The Weeknd – Beauty Behind The Madness

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(Republic/Universal)

 
»Dirty Diana« hat alles verändert. Auf dem letzten der drei Mixtapes, die The Weeknd vor vier Jahren bekannt machten, coverte er den ­Michael-Jackson-Standard in einer ebenso originalgetreuen wie gespenstischen ­Version: halb Mini-Playback-Show, halb R’n’B in Abwärtsspirale. Gemeinsam mit Drake, How To Dress Well und ein paar anderen ­Dunkeldenkern führte der damals 21-Jährige eine sämtliche Selbstwertgefühle und Nasenscheidewände zersetzende Erscheinungsform des Genres in die Welt der Hipster und SPEX-Abonnenten ein. Dabei gab er sich mysteriös und sprach nur selten. Trotzdem leckte die halbe Musikindustrie Blut: Majorlabels stritten um den Kanadier, Universal erhielt den Zuschlag. Zu groß war bei aller Schüchternheit und jugendgefährdenden Inhalten von Weeknds Songs das Popstarversprechen, das er mit »Dirty Diana« abgegeben hatte. Vier Jahre später hat The Weeknd ein Duett mit Ariana Grande, einen Soundtrackbeitrag zu »Fifty Shades Of Grey« und einen Auftritt mit Taylor Swift auf dem Buckel. Das fröhlich-zugekokste Liebeslustlied »Can’t Feel My Face« wurde in den USA zu seinem ersten Nummer-eins-Hit, es findet sich auch auf »Beauty Behind The Madness« wieder, seinem zweiten Major-Album, mit dem er endgültig zum Nachfolger von Jackson – oder wenigstens von Prince – aufsteigen soll. Könnte rein erfolgstechnisch hinhauen: Ed Sheeran ist am Start, die schwe­dische Songwritermafia, die einst Britney Spears und die Backstreet Boys fit trimmte, außerdem Lana Del Rey mit einer denkwürdig schlecht gespielten Schnapsdrossel-Gesangs­performance. Nur vom Verbotenen und Verführerischen, das The Weeknd überhaupt erst interessant machte, ist wenig geblieben. Er singt seine Fick-mich-Geschichten mit neuer Plastikverkleidung, alles ist gleichzeitig größer gedacht und flacher produziert, am Ende tritt ein gottverdammter Kinderchor auf. Weitere Nummer-eins-Hits sind nicht ausgeschlossen. Wer zum »King Of Pop« werden will, kann 2015 aber nicht mehr klingen wie das Unfallbaby von Bonnie Tyler und Phil Collins.

Text: Daniel Gerhardt

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