»Was mich an manchem Rap fasziniert, ist die inhaltliche Leere der Songs« // Vincent Pfäfflin im Interview

Dass Vincent Pfäfflin großer Rap-Fan ist, davon zeugen u.a. sein Besuch in Marvin Games Hotbox, ein Auftritt in SSIOs Video zu »0,9« und sein Rap-Alter-Ego Vini Paff. Grund genug für einen Rap-Talk mit dem Comedian.

Mit Anekdoten aus dem Alltag eines Kiffers ging es für Comedian Vincent Pfäfflin bis vor kurzem noch auf »Nicht mehr ganz so dicht«-Tour durch Deutschland. Aufgewachsen ist der 38-Jährige in den USA, wo er seine Teenie-Zeit unter anderem mit »skaten, Blunts rauchen und freestylen« verbracht hat. Dass er immer noch großer Rap-Fan ist, davon zeugen sein Besuch in Marvin Games Hotbox, ein Auftritt in SSIOs Video zu »0,9« und sein Rap-Alter-Ego Vini Paff.

Was war dein erstes HipHop-Erlebnis?
Ich hab damals »Naughty By Nature« auf Kassette gekauft, als das rauskam. Das erste, was mich richtig eingenommen hat, war »Enter The 36 Chambers« von Wu-Tang Ende 1994. Danach war ich komplett auf Rap hängengeblieben.

War zu der Zeit deutscher Rap schon ein Thema für dich?
Ich kann mich erinnern, dass ich damals »Nordisch By Nature« von Fettes Brot hatte. Später kamen Savas und Eko Fresh dazu. An mehr kann ich mich aber nicht erinnern. Ich hab nicht so viel Deutsches gehört.

Wie siehst du die Entwicklung von Deutschrap in den letzten Jahren?
Die Hinwendung zum basslastigeren Sound hat im Allgemeinen vieles auflockert. Alle möglichen Leute machen jetzt Mucke und sind erfolgreich. Das finde ich cool. Der Nachteil ist natürlich, dass vieles gleich klingt. Trap ist halt nicht besonders schwer. (lacht)

Deine EP als Rapper Vini Paff heißt »Kein Skrrt« und parodiert diverse Stilmittel und aktuellen HipHop-Sound. Sind Trap und Cloudrap für dich Moderscheinungen, die höchstens für eine Parodie gut sind, oder sind sie die konsequente Weiterentwicklung von HipHop?
Bei Trap geht es für mich um Future, Gucci Mane, die Migos und ein paar Leute, die diesen Style kreiert haben. Aber es gibt halt zig Kopien. Was mich an manchem Rap fasziniert, ist die inhaltliche Leere der Songs. Also habe ich mich gefragt: Kann man Lieder über nichts machen? Über Fussel im Feuerzeug? Kalk im Wasserkocher? Wenn es ein geiler Beat ist, werden es Leute feiern. Ich finde die Vorstellung witzig, dass jemand einen Ohrwurm hat von einem Song über so ein absurdes Thema.

Welche Parallelen gibt es zwischen Rap und Stand-up-Comedy?
Es ist beides sprachbezogen, poetisch und rhythmisch, und es hat mit Timing zu tun. Raptexte sind oft so strukturiert, dass die Pointe am Ende von einer Bar kommt. So gesehen hast du die gleiche Struktur im Stand-Up. Dort gibt es außerdem das »Roast Battle«, wo zwei Comedians gegeneinander antreten. Da kommt es dann drauf an, wer den witzigeren Diss hat. Wie beim Battlerap.

Welcher deutsche Rapper würde einen guten Comedian abgeben?
SSIO ist der lustigste Dude, den es gibt. Ich bin voll neidisch, ich kann mir das alles gar nicht ausdenken.

Und mit welchem deutschen Rapper würde Vini Paff gerne ein Feature machen?
Yung Hurn. Vor allem die älteren Sachen: »Figaro, Figaro!« (lacht) Oder Helge Schneider! Der ist kein Rapper, aber mit Helge Schneider hätte ich Bock, einen Trap-Song zu machen. Über Wurst oder so was.

Text: Juri Andresen

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