Serious Klein – You Should’ve Known // Review

Wertung: Fünf Kronen(Majestic Casual Records)

Viele Reviews gehen leicht von der Hand, weil die Musik es dem Autor einfach macht; weil sie Teil eines durchgehörten Trends ist; weil sie so einfach und offensichtlich ist, dass es die Rezension auch sein darf. Mitten hinein in die Einheitsbrei-Übersättigung erschien im Oktober »You Should’ve Known« von Serious Klein. Und diese 56 Minuten sind anders. Nicht nur, weil der Oer-Erkenschwick-Native mit ghanaischen Wurzeln auf Englisch rappt, sondern weil seine Debüt-LP nicht weniger als einen Meilenstein für Rap made in Germany darstellt. »YSHK« besteht qualitativ problemlos gegen die Conscious-US-Rap-Releases der jüngsten Vergangen­heit – und mit denen sollte man diese Platte vergleichen, denn mit Deutschrap hat das alles, nicht nur sprachlich, nichts mehr zu tun. Das liegt zum einen an den Produktionen, für die der Aachener Rascal größtenteils verantwortlich ist: Die sind so smooth und soulig, so natürlich-kunst­voll, schlichtweg so eigen, dass man sie nicht nur in der Weltklasse einordnen darf, sondern muss. Die Beats nutzt Kelvyn Boakye, um sie in das inhaltlich stärkste Werk des Jahres zu verwandeln. Schonungslos ehrlich und mit einer explosiven Wortgewalt bespricht Klein den Tod seines Vaters oder den Rassismus als ständigen Begleiter. »Momma told me that it’s hard as an immigrant/Thought we made it of the boat, but a n***a still a n***a, still irrelevant«, rappt er auf »Black On Black« – und das schmerzt. Dennoch ist das Album nicht verbittert oder verkopft, vielmehr meistert es den höchstschwierigen Spagat, es als Easy-Listening-Hintergrundmusik genießen zu können, während man sich in ruhigen Momenten in der Tiefe der Lyrics verlieren kann – denn da passiert so wahnsinnig viel. Schmerz und Zweifel, aber auch Hoffnung und Freude werden in TDE-ähnliche Flows verpackt, die Nerd-Herzen aufgehen lassen. Sound, Lyrics, Skills – alles greift ineinander, nirgends wurden Abstriche gemacht. Gute Alben sind eben doch noch die besseren Singles. Kurzum: »YSHK« ist das beste Rap-Release, das 2018 in Deutschland erschienen ist. Hört das und lasst den Einheitsbrei in der Mikrowelle verschimmeln.

Text: Louis Richter

You Should've Known [Explicit]
  • Majestic Casual Records
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