeatz zum Beispiel. Die kenne ich auch schon sehr lange. Aus der Zeit, als wir zusammen JBG gemacht haben oder all die Massiv-Sachen. Ich habe das aber irgendwie total vernachlässigt, bis Luca irgendwann kam und meinte, dass wir das mal ausprobieren sollten. Wir haben dann losgelegt und es hat Spaß gemacht.

»Die Producer in den USA müssen so keine Samples mehr clearen. Wir stellen sie ja schon bereit«

Luca

Erklärt doch bitte noch einmal, was es mit diesen Melodie- und Sample-Packages auf sich hat.
Tim: Wir produzieren quasi den Klangteppich der Songs, bzw. die Melodien. Eigentlich machen wir alles bis auf die Drums. Wenn man diese Melodien und Samples einzeln hört, ist das schon so weit, dass man den Song bereits vor Augen hat – nur eben ohne die Drums. Das ist der Weg, wie man mit den Leuten aus den USA am besten kollaborieren kann.
Luca: Das hat auch den Vorteil, dass andere Produzenten dementsprechend keine »richtigen« Samples clearen müssen. Wir stellen diese Samples und Melodien quasi schon bereit.

Diese Pakete schickt ihr dann in die USA, wo der nächste Produzent sitzt, der dann damit machen kann was er will? Oder seid ihr im weiteren Prozess noch involviert?
Luca und Tim gleichzeitig: Das kommt immer darauf an, wer dasitzt.
Tim: Grundsätzlich funktioniert es so, dass man diese Packs ready macht und an alle Kontakte in den USA, mit denen wir kollaborieren, rausschickt. Man kennt sich dann nicht unbedingt persönlich, klar. Aber es ist doch eine Win-Win-Situation: Die Produzenten drüben wollen oftmals auf Quantität gehen und schnellstmöglich ihre Sachen rausschicken und sich nicht mit dem Sampeln selbst aufhalten. Als deutscher Produzent ist man wiederum nicht vor Ort in den USA. Um dort aber an die Rapper ranzukommen, ist es vorteilhaft, dass wir mit den Produzenten kollabieren, die auch entsprechende Kontakte haben. In den USA nehmen viele Rapper ja ausschließlich mit ihren Hausproduzenten auf.

Shucati im Studio mit Timbaland und Teyana Taylor

Naive Frage: Drei Produzenten für einzelne Melodien und Samples? Ist man da als Gruppe nicht etwas zu groß für? Wie teilt ihr euch die Arbeit auf?
Tim: Jeder spielt eine Note ein (lacht). Ne, Quatsch.
Luca: Wir schicken unsere Pakete in Ordnern raus. Wenn wir uns vornehmen, am Ende einer Woche einen Ordner mit 12 Melodien zu verschicken, schauen wir, dass wir uns das von der Menge her aufteilen. Dass jeder ähnlich viele Melodien übernimmt. Häufig haben wir aber auch Sessions zu dritt, in denen viele Sachen entstehen. So entsteht dann durch die Arbeit von uns drei unsere eigene Library mit unseren Sachen. Unser Vorteil ist, dass wir uns musikalisch auch gut ergänzen.

Inwiefern?
Tim: Grundsätzlich ist es gerade sehr angesagt, die Sound-Ästhetik eines echten Samples zu emulieren. Das war die letzten drei bis vier Jahre das Ding. Wir selbst arbeiten aber auch viel mit analogem Vintage-Gear. Unsere Stärke ist meiner Meinung nach, dass jedes unserer Packages für fast jedes Genre nutzbar ist. Von sehr düsterem HipHop-Stuff über epischere Sounds bis hin zu R’n’B oder sogar Gospel. Das ist die ganze Bandbreite.

»Es wird heute vielmehr in gemeinsamen Sessions gearbeitet. Man probiert mehr aus, teilt Knowledge. Das finde ich richtig gut«

Shuko

Macht es einen emotionalen Unterschied, ob ihr als Producer einen gesamten Track von Anfang bis Ende begleitet oder ob eben andere Producer auf euer Vorarbeit aufbauen? Entsteht dadurch eine andere Bindung zum Endprodukt?
Shuko: Für mich persönlich macht es gar keinen Unterschied. In den letzten Jahren habe ich gelernt, dass Teamwork jede Produktion auf ein höheres Level hebt. Man sieht das auch, wenn wir mit Timbaland oder DJ Mustard arbeiten. Die kommen auf Patterns oder Drums, auf die wir so wahrscheinlich nie gekommen wären. Dabei lernt man natürlich total viel. Man hat dann auch Samples, bei denen man sofort weiß, zu wem die passen würden. Zum einen herrscht bei uns aber natürlich auch eine interne Competition: Wenn Luca ein krasses Sample macht wissen Tim und ich, dass wir nachlegen müssen. Das macht etwas mit einem. Für mich ist das hier aber ein komplettes Crew-Ding. Ich freue mich auch, wenn ein Sample von uns gepickt, an dem ausschließlich Luca gearbeitet hat, oder nur Tim. Das Ego hat da gar nicht mehr soviel zu suchen. Man ist eher happy darüber, Teil davon zu sein und umso mehr, wenn es am Ende einfach ein geiles Produkt wird. Wie bei Dave East zum Beispiel. Da war ich gar nicht dabei, da waren nur Luca und Tim bei den Sessions. Trotzdem freue ich mich, wenn der Track dann dope geworden ist. Generell hat sich das klassische Producing, bei dem ich zum Beispiel einem Rapper direkt einen kompletten Beat schicke und der damit arbeitet, auch einfach verändert. Es wird vielmehr in gemeinsamen Sessions gearbeitet. Man probiert mehr aus, teilt Knowledge. Das finde ich richtig gut.

Wann ging das los, dass sich das Producing in diese Richtung verändert hat?
Shuko: Im Pop-Bereich gab es ja schon lange Songwritig-Sessions, an denen mehrere Producer und Songwriter teilnehmen. Irgendwann wollte HipHop auch ins Radio, in dem Zuge kamen dann auch Songwriter mit anderen Sichtweisen dazu. Das war in Amerika schon sehr früh so, in Deutschland wurde es mit der Zeit immer mehr. Und heute ist das alles ja eh irgendwie eine Welt. HipHop ist Pop und Pop ist HipHop. Es geht mittlerweile einfach mehr um den Song.

Im zweiten Teil des Interviews mit Shucati geht es um die Erfahrungen, die die Jungs vor Ort in den USA in Sessions im Timbaland, Dave oder Chance The Rapper gemacht haben. Spontane Studiobesuche von Teyana Taylor inklusive.

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