The Doppelgangaz [Interview]

Bogle
 
Aus der Wildnis des Hinterlands New York State haben The Doppelgangaz seit ihrer 2008 veröffent­lich­ten EP »The Ghastly Duo« mit Raps über den Lebenswandel eines Halunken – Essensreste aus der Mülltone, Eskapaden mit den Damen der Nacht – eine ergebene Fanbase erobert. Auf Matter Ov Fact und Eps neuem Album »Peace Kehd« finden sich hingegen Referenzen an Fünf-Sterne-Restaurants und erlesene Lebensmittel. Wir haben die Dopp-Gang-Gourmets überredet, uns alles über ihr Food-Game zu verraten. Bon appetit!
 
In »Come Down Awn Ent« sagt Matter Ov Fact »eating them BAKED BY MELISSA’S with cinnamon joints«. Wann habt ihr zum ersten Mal einen »Baked by Melissa«-Cupcake gegessen?
Matter ov Fact: 2009 war ich mit E und meinem Kumpel Ferb in Soho, wir waren einkaufen und holten uns Pizza bei Lombardi’s. Als wir den Laden verließen und zu unserem Auto liefen, sahen wir diese Menschenmenge vor einem Fenster. Wir gingen hin und sahen, dass da eine Frau Cupcakes verkaufte. Wir unterhielten uns mit ihr und sie erzählte uns von ihrem Unternehmen und dass sie die Küche des Restaurants nebenan benutzt, um ihre Cupcakes zu backen. Dann gab sie uns allen was zum Probieren. Ich kann nicht für E oder Ferb sprechen, aber ich musste ejakulieren, so gut waren die Dinger, kein Scheiß. Wir kauften alle ein Dutzend »Cinnamon Joints« und feiern diese Frau seitdem. Es macht mich glücklich, dass es schon so viele ihrer Geschäfte in der Stadt gibt.
 
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Wenn es einen Doppelgangaz-Cupcake gäbe, welche Geschmacksrichtung wäre er?
Matter ov Fact: Ich denke, er hätte den Geschmack einer Dame der Nacht. Vielleicht ein Mini-Cupcake mit Forellenaroma.
 
Apropos Damen der Nacht: auf »Fall Thru« behauptest du, dass du mit »Nutten, die Spaghetti alla puttanesca kochen« abhängst.
Matter ov Fact: Yeah. Übersetzt heißt das ja »Hurenspaghetti«, also dachte ich, es wäre nur logisch, wenn mir eine Hure dieses Gericht kocht.
 
Im selben Stück rappt EP »Shorty schooled me to shawarma and tabouli salad« und erwähnt, wie sie versucht hat, dich mit »diesen Chicken Tetrazzini« zu verführen. Wer war dieses Mädchen?
EP: Shorty war ein Nahost-Import, sie studierte in den USA. Und ich sage dir, es gibt nichts Besseres als eine exotische Frau mit olivfarbener Haut aus dem Heiligen Land. Die essen da drüben richtig gut und auch gesund. Ich schicke meine Liebe an alle Frauen aus Israel, Palästina, Persien und dem Mittleren Osten. Lasst uns die Konflikte dort beenden, indem wir gut essen und trinken.
 
Mit welchen anderen Gerichten würdest du eine Frau verführen?
EP: Ich würde was Einfaches machen, ein Player wie ich braucht echt kein Essen, um jemand zu verführen. Ich liebe Schalentiere und Fisch im Allgemeinen, also wäre es vielleicht ein Gericht mit Scampi oder irgendeine gute Pasta mit irgendeinem Gründler; möglicherweise ein Cioppino oder ein Fischeintopf. Es dürfte kein zu schweres Gericht sein, denn dann muss sie kacken gehen und ich verliere jegliches Interesse an einem romantischen Abend mit ihr.
 
Worum geht es bei der Stelle über die »Chicken Tetrazzini«?
EP: Ich habe sie erwähnt, weil es eine berüchtigte Episode der »Maury Show« gibt, in der eine Frau den Freund ihrer Freundin damit verführt. Wie sie das sagt, ist urkomisch, also wollte ich das erwähnen. Das Gericht selbst klingt aber gar nicht so gut. Ich glaube, es ist irgendein Auflauf – nicht so geil.
 
Auf »Holla x2« sprichst du von einer Diät, bei der du »auf Rind verzichtet und einen Haufen Grünkohl gegessen« hast. Grünkohlsalat ist heutzutage sehr beliebt – was hältst du davon?
EP: Grünkohl ist lecker, vor allem in einer portugiesischen Grünkohlsuppe. Ohne was dazu ist er aber eher unspektakulär. Generell bin ich dafür, sich gesund zu ernähren, auch wenn ich selbst nicht sehr gut darin bin. Ich will aber, dass meine Ladies gut aussehen. Esst weiter Grünkohl. Gebt ihn mit etwas Obst in den Mixer. Du wirst nicht mal merken, dass er drin ist, Mama.
 
