Suff Daddy & Torky Tork – Carpet Patrol [Interview]

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Verdampft noch mal!
 
Die beiden Berliner Beat-Nerds Suff Daddy und Torky Tork haben eine Platte gemacht. »Carpet Patrol« heißt sie. Wer sich ein bisschen mit US-amerikanischem ­Drogenslang auskennt, der weiß: »Carpet Patrol« meint Crackjunkies, die den Boden nach Resten der Droge absuchen. Was das nun mit der Platte zu tun hat? Nun ja, im Vergleich mit dem bisherigen Schaffen der beiden – hier der Konzept-Digger Torky mit ­seinen verkopften Sample-Projekten, dort der Westcoast-affine Betty Ford Boy mit den ­drückenden Basslines – wirkt das verpeilt-böse »Carpet Patrol« durchaus ziemlich ­toxisch und wahnsinnig. Aber Sorgen muss man sich um die beiden nicht machen, denn natürlich wird im Studio kein Crack geraucht. Dafür kommen andere Kräuter zum Einsatz – und die werden nicht geraucht, sondern verdampft. Ein Fachgespräch.
 

 
Wie ich sehe, habt ihr euch neues Equipment gekauft. Was ist das für ein Gerät?
Suff Daddy: Also das hier ist der Solo von Arizer, der wohl derzeit beste mobile Vaporizer auf dem Markt. Nachdem ich aufgehört hatte zu rauchen, suchte ich nach einer ­Methode, Marihuana zu konsumieren, ohne zu rauchen. Und da bin ich auf den Vaporizer gestoßen. Torky und ich hatten zuvor schon den G Pen von Snoop Dogg bestellt, weil wir dachten, dass der bestimmt ein super Kiffer-Produkt auf den Markt bringen würde. Aber dem war dann leider nicht so, und der G Pen ist kaputtgegangen. Also haben wir auf ­verdampftnochmal.de ein bisschen Recherche betrieben und sind auf den Solo gestoßen. Der ist nicht besonders handlich und man kann ihn nicht so gut verstecken wie den G Pen, aber dafür macht er mit Abstand den allerbesten Dampf.
 
Wie funktioniert so ein Gerät?
Suff Daddy: Oben in das Glasröhrchen kommen deine Kräuter rein. Unten ist ein Heizelement drin, das man auf verschiedene Temperaturen einstellen kann, von 180 bis 210 Grad. Ab 180 Grad wird ja THC gelöst. Unten wird jedenfalls die Luft erhitzt und am Weed vorbeigeführt, dadurch werden dann die Wirkstoffe gelöst.
 
Also wird das Weed dabei nicht ­verbrannt.
Suff Daddy: Genau, die Lösung der ­Wirkstoffe geschieht allein durch ­Verdampfung.
 
Hier steht noch ein Vaporizer, aber eine stationäre Variante.
Suff Daddy: Das ist ein Vapormed, auch sehr zu empfehlen. Aber mittlerweile hab ich mich an den Solo gewöhnt, da man ihn sehr gut mitnehmen kann. Den Vapormed muss man eben an eine Steckdose anschließen, aber der ist schon auch sehr geil. Können wir dir später noch zeigen.
 
Und den Solo nimmste dann mit in den Club, oder wie?
Suff Daddy: Genau. Früher habe ich Kette geraucht, aber jetzt nehme ich einfach das Ding mit. Irgendwas muss ich ja machen.
 
Wie oft wirst du gefragt, was das für ein Ding ist?
Suff Daddy: Jedes Mal, wenn ich damit irgendwo rumstehe. Die wenigsten kennen das, aber bisher sind eigentlich alle davon begeistert. Torky hat sich selbst schon so ein Ding gekauft, und viele meiner Freunde denken darüber nach, sich auch einen zu holen. Rauchen ist eben etwas ganz anderes, da kommt das Ritual des Bauens und ­Herumreichens noch dazu. Obwohl, den Solo kannste ja auch weitergeben…
 
Wo liegen eurer Meinung nach die Vorteile eines Vaporizers?
Torky Tork: Es ist ein klareres High, könnte man sagen. Es fühlt sich ein bisschen an wie früher. Du kannst ja, wie gesagt, auch die Temperatur einstellen. Wenn du die ­Temperatur niedrig hältst, dann wirkt das Gras mehr so psychoaktiv, das schaltet den Kopf eher an.
Suff Daddy: Und wenn du die Temperatur höher einstellst, dann wirkt es eher sedativ.
Torky Tork: Da kannste dann gut pennen gehen. Also falls du nicht schlafen kannst, ist das ziemlich gut. Abgesehen davon, wirkt ein Vaporizer milder. Und in der ­Kombination mit Tabak entstehen auch ziemlich fiese Giftstoffe, was sich dann ein wenig auf den nächsten Tag auswirkt. Man kommt einfach sehr schnell und problemlos wieder runter, könnte man sagen (lacht).
Suff Daddy: Das kann ich nicht behaupten (lacht). Aber was ich so geil finde: Es ist nicht so ungesund wie mit Tabak. Deswegen bin ich überhaupt erst umgestiegen, weil ich nämlich aufhören wollte zu rauchen. Meine arme Lunge wurde so lange geschunden. Und die Wirkung ist auch reiner, angenehmer. Es wird einfach nicht zu viel.
 

