Review: Isaiah Rashad – Cilvia Demo

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(Topdawg Entertainment)
 
Ein Demo soll das also sein. Bloß kein Debütalbum. Isaiah Rashad ist schlau genug, um zu wissen, dass gerade die ganze Rap-Welt auf seinen TDE-Einstand schielt. Den erledigt er also lieber auf dem doppeltem Boden des Inoffiziellen, und schon befinden wir uns mitten in der schönen Dichotomie aus Selbstzweifeln und dicken Eiern – der Country Boy mit Alltagssorgen als Teil der heißesten aller Cliquen. Vorweg: überhaupt nichts an »Cilvia Demo« rechtfertigt die Behandlung als Nichtalbum. Der 22-Jährige hat offenkundig sein Leben lang gut zugehört, schon textlich macht Rashad keinen Hehl aus seinen Einflüssen. Songtitel verweisen auf Outkast, Scarface oder Master Ps Bruder, ganz selbstverständlich poppen mit Tribe oder Pharcyde auch Vorbilder außerhalb des tiefen Südens auf. Wie aber eine Schar von Produzenten diese Querverweise musikalisch umzusetzen versteht, ist die eigentliche Überraschung: Der Lamar’sche Neo-Westküsten-Sound wird in Richtung Houston erweitert, badet im Down-Home-Orgelfunk wie einst Goodie Mob, untenrum immer sirupartig blubbernd, nimmt auf dem Weg ein Rhodes-Piano mit und kassiert eine brachiale Schelle von Farhot. Rashad rappt den Blues des jungen Erwachsenen, über Zeiten mit den Jungs und ohne den nichtsnutzigen Vater, referenziert im Vorbeigehen Caesar, Sklaverei, vielleicht Shakespeare und landet doch immer wieder bei Weed und Olde English. Wenn Isaiah mit seiner Karriere also umgeht wie mit seinem Privatleben, hat dieses Mixtape-Ding hier die gleiche Wirkung wie dort die Drogen: künstliche Distanz statt direkter Konfrontation. Vielleicht ist es tatsächlich erst diese Attitüde, die ihm ermöglicht, all diese Elemente neben- und miteinander stehen zu lassen, ohne darüber groß nachzudenken zu müssen, ob das alles stimmig ist. Als »best they never heard« wird er jedenfalls nicht sterben müssen, wenn schon das Demo zum zweitbesten Album der TDE-Geschichte taugt.
 
Text: Ralf Theil
 

 

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