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Was war euer peinlichster Moment bei einer Dinner-Party?
EP: Meine Oma hat mich und meinen Cousin mal in ein feines Restaurant mitgenommen, wo die Kellner jede deiner Bewegungen beobachten – nicht, weil sie aufdringlich sind, sondern damit sie dir jeden Wunsch von den Lippen ablesen können. Da war es total still und ich habe eine Geschichte erzählt und dabei mit der Hand ein Glas umgestoßen, das dann zerbrach. Aber diese Typen waren so schnell bei der Sache, dass sie schon alles sauber gemacht hatten, als ich runterschaute, um zu sehen, was ich angerichtet hatte. Und ich glaube, ich war da auch noch in Jeans und T-Shirt, weil meine Oma mir nicht gesagt hatte, dass wir fein essen gehen. Ich dachte, das wird ganz locker. Also stand ich am Ende da wie der Depp, der sich nicht angemessen anziehen kann und Sachen kaputt macht. Egal. Das Essen war verdammt gut.
 
Welche Doppelgangaz-Tracks würdet ihr Leuten für die Playlist einer Dinner-Party empfehlen?
EP: Ich denke, viele der früheren Sachen wären passend – die sind entspannter. Auf niedriger Lautstärke wäre das sogar ideal für eine schicke Dinner-Party. Ich würde es empfehlen. Probiert es einfach mal aus.
 
Auf »KnownChootalye« prahlt Matter ov Fact auch, »I be in magazines eating lan­gous­tines«. Wie würdet ihr den Geschmack des Kaiserhummers beschreiben?
Matter ov Fact: Süß, köstlich und fein. Im Gegensatz zu den Frauen, mit denen ich zu tun habe.
 
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Nas hat sich selbst in seinen Raps als »seafood lover« bezeichnet. Welches Gericht würdet ihr für ihn kochen?
Matter ov Fact: Jetzt respektiere ich Nas noch mehr. Seafood-Liebhaber sind die einzigen Menschen, mit denen ich mich umgebe. EP ist auch einer und wenn er das nicht wäre, könnten wir nicht zusammen Musik machen. Ich würde wohl ein Gericht mit mehreren Arten von Meeresfrüchten kochen.
 
Nochmal zu »Come Down Awn Ent«. EP erwähnt, wie »sie das Hühnchen gewürzt hat wie die Hölle«, es hätte jedoch etwas gefehlt, wahrscheinlich Petersilie. War das von einer wahren Begebenheit inspiriert?
EP: Ich hatte mit Chicks zu tun, die wissen, wie man mit einem Krabbenbein umgeht, und anderen, die in der Küche absolut planlos waren. Ich kannte mal eine, die das Huhn aus der Packung holte und damit direkt zum Ofen ging. Ich war schockiert. Aber dieses Mädel, von dem ich da rede, schien das Würzen wie eine Wissenschaft zu betreiben, doch mein Gaumen sagte mir was anderes. Da fehlte ein bisschen Petersilie. Abgesehen davon war es lecker.
 
Was sind deine eigenen Tipps beim Würzen von Hühnchen?
EP: Ich mag alle möglichen Zubereitungen, aber zuerst mal ist es sehr wichtig, das Hühnchen in Salzlake einzulegen und zu säubern. Diese Lake verstärkt den Geschmack besonders und macht es saftiger. Was auch immer du dann noch an Gewürzen hinzufügst, ich denke, das Endergebnis wird gut. Eine gute Schicht Gewürze schließt die Säfte ein. Ich mag mein Hühnchen wie meine Frauen: außen knusprig, aber Scheiße, wenn du da reingehst, findest du große ozeanische Nässe.
 
Letzte Frage: Was war das beste und schlechteste Essen, das ihr je in Deutschland hattet?
EP: Wenn man sich mit Leuten – vor allem Künstlern – über Essen in Deutschland unterhält, bekommt man normalerweise eine negative Antwort. Nun, ich kann nur sagen, das sind Idioten, denn das entspricht überhaupt nicht unserer Erfahrung. Wir essen gut. Wir lieben das Beef Brothers in Köln. Die Burger dort sind perfekt zubereitet und präsentiert. Und sie spielen unsere Musik, dafür bekommen sie noch Bonuspunkte. Am schlechtesten ist vielleicht das Sushi, aber ich denke, ich habe einfach nicht den besten Laden dafür gewählt. Ich habe die Hoffnung auf wirklich gutes Sushi in Deutschland noch nicht aufgegeben. Wir werden es finden. Versprochen!
Matter ov Fact: Das Schlimmste, was ich je in Deutschland gegessen haben, waren Pringles mit Schokoladen-Minz-Geschmack. Ich habe einen starken Magen, aber ich musste mich fast übergeben.
 
Text: Phillip Mlynar
Übersetzung: Matthias Jost
Foto: Presse
 
Dieser Artikel ist erschienen in JUICE #157 (hier versandkostenfrei nachbestellen).
 

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