Rito: »Musik ist mein Ventil« // Interview + Advertorial

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Am 9. September erscheint mit »Ein Nasser Hund« die Verfilmung von Arye Sharuz‘ autobiographischem Roman, der sich mit jüdischer Identität auseinandersetzt. »Ein Nasser Hund« holt die Thematik ins Jetzt und wirft einen Blick auf Berlins multikulturelle Jugend, Freundschaften, Konflikte und das Aufwachsen im Wedding. Anspruchsvolles Kino, das religiöse Differenzen nahbar und authentisch verhandelt. Was ist diesem Setting nicht fehlen darf, ist HipHop, der als Sound der Jugend auch den Soundtrack von »Ein Nasser Hund« bestimmt. Dafür verantwortlich ist vor allem ein junger Rapper names Rito, der sowohl im Film mitspielt, als auch eine gleichnamige EP begleitend zum Film veröffentlicht. Wir haben mit Rito über seine ersten Berührungen mit Rap, die Arbeit am Set, die Entstehung seiner Debüt-EP und seine Leidenschaft für Musik gesprochen.

Rito

Wofür hattest du zuerst eine Leidenschaft? Für Musik oder Schauspiel?
Im Schauspiel bin ich noch nicht lange dabei. »Ein nasser Hund« ist das erste große Ding, an dem ich mitwirke. Ich bin kurz vorher aufs Schauspiel gestoßen, danach ging es ziemlich schnell. In der Musik bin ich mittlerweile schon neun Jahre dabei.

So lange schon? Womit hast du da angefangen?
Wir haben mit Freestyles begonnen und damals die deepen Songs mit zwölf / dreizehn Jahren gemacht. Wir sind aus Funs ins »Studio« gefahren, das hat in einem Jugendclub angefangen, und danach ging es ganz normal weiter. Ich komme aus Berlin Neukölln und habe Musik die meiste Zeit in Kreuzberg gemacht. Wir haben uns als Gruppe weiter ausprobiert, verschiedene Arten von Songs gemacht, mal Reggae und andere Stile getestet. Aber hauptsächlich war es Gangsta- und Straßenrap.

Hast du von den Sachen etwas veröffentlicht?
Das war komplett for Fun. Ich habe mich erst viele Jahre später dafür entschieden, es ernster anzugehen. Davor haben mir so viele Leute versucht einzureden, die Musik ernster zu nehmen, aber für mich war das eine Art Ventil, ein Tagebuch oder wie auch immer man das nennen mag. Ich habe es für mich und aus Spaß gemacht. Das ging sechs bis sieben Jahre so. Ich versuche erst seit kurzem, die Sache ernster anzugehen.

Was hat dich dazu bewegt, die Musik jetzt professioneller zu machen?
Ich wollte die Musik mit den Leuten teilen. Davor hatte ich die Sachen in meinem Kinderzimmer, aber ich wollte unbedingt, dass mehr Leute meine Musik hören. Das ist einer meiner größten Träume, auf den ich genau jetzt hinarbeite.

Wie hat es sich ergeben, dass deine Debüt-EP den Film »Ein nasser Hund« musikalisch begleitet?
Im Laufe des Prozesses, bevor es die Casting gab, hat ein sechswöchiger Workshop stattgefunden. Da wurde vieles aufgezeichnet und wir konnten auf die Rollen trainieren, bevor entschieden wurde, wer für was gecastet wurde. Die waren dort sehr präzise und das war dem Regisseur wichtig. In den Pausen habe ich immer gerappt, wirklich bei jedem Workshop. Dann haben die Castings angefangen, später der Dreh. Ein paar Monate nach dem Dreh hat mich dann der Regisseur angerufen und gesagt, dass er gerne Schauspieler aus dem Film hätte, die einen Song dazu machen. Er wusste ja schon, dass ich rappe. Ich hab‘ mich darüber sehr gefreut und wir haben uns erstmal zusammengesetzt, um zu schauen, welche Art von Musik zum diesem Film passen würde. Am Anfang war es nur ein Song, den wir recordet haben. Das hat auch funktioniert und ich wollte daraus eine EP machen, wo ich verschiedene Leute aus dem Film dazuhole. Das ist zwischenzeitlich allerdings in Vergessenheit geraten. Aber irgendwann war ich mit meinem Manager unterwegs und habe diese Idee kurz in den Raum geworfen und er hat sich einfach darum gekümmert, dass das doch im Film umgesetzt wurde.

Kam das für dich unerwartet, dass aus einem geplanten Song dann eine ganze EP für den Film wurde?
Klar, das war eine riesige Überraschung. »Wunderkind« war der erste Song, der für den Film geplant wurde und ist auch der erste, der als Single erschienen ist.

Wie bist du an die EP herangegangen? Was hast du beim Schreiben anders gemacht als sonst?
Da habe ich meine schauspielerischen Künste ausgepackt. Ich habe versucht, mich in jede einzelne Rolle hineinzuversetzen. Ich hatte ja das Drehbuch, war beim Dreh, habe mitgespielt und den Film gesehen. Ich wusste genau, welche Story und Gefühle jede einzelne Figur hat. Ich habe mich in diese Geschichten hineinversetzt und die Texte sind aus dem Gefühl heraus entstanden. Ich habe meistens kein klares Konzept beim Schreiben, sondern richte mich nach meinem Gefühl. Der Film hat natürlich als Vorlage und Orientierung gedient.

