Snoop Dogg – Malice N Wonderland // Review

 

Snoop-Dogg_Malice-N-Wonderland

 

(Doggystyle/Priority/EMI)

Wertung: Dreieinhalb Kronen

Zehn Studioalben sowie knapp zwei Dekaden im Geschäft und nicht ein Wort, das auch nur annähernd nach Rücktritt klingt. Snoop Dogg gehört zum HipHop-Inventar wie Nike-Sneakers und langweilige Live-Shows. Und dieser Calvin Broadus hat offenbar keinerlei Interesse, daran etwas zu ändern. Wieso auch? Snoop Dogg ist der fleischgewordene Qualitätsgarant des Genre-Zirkus. Seine unaufgeregt dahingelümmelten Reime gehen immer. Im Rap-Lexikon steht Snoop unter Swagger weiterhin an erster Stelle. Dabei sollte längst bekannt sein, dass Snoop mittlerweile wegen seiner Berühmtheit berühmt ist und nicht wegen seines Rap-Talents. Für diese Erkenntnis brauchte es keine Reality Soap bei einem führenden amerikanischen Unterhaltungssender, der neuerdings auch Gefallen am Hundeleben gefunden hat. Daran ändert auch “Malice N Wonderland” rein gar nichts. Episodisch gibt es dabei Beiträge aus jedem Abschnitt seiner beeindruckenden Karriere: lupenreines G-Funk-Material mit Kokane auf dem sommerlich blubbernden “Secrets”, Down South-Gefühl dank Lil Jon-Bounce auf “1800” und der (qualitativ fraglichen) Soulja Boy-Kollaboration “Pronto” im Geiste Master Ps, Dre’schen Bass-Druck mit “2 Minute Warning”, sowie auf Neptunes-Keys gebetteter Wohlfühl-Firlefanz auf “Special” und “Drop It Like It’s Hot”-Adaption mit Westcoast-Retter Nipsey Hu$$le per “Upside Down” wie einst in der Star Trak-Ära. Die Erinnerung, dass der Hundevater auch im hassgeliebten Radioformat zahnlos bellen kann, hätte dennoch nicht in vierfacher Form erfolgen müssen. “Different Languages” hält zwar noch ein gewisser Teddy Riley in den Produktionscredits interessant, “Pimpin Ain’t EZ” mit R. Kelly bewahrt Restwärme durch Nottz’ pumpende Sample-Basis, aber die The-Dream-Nummern “Gangsta Luv” und “Love Drunk” bleiben lediglich am ausgeblichenen Rap&B-­Label kleben. Inhaltlich hat Snoop außer dem ausreichend zur Schau gestellten Interesse an dem Jerk Music-Phänomen über diese 50 Minuten traditionell nichts Neues zu erzählen. Die Marschtrommeln und Synthie-Düsen von “I Wanna Rock” sollte ohnehin jeder von den tausendfach in diversen Blogs kursierenden Remix-Versionen der gesamten Rap-Kollegenschaft kennen. Wer sich die angekündigte Rückkehr in die Gangster-Gefilde Long Beachs via Priority-Stempel erwünscht hat, wird enttäuscht sein, für alle anderen bleibt Snoop der coolste Hund am Mikrofon. 

 

Text: Alex Engelen

 

 

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