Sierra Kidd – TFS // Review

Mit »TFS« zeigt Sierra nicht nur sein Können als vielseitiger MC, sondern hat auch ein eingängiges, zeitloses Werk geschaffen, das Anerkennung verdient.


(Team Fuck Sleep/Chapter One)

Wertung: Fünf Kronen

Das, was Sierra Kidd zu sagen hat, passte nicht auf eine Platte: Es brauchte ein Konzeptalbum, gefüllt mit persönlichen Zeilen, die Einblicke in die Seele des 22-Jährigen zulassen, die betroffen machen, und eine Banger-EP, die vor Representer-Lines strotzt, der es aber keinesfalls an inhaltlicher Tiefe fehlt. Gleich das Intro untermauert genau dieses Konzept: Zwei Teile auf einem Song, die sich nicht nur im Soundbild voneinander abgrenzen, sondern einen konträren lyrischen Mix ergeben. Ein Gedanke, der sich beim Hören von »Dead Inside« aufdrängt und als Beigeschmack des ersten Teils bleibt: »Erinnert an Lil Peep.« Doch nicht im negativen Sinn. Sierra Kidd überrascht mit musikalischen ­Experimenten: »Poona« kommt ganz ohne Rap-Parts aus, bleibt aber dank englischem Gesang im Kopf. Das Herzstück der Platte dürfte wohl »Zreh (outerlude)« sein, eine Sprachnachricht von »Gegenwarts-Manu« an »Zukunfts-Manu«. Die Nachricht entsteht im Auto, in einem Moment der Angst. »Gegenwarts-Manu« versichert, dass äußerlich betrachtet alles gut sei und dass alles, was ihn an der Verwirklichung seiner Träumen hindert, seine eigene Angst sei. Ein Moment echter Emotionen. Unverblümt, unbeschönigt. Nicht nur für’s Album aufgenommen – das ist deutlich zu hören. Neben seiner von Drogen geprägten Vergangenheit und dem Leid einer Angststörung verarbeitet Sierra Kidd auf »Was solls« den Verlust eines Freundes, der ihn in harten Zeiten alleine ließ. Die erste Platte endet mit »Januar 2018«, auf dem Sierra Kidd beschreibt, wie ein Partyabend mit Freunden und Drogen zu seiner heutigen Situation führte. Was bleibt: Respekt vor so viel ehrlicher Verletzlichkeit. Die zweite Platte beginnt mit einem ­Representer, dessen Hook Ohrwurmpotenzial hat. Gewöhnungsbedürftig direkt im Anschluss an »Januar 2018«. Ein Feature-Gast auf der zweiten Platte sind Genetikk. »Tanz für mich« stellt nach »GOAT« erneut unter Beweis, dass Kidd und Kappa eine stabile Kombi abgeben. Mit »TFS« zeigt Sierra nicht nur sein Können als vielseitiger MC, sondern hat auch ein eingängiges, zeitloses Werk geschaffen, das Anerkennung verdient.

Text: Lena Müller

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