 
Wie hat sich eure Arbeit verändert, seitdem ihr Vaporizer verwendet?
Torky Tork: (lacht sich kaputt) Hör dir die Platte an, Alter! Wir wurden ein paarmal gefragt, was wir denn geraucht hätten, um diese Platte zu machen. Ob wir Crack geraucht hätten und so. Daher kommt ja auch der Name »Carpet Patrol«. Wir dachten halt, wenn wir schon so oft gefragt werden, sollte der Name irgendein Drogenslang mit Crack sein.
Suff Daddy: Bei den ersten Sessions ­wurden noch Joints gedreht, aber danach wurde nur gevapet. In der Hinsicht hat sich also unser Studioverhalten geändert. Ansonsten ist man dadurch einfach in einer sehr schönen Stimmung. Das hat das Album enorm beeinflusst.
Torky Tork: Genau. Auch auf Partys. Das wirkt sehr belebend und macht einfach glücklich! Wie ganz früher, als man sich vor Lachen nicht mehr eingekriegt hat. Im Club fühlt sich das dann an wie MDMA (lacht). Zwischenfrage: Merkst du eigentlich schon was?
 
Ja, doch. Fühlt sich ganz gut an. Im Club sieht der Solo übrigens ein bisschen so aus, als würdest du ein Getränk mit einem Strohhalm trinken.
Suff Daddy: Genau. Das macht unterwegs auch den Vape-Faktor aus. Es ist dann doch irgendwie undercover. Im Studio läuft das so: Bevor die MPC oder der ­Computer hochgefahren wird, wird der Vaporizer angeschaltet. Wenn der Vaporizer nicht an ist, bleiben auch die Geräte aus. Klar, vorher habe ich auch immer geraucht, wenn ich Beats gemacht habe – das geht einfach Hand in Hand.
Torky Tork: Bei mir ist es so: Ich arbeite sehr viel, also war es für mich immer eine Art Auszeit, wenn ich hier hergekommen bin. ­Normalerweise kiffe ich ja tagsüber nicht, ­wegen der Arbeit. Aber hier hatte ich dann quasi Urlaub. Und weil das High viel milder ist, kann ich trotzdem noch ans Telefon gehen und mit meinem Arbeitgeber reden (lacht).
Suff Daddy: Weiß dein Arbeitgeber ­eigentlich, dass du Torky Tork bist?
Torky Tork: Nee, und das ist auch ganz gut so (lacht).
Suff Daddy: Angefangen hat übrigens alles mit einem anderen Vaporizer, der leider im Zuge der Albumproduktion kaputtgegangen ist. Den hatte ich vor vier Jahren gekauft, weil ich damals dachte, ich hätte schon akuten Lungenkrebs. Ich war dann im Krankenhaus, aber die meinten, das wären nur gereizte Bronchien. Jedenfalls habe ich mir dann einen neuen Vaporizer geholt, den Aromed. Der hat noch einen Wasserfilter drin, der extra Partikel rausfiltert. Und er blubbert. Und wenn man zieht, leuchtet eine Halogenlampe auf. Den wirste später vielleicht noch in Action sehen.
Suff Daddy: Das ist der Goldjunge (lacht)! Mit dem muss man vorsichtig sein. Der ist sehr effizient. Mit dem ist es ein bisschen wie Shisha rauchen: Du ziehst immer wieder dran, aber wenn du beim Beats machen nicht aufpasst und so unbewusst vor dich hinpaffst, dann haste echt schnell verloren.
 
Vaporizer scheinen ein ziemliches Nerd-Thema zu sein. Es gibt richtig viele verschiedene Modelle, oder?
Suff Daddy: Ja, aber die meisten sind Schrott. Ich hab zwar noch nicht alle ausprobiert, aber in diesem Laden namens ­Verdampftnochmal, in dem ich meine ­Vaporizer gekauft habe, habe ich mich ­eingehend ­beraten lassen. Viele Modelle sind aus Plastik, die sind aber alle für’n Arsch.
Torky Tork: Ich finde beispielsweise diesen Volcano, bei dem der Dampf in einer ­Plas­tiktüte gesammelt wird, irgendwie ­komisch. Dann sitzt du da mit einer Plastiktüte und ziehst dran…
Suff Daddy: Der soll aber sehr gut sein. Aber es stimmt, wir sind keine Ballon-Vaper.
 

Text: Marc Leopoldseder/Fotos: Robert Winter
 

1 KOMMENTAR

  1. […] Von seinem Syrien-Trip vor mittlerweile sieben Jahren hatte Torky Tork einiges an freshen Samples mitgebracht, die er auf seinem Beat-Tape »Syria« verbraten hat. Im […]

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