Review: Donato – Enzo

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(Kopfhörer Records)
 
Das Gefühl ist ein bekanntes: alles hinter sich lassen und von vorn ­anfangen wollen. Der Wunsch nach einem ­Silvester-Moment, den es so eigentlich nicht geben kann, von dem man aber doch immer wieder träumt. Die Reise weg von allem ­Bekannten. Nur um letztlich an den Punkt zu gelangen, dass man lieber ganz woanders hin würde. Es ist eine beschwerliche Reise. Nicht nur, weil eine Trennung von allem Kraft und Mut braucht, sondern auch, weil alte ­Dämonen den Schlüssel zur Seele ­besitzen. Auf ­Wiedersehen sagen impliziert oft eben auch ein ­Wiedersehen. Doch bändigt man die Kraft, kann die Reise trotz allem positive Früchte tragen. Im besten Fall kommt man gar ohne Altlasten, dafür mit frischem Glück an. Um genau diese Reise geht es auf »Enzo«. Das mittlerweile dritte ­Soloalbum von Donato hat gut vier Jahre Lebenszeit gekostet, sich am Ende aber nicht nur für den Künstler, sondern auch den Hörer gelohnt. ­Trennungsschmerz, Einsamkeit, Sinnsuche, sozialer Druck, Ruhefinden, Freundschaft, Hoffnung – dies sind die entscheidenden Thematiken, die Donato auf 16 Songs behandelt. In markantem und teils eigenwilligem, aber immer treffendem Flow findet er eine extrovertierte Sprache, die sein Inneres nach Außen kehrt. Es geht dabei um Selbstdarstellung und deren ­Interpretation der Hörer, und so wechselt Donato immer wieder die ­Erzählper­spektiven. Wenn er auf »Winterschlaf« über Verlust, auf »Nordsüdwestost« über die große Suche oder auf dem Titelsong über ­Sicherheit und Hoffnung spricht, passiert das mit großen Emotionen und ein wenig Pathos. Musik fürs Kopfkino, auf meist ­klassischen ­Produktionen von DJ s.R., Jay Baez, ­Profund und Elia Vens. Hätte man das Album um die zwei Rap-Tracks über Rap gekürzt, es wäre noch intensiver und prägnanter geworden. Doch auch so ist »Enzo« stark. Stark und ehrlich.
 
Text: Amadeus Thüner
 

 

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