SAMY – Minha Estrada // JUICE Premiere

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Bremerhaven ist die Hauptstadt des deutschen Afro Trap. Klingt komisch, könnte aber bald zur Realität werden. Denn während MHD grade mit seiner juvenilen Leichtigkeit und dem tanzbaren Stil die französische HipHop-Szene umgekrempelt, bringt uns jetzt ein Rapper aus der Nordsee-Stadt den Party-Sound der Zukunft frisch vom Kutter nach Deutschland. SAMY kam vor knapp sieben Jahren aus Spaß ins Rap-Game geschlittert, nachdem er den Dreh von Rap-Videos in seiner Nachbarschaft beobachtete und hat bis heute nicht zurückgesteckt. Mit Erfolg: Mittlerweile ist der 21-jährige mit dem größten Bremerhavener HipHop-Label Bloodline 2850 unterwegs. »2850« steht für die alte Postleitzahl der Heimatstadt und zeigt, dass hinter »Bloodline« nicht nur eine Clique von Jungspunden steckt. Frühe Mitglieder waren gestandene Künstler wie King Nate G und Ex-Optik-Sänger Moe Mitchell, die heute der neuen Generation den Weg ins Geschäft ermöglichen. Bisher schürt das Label vor allem lokale Hypes, die später über den Stadtrand hinaus Welle machen sollen.

SAMY ist eines der jüngsten Mitglieder von »BL2850« und rappt nur von Sachen, die er auch erlebt: Kriminalität, Ärger mit der Polizei und Drogengeld. Es gehe ihm darum, in seiner Musik authentisch zu bleiben: »Bei uns in der Gegend gibt es jede Menge Probleme und ich erzähle davon.« Bisher tat er das auf Beats irgendwo zwischen modernem BoomBap und Straßen-Trap. Doch der Hype um ihn und sein Label wächst stetig und es ist Zeit für den nächsten Karriere-Schritt. Inspiriert vom Sound der Newcomer aus den französischen Betonkolossen der Vorstädte und den Vibes der neuen Straßenrap-Generation um Nimo, Soufian und CO. vereint SAMY auf »Minha Estrada« den Afro Trap von Alexaybeats mit seinem markanten Flow und seiner Street-Lingo. Das steht zwar im Kontrast zu MHDs unbeschwerten Party-Zeilen, die Negativität konstant aussparen, aber genau das ist es, was den HipHop der Neuzeit ausmacht. Es gibt keine Regeln. Stile werden analysiert, adaptiert und schließlich in der eigenen Dialektik weitergesponnen. SAMY sagt dazu: »Viele singen über diese Beats mit Autotune, von so was will ich mich fernhalten. Ich mache weiter Gangster-Rap, aber werde trotzdem mit der Zeit gehen.«

Zumindest die Fußballtrikots gibt es auch bei SAMY zu sehen. Im Video trägt er das Modell »CR7« und zeigt auch in der Hook seine portugiesischen Wurzeln. »Minha rua é fria« heißt soviel wie »Meine Straße ist kalt« und verdeutlicht, dass es selbst auf einer Party der Jungs von Bloodline gefährlich werden kann, wenn sich subtile Anspannung in Aggression entlädt. Samy wirkt dem mit Musik entgegen. Noch zwei bis vier aufwendige Videos mit Drehbuch sind in Planung, zwei der Songs sind bereits fertig. Parallel dazu wird an einem Mixtape im Stile von »Minha Estrada« gearbeitet, das aktuell ungefähr 12 Songs beinhalten soll. »Wir wollen nichts überstürzen«, sagt SAMY. »Ich will qualitative Musik bringen.« Bis es soweit ist gibt es mit der JUICE Premiere »Minha Estrada« den Sound für eine zukunftsorientierte Blockparty.

 

Text: Max Hensch

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