T9 – Maestro Antipop // Review

Dass man mit Bummtschack im Deutschland der späten 10er-Jahre keine Streaming-Rekorde aufstellt, interpretieren T9 als Narrenfreiheit und drehen den Bummtschack auf links.

(New Def)

Wertung: Vier Kronen

Dass man mit Bummtschack im Deutschland der späten 10er-Jahre keine Streaming-Rekorde aufstellt, interpretieren T9 als Narrenfreiheit und drehen den Bummtschack auf links. Schon seit vier Alben fließen die Auswürfe von Torkys Sampler jetzt ständig in- und wieder auseinander, laufen vor- und wieder rückwärts und treffen auf ein großes Ensemble an Percussions. Trotzdem klingt das Ergebnis immer reduziert und gibt Tandempartner doz Raum für verbale Auswürfe voller Lautspielereien und Kneipenphilosophie. »Simpel ist King«, stellt der selbsternannte schönste Mann im Raum fest, dabei ist das, was er von sich gibt, gar nicht immer so selbsterklärend. Wer ist nochmal Ruth Moschner und wer Wolfgang Bahro? Und überhaupt: »Ist das Kunst oder Kanye West?« Ja, T9 haben in ihrer skizzenhaften Abenteuerspielplatzästhetik jetzt Themen versteckt. Eines davon ist die Selbstheiligsprechung eines gewissen Rap-Kollegen aus Übersee, der nicht so genau weiß, ob er in der Galerie oder bei TMZ stattfinden sollte und damit eigentlich ähnlich ambivalent ist wie doz, der mal über den Klassenkampf philosophiert und dann wieder deutsche TV-B-Prominenz aufzählt und sich schließlich auch noch beschwert, dass die Kids auf dem Schulhof dem nicht folgen können. Auch »Mamaq« hat ein Thema, das eher ein überstrapaziertes Deutschrap-Klischee ist: Den Sex mit der Mutter eines Gegenüber. Dank 80er-Porno-Soul, dazu passender Vocals von Flo Mega und verschmitzter Textzeilen funktioniert das sogar irgendwie, wahrscheinlich auf eine ähnliche Art und Weise wie ein gut-getimter Dad-Joke. Grown Man Rap ist das hier nicht so ganz, dafür lacht er zu viel über sich selbst, wenn er mal wieder eine Schnapsidee konsequent durchgezogen hat. »Tabulos« ist so eine Schnapsidee und löst ein Versprechen aus dem Jahr 2017 ein. Damals erschien als Appetizer zu »Plastik aus Gold« nicht etwa ein Track aus selbigem Album, sondern einer aus dem damals noch undatierten und jetzt vorliegenden Nachfolger – weil why not. Vielleicht nennt doz demnächst ja mal Andy Kaufman in einer seiner Assoziationsketten. Dessen »Anti-Humor« und der Antipop von T9 sind Brüder im Geiste.

Text: Mathis Raabe

1 KOMMENTAR

  1. Hallo Leute ,ich bin langjähriger Fan und auch Kenner des Duo T9 !
    So eine Review kommt zustande, wenn man sich so gar nicht mit dem Künstler DoZ 9 und der grandiosen Platte des Duo T9 auseinandergesetzt hat. Allein schon die Argumentation zum Track Mama« ich zitiere: hat ein Thema, das eher ein überstrapaziertes Deutschrap-Klischee ist: Den Sex mit der Mutter eines Gegenüber. Wer Doz kennt und ab und zu mal ein Interview gehört hat, wo er im Nebensatz verlauten ließ, dass er Frau Und Kind hat ,deswegen auch Sucker ^^
    Sehr traurige und oberflächliche Review !

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