Wie sah die Produktion konkret aus? Du hast mit DJ Ilan zusammengearbeitet, oder?
DJ Ilan hat bis auf einen Track alles auf der EP produziert. Die einzige Ausnahme ist der Song »Freundschaft«, wo außerdem ein Feature mit der tollen Sängerin Jamila zu hören ist. Das ist wirklich ein schöner Song geworden. Die Produzenten sind auf jeden Fall Piano-Freaks und ich habe mich mit diesem Sound echt angefreundet. Mit dem Release der EP wird auch noch ein Video zum Song »Freundschaft« erscheinen.

Der Film beruht auf einem Buch von Arye Sharuz Shalicar. Wie war es für dich in einem so politisch aufgeladenem Film mitzuspielen, der Antisemitismus verhandelt? Und wie hast du die eigene Rolle wahrgenommen?
Ich spiele im Film die vierte Hauptrolle, Fadi. Da bin ich der judenfeindliche Typ, das schwarze Schaf in der Gruppe. Das ist ein sehr schwieriges Thema. Das Problem ist schon alt und existiert heute immer noch, das hat sich nicht geändert. Man muss das natürlich differenzieren: Die eigene Rolle ist die eine Sache, die eigene Meinung im Real Life eine andere. Wenn man den Film schaut, werden auch die Hintergründe klar, die Fadi zum Antisemiten gemacht haben. Aber um es ganz klar zu sagen: Ich habe eine komplett andere Meinung, als meine Figur im Film.

Ist es dir leicht gefallen, in diese Rolle zu schlüpfen?
Ehrlich gesagt, habe ich mir darüber wenig Gedanken gemacht. Hauptsächlich habe ich mich gefreut, eine Rolle in einem Kinofilm zu spielen. Darauf hat man sich mental vorbereitet und es war auch ein spaßiger Prozess. Wirklich Gedanken habe ich mir erst später gemacht, vor allem als ich den fertigen Film gesehen habe und meiner Figur den Hass angemerkt habe. Das habe ich auf jeden Fall treffend gespielt, denn der Hass kommt gut rüber.

Gibt es eine Essenz, was du aus dem Film und der Musik dazu gelernt hast?
Meine Musik zum Film enthält schon einige deepe Songs, die zum Nachdenken anregen. Jede*r kommt beim Hören in einen anderen Film und stellt sich unterschiedliche Dinge vor. Man kann da nicht für alle sprechen. Für mich kann ich sagen, dass ich aus der EP und dem Film selber sehr viel mitgenommen habe. Das verändert die Sichtweise. Man lernt daraus, dass man ohne Vorurteile leben sollte, egal ob das Antisemitismus oder andere Gruppen und Bereiche in der Gesellschaft betrifft. Außerdem habe ich gelernt, dass Freundschaften auf derselben Ebene wie eine Familie stehen können.

Ist Freundschaft auch am Set entstanden?
Es war eine krasse Zeit mit den ganzen Schauspieler*innen, die auch noch jung sind. Das war einfach eine ganz andere Atmosphäre als sonst. Im Endeffekt haben auch alle die Musik dazu gefeiert und zusammen mit Samy ist außerdem der Song »Wunderkind« entstanden, der ursprünglich alleine geplant war. Den Song habe ich eigentlich mit 16 geschrieben und ich hätte mir nie träumen lassen, dass er mal im Kino laufen wird.

Hast du noch mehr alte Entwürfe genutzt?
Sowohl als auch. Manche Parts hatte ich früher schonmal aufgeschrieben, aber noch mit neuen Parts verbessert, andere Songs, die »Fadi«, habe ich komplett neu geschrieben.

Machst du dir schon Gedanken darüber, wie du den inhaltlichen Fokus deiner Musik dann verschieben musst, weil es nicht auf den Film ausgerichtet ist?
Man macht sich ja immer auf gewisse Art und Weise Gedanken, aber im Endeffekt entspringt es bei mir aus einem Gefühl. Ich weiß, wie ich mich heute fühle, aber noch nicht, was morgen sein wird. Das ist das Problem. Je nachdem, was man fühlt und was man sieht, können komplett unterschiedliche Songs daraus entstehen. Wenn ich Bock auf Party habe, mache ich eben einen Partysong. Wenn ich mich down fühle, eine Trennung hinter mir hab, dann entsteht etwas ganz anderes. Das mache ich seit Tag 1 so – Musik ist mein Ventil. Musik bleibt Kunst und Kunst bleibt eben vielfältig. Alles, was man im Leben sieht und macht, kann in diese Kunst einfließen. Man sagt ja auch, dass Kreativität keine Grenzen kennt und so halte ich es auch.

Hast du schon konkrete Pläne für die Zukunft?
Ich will auf jeden Fall weiterhin Musik machen, aber wir lassen die Dinge auf uns zukommen. Das wichtigste ist Liefern, Liefern, Liefern. Ich glaube, wenn sich ein Mensch viel ausprobiert, findet er Fähigkeiten, die er von Natur aus gut kann. Bei mir gehört Musik und Schauspiel dazu. Ich konnte das irgendwie von Anfang an, aber es war natürlich noch ausbaufähig. Daran haben wir gearbeitet, sowohl bei Workshops, als auch privat. Es hat gerade erst begonnen und es wird bestimmt weitergehen. Ich will auf jeden Fall einen Status erreichen, wo ich eine eigene Fanbase habe. Das erste Ziel ist also, mehr Reichweite aufzubauen. Wie ich vorhin schon gesagt habe: Ich will einfach Menschen erreichen. Musik ist die Liebe meines Lebens.

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