Review: Separate – Wahrheit

Separate
 
(Dijital Resistance/Groove Attack)
 
Wenn Separate in seinem Albumtitel von der »Wahrheit« spricht, dann meint er vermutlich vor allem eins: echte Rapmusik. Der Mann, der von der Beteiligung an wegweisenden Alben, der Entdeckung heutiger Rapgrößen, dem Aufstieg und Fall eines eigenen Labels bis zum karrieregefährdenden Beef fast alles miterlebt hat, was man in knapp 15 Jahren in dieser Szene mitmachen kann, lässt sich auch auf seinem fünften Soloalbum nicht unterkriegen und verfolgt weiter seine Vision von realem HipHop. Entsprechend hat es sich der Mainzer in der Nische »Rap über Rap« bequem gemacht und eine klassische Herangehensweise an seine neue Platte gewählt. Bereits im Intro hagelt es Ansage nach Ansage, und auch im weiteren Verlauf finden sich vor allem Representer und Battletracks, die klar machen sollen, welchen Stellenwert die HipHop-Kultur in seinem Leben einnimmt – was schließlich in der Liebeserklärung »Musik« mit Eko Fresh mündet. Auch seine eigene Geschichte, inklusive Seitenhiebe an ehemalige Wegbegleiter, liegt Separate sehr am Herzen. Noch immer inszeniert er sich gerne als »Untergrundking«, der zwar unter anderem Vega und Casper entdeckt hat, aber selbst nie das gleiche Level erreichen konnte. Seine komplette Karriere verarbeitet er schließlich in »Meine Geschichte« – doch auch 2014 bleibt er lieber broke, anstatt Kompromisse einzugehen, wie er in »Mein Ding« mit Adas unmissverständlich klarmacht; sollte er aber auch gar nicht, denn kleinere Experimente in Richtung poppige Gesangshook und entsprechende Instrumentalisierung wie auf »Nur für dich« gehen leider gründlich daneben. Da sollte Separate lieber weiter für seine Homies representen (»Meine Bros«) und den Realkeeper-Lifestyle zwischen Existenzängsten und der völligen Hingabe zum Spiel beschreiben (»Was weißt du darüber«). So wird er zwar auch mit »Wahrheit« weder kommerziell durchstarten noch einen Innovationspreis gewinnen, dafür aber mit seinen Inhalten und technischen Stärken eine treue Fanbase glücklich machen.
 

 
Text: Julius Stabenow
 

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