Russland: Putin will Rap kontrollieren lassen // News

In vielen Ländern der Welt zählen HipHop und Rap mittlerweile zu den beliebtesten Musikstilen – so auch in Russland, wie wir erst kürzlich mit unserem Porträt »Rising Ru-Rap« dokumentierten. Doch nicht allen scheint es zu gefallen, dass Rapper wie Oxxxymiron, Face oder auch Husky immer bekannter in der Föderation werden.

Letzter musste sich erst vor rund vier Wochen vor einem russischen Gericht verantworten. Husky hatte einen Auftritt auf einem Autodach absolviert, nachdem sein Konzert in Krasnodar abgesagt wurde, da er laut eines Urteils der Staatsanwaltschaft »extremistische« Inhalte verbreite.

So wie Husky erfreuen sich aktuell viele Rapper in Russland einer wachsenden Fan-Gemeinde, obwohl Rapper nicht in Radio- oder Fernsehsendungen laufen, sondern größtenteils im Internet stattfinden. Ein Vorteil: Schimpfwörter und explizite Aussagen würden nicht zensiert. Husky selbst wurde etwa mit einem Diss gegen Wladimir Putin (»Седьмое октября«) landesweit bekannt. Sein Rap-Stil ist abstarkt und arbeitet mit starken Überzeichnungen, eine klare politische Haltung ist oft kaum herauszulesen. So soll er sogar gesagt haben, dass die Regierung keine Zensur betreibe. Für seine Rap-Einlage auf einem Auto bekam Husky trotzdem eine Haftstrafe – von 12 Tagen.

Rap in die »richtige Richtung« lenken

Doch das Parlament und Putin werden weniger ein Problem mit konkreten Ausdrücken haben, pflegt Putin doch selbst gern mal einen rauen Ton in öffentlichen Reden. Besorgnis würde viel mehr durch etwas anderes begründet: Rap basiere auf den drei Grundpfeilern Sex, Aufstand und Drogen. Gerade Letzteres führe unweigerlich auf einen »Pfad zum Niedergang der Nation«, soll der russische Präsident am Rande einer Kulturtagung in St. Petersburg am Wochenende gesagt haben. Wenn Rap »falsche Werte« vermittle, müsse man mit Maßnahmen reagieren.

Putin konkretisierte seine Aussagen zwar nicht, doch äußerte eine Idee, wie diese aussehen könnten. Die Popularität von Rap sei nicht dadurch einzudämmen, wenn Auftrittsverbote und Indizierungen ausgesprochen würden. Man müsse Rap und andere Popmusik-Formen mit »entsprechenden Mitteln« in die »richtige Richtung« lenken. Gerade in den letzten Wochen wurden Rap-Künstler wie Husky oder IC3PEAK in Russland immer wieder mit Schikanen und Absagen seitens Behörden oder Veranstaltern konfrontiert.

»Polizeibesuch auf Konzerten, 50.000 Rubel Strafe für Battle-Rap« – hier geht es zum Feature über Rap in Russland.

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