Review: Angel Haze – Dirty Gold

Angel-Haze

 
(Universal Music)
 
»This girl can flow. That’s all I’m gonna say: This girl can flow«, heißt es im Video zu »No Bueno«. Und wer immer dieser unbekannte, dickbäuchige Typ im »Gritty«-Shirt ist, er hat zu hundert Prozent recht. Angel Haze hat ein Talent, das sich weder leugnen noch ignorieren lässt. Nicht umsonst wurde sie bereits vor ihrem Debüt-Album von vielen Seiten – wenn vielleicht auch vorschnell – zur »besten Rapperin der Welt« gekürt. Reisen wir 15 Jahre in der Zeit zurück, finden wir nur wenige bedeutende, geschweige denn einflussreiche Rapperinnen – auch wenn sie sicher nicht »schlechter« waren als nun Angel Haze. Zu oft waren sie jedoch Beiwerