Tape des Monats: Silk Mob – Silk Mob // Review

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(Silk Mob / Rar / Motor Entertainment)

Vermutlich hat da niemand nach gefragt, aber Deutschrap hat jetzt eine Boyband. Mit offenen Hemden, Stielrosen und schönen Frisuren geht es gefährlich post-ironisch an Cloud- und Trap-Zitaten vorbei in Richtung neuer Dekade. Dabei kommt bei der fünfköpfigen Formation einiges an Kompetenz zusammen. Opti Mane, Donvtello sowie Jamin steuern Vocal-Parts bei, während Lex Lugner und Fid Mella für Beats, Instrumentierung und Produktion sorgen. Vorschnell ließe sich hier behaupten, das sei einfach »nur« Bone Thugs-N-Harmony auf Deutsch gescrewt. Jein. Genau das ist nämlich der Punkt. Die Jungs lassen dieses gar nicht so leichte Kunststück extrem lässig und einfach aussehen. Das war so in der Form auch noch nicht da. Lugner und Mella koordinieren den gelenkigen Input der drei Singsang-MCs extrem geschickt. Das ist grundsätzlich nicht selbstverständlich und insbesondere in der Disziplin Deutschrap schwierig und selten. Die Tracks fließen herrlich husten-sirup-artig ineinander und klingen wie aus einem Guss. An nur wenigen Tagen Aufnahmezeit entstanden die Tracks in nur einer Session. Im Prinzip triggern Silk Mob gerade alles, was dem deutschsprachigen HipHop in den letzten Spielzeiten so ein wenig fehlte. Witz, Verspieltheit und die Lust sich auszuprobieren. Das Technische wird von Opti Manes und Donvtellos Doubletime-Parts abgedeckt. Gleichzeitig ist das höchst melodisch, weil der gesungene Tiroler Mundart-Gesang von Jamin irgendwie knistert. Zugegeben, das Projekt Silk Mob ist nicht einfach so aus dem Nichts entstanden. Gewisse Einzelteile waren bereits seit geraumer Zeit vorhanden, wurden aber erst jetzt an der richtigen Stelle zusammengefügt. Donvtello und Opti sind seit Jahren enge Vertraute mit dem gleichen vom Dirty South inspirierten Untergrund-Mindset. Jamin lies sich für zwei Platten von Fid Mella produzieren. Lex Lugner gilt als treibende Kraft bei der Austroinvasion um Yung Hurn und Mella schraubte bereits vor ziemlich genau zehn Jahren Beats für Melting Pot zusammen. An dieser Stelle wird jetzt deutlich, wie sehr hier alle Beteiligten das Beste aus dem jeweils anderen herausholen. Kommt schon, wann wurde das letzte Mal Bademental auf Bademantel auf Bademantel auf Bademantel gereimt? Mit »Gaspedal« hat Deutschrap jetzt außerdem auch endlich eine längst überfällige Standgas-Version von Traes »Swang« mitgegeben bekommen. Silk Mob ist ein Tape voller Hymnen geworden. Das ist irgendwie nicht das, was wir wollten, aber das was wir gebraucht haben.

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