SKINNYBLACKBOY – VOL. 1 // Review

(Erotic Toy Records)

Dass Deutschrap auf Englisch im Jahre vierzehn nach Raptile wieder funktioniert, zeigen die unpeinlichen Performances von Künstlern wie Serious Klein oder Juju Rogers. Skinnyblackboy aus dem Hause Erotik Toy Records, dem Bremer Pendant zum Awful-Camp aus Atlanta, das unter anderem das Weirdo-Duo Doubtboy und Tightill listet, sprechsingt ebenfalls auf Englisch – und das ist gut so. Seine Debüt-EP »VOL. 1« ist eine Mixtur aus Inspirationen, eine 35-minütige Assoziationskette, bei der fast jeder Track unweigerlich Erinnerungen hervorruft. In eklektischer Gelassenheit wird alles zusammengeklaubt, was cool ist: So klingt Skinnyblackboy im einen Moment wie Partynextdoor auf Lo-Fi-House (»Epiphany«), bevor er seinen inneren Lil Peep channelt und Loner-Lyrics über sphärische Instrumentals jammert (»Isolated«) oder die Sadboy-Ästhetik eines Yung Lean zitiert (»Up In The Sky«). Da die abseitigen Melodien, die bedrohlich wackelnden Synthies und die spannenden Eigeninterpretationen für Überraschungsmomente sorgen, ist Skinnyblackboys Debüt aber viel mehr als ein zusammengeklautes Mosaik. Auch wenn sich der Hansestädter sein Erstwerk aus einem Potpourri aus Jetzt-Styles zusammensetzt, ist ein Großteil der Inspirationsquellen in den späten Achtziger- und frühen Neunzigerjahren zu verorten. Einige Uptempo-Nummern sind beispielsweise an diverse Anthem-House-Klassiker vor der Jahrtausendwende angelehnt, seinen Höhepunkt findet das auf dem Disco-Sex-Cut »Losers & Winners«, der mit einem geflippten Vocal-Sample und der animierenden Bassline locker die Dissen der Neunziger gefüllt hätte. Die House-Referenzen ziehen sich durch alle zwölf Stücke hindurch und bestimmen den Grundtenor auf der Debüt-EP des Bremers. Moby-Melodien verschwimmen mit wabernden Bässen, während SBB öbszöne Geschichten über Punanis ins Mikrofon haucht oder von tauber Emotionslosigkeit berichtet. Skinnyblackboy vereint alles und verirrt sich dabei fast nie. So ist sein Erstling ein Auskenner-Pleaser mit Potenzial, ein größeres Publikum zu erreichen.

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