Wale – Attention Deficit

 

Wale_Attention-Deficit

 

(Allido/Interscope)

 

Das vergangene Jahr haben sich wohl einige Newcomer aus Übersee rot angestrichen. Darunter auch der aus Washington D.C. stammende Wale, der die Hörerschaft bisher durch etliche Mixtapes aufhorchen ließ, dann aber mit seiner offiziellen Debüt-Single “Chillin’” inklusive Lady Gaga endgültig die Ohren der gesamten Rap- sowie auch Pop-Gemeinde zumindest für dreieinhalb Minuten fesseln konnte. Wale hat zwar bis zum Ende des Jahres gewartet, um die Katze aus dem Sack zu lassen, dafür bekommt man mit “Attention: Deficit” ein Album geboten, mit dem man sich gewiss auseinandersetzen muss. Denn hier bekommt man nichts so serviert, wie man es normalerweise gewohnt ist. Anders lässt es sich nicht erklären, wie solch ein gegensätzliches Rezept wie auf “Chillin’” auch in ähnlicher Weise auf dem gesamten Langspieler funktioniert. So bekommt man einzigartigen Eastcoast-Sound auf eingängigen Produktionen von Best Kept Secret (“Mama Told Me”, “Prescription”) oder ein grandioses Tag-Team in Form von Wale und J. Cole auf “Beautiful Bliss” geboten, auf der anderen Seite aber auch minimalistischen Neptunes-Sound auf “Let It Loose”. Ausgerechnet Dünnbrettbohrer Gucci Mane findet sich auf einer der besten Nummern des Albums, dem funkigen “Pretty Girls”, wieder. Und ausgerechnet die mit Hochspannung erwarteten Kollaborationen mit den Rap-Schwergewichten Bun B (“Mirrors”) und K’naan (“TV In The Radio”) können leider nicht wirklich zünden. Dafür überzeugt überraschenderweise das an den “Heartbreak”-Kanye erinnernde “90210”, auf dem Wale die Geschichte eines Mädchens aus Beverly Hills erzählt. Ein sehr gegensätzliches, verwirrendes Album also, dessen überdurchschnittliches Potenzial sich nicht auf Anhieb erkennen lässt.

 

Text: Daniel Kececi