2Pac – All Eyez On Me (1996) // Review

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Death Row/Interscope)

Als ich das Album vor mittlerweile immerhin schon zehn Jahren zum ersten Mal gehört hatte, war ich fasziniert. Im Vergleich zu den meisten bisherigen Veröffentlichungen war »All Eyez On Me« einfach zu gut produziert. Sehr musikalisch, mit viel Gefühl für Details und vor allem mit einem unglaublichen Hit-Potenzial ausgestattet, stellte das Album eine echte Ausnahme in einer Zeit dar, als Mainstream-Rap noch weitgehend verpönt war. Allein die Beats von Dre, Daz und Johnny »J« waren ihrer Zeit so weit voraus, dass man »All Eyez On Me« auch heute noch veröffentlichen und nicht wenigen Konkurrenten das Wasser in die Augen treiben könnte. Fast jeder einzelne der 27 Songs hätte problemlos als Single mit Videorotation durchgehen können — leider ist es dazu nicht mehr gekommen. Auf »All Eyez On Me« jedenfalls hören wir einen jungen, hochmotivierten Rapper, der im Knast gewesen, fünf mal angeschossen worden und noch immer von dem Gedanken besessen und getrieben war, frühzeitig sterben zu müssen. Tupac beweist nicht nur aufs Neue, dass er ein hervorragender Rapper und Songwriter ist, sondern zeigt in seinen Songs so viele Emotionen, dass es man ihm einfach jedes einzelne Wort abnehmen muss. Kaum eine Lebenslage wird dabei ausgelassen: Auf »Only God Can Judge Me« rappt er über falsche Freunde und Hater. Auf »Life Goes On« gedenkt er dagegen verstorbener Homies. Und »2 Of Amerikaz Most Wanted« ist eine dicke Snoop-Kollabo, in deren legendärem Video Pac und Big Syke im Stile von Tony Montana ihre Rivalen Biggie und Puffy ausschalten, um danach gemeinsam mit dem D-O-Double-G den Triumph zu begießen – ain’t nuthin‘ but a gangsta party! Gemeinsam mit Kurupt wird die »Check Out Time« eingeleitet und mit K-Ci & JoJo der Club aufgemischt (»How Do You Want It?«). Wie man auf die schiefe Bahn gerät, erklärt Pac »Shorty Wanna Be A Thug«, nicht aber um zu glorifizieren, sondern vielmehr um die Jugend zu warnen — denn »Heaven Ain’t Hard To Find«. Mit dieser immensen Themenvielfalt und vor allem der großartigen musikalischen Umsetzung schaffte es Tupac, einer ganzen Generation aus dem Herzen zu sprechen. Meiner Meinung nach das beste Rapalbum aller Zeiten.

Text: Separate

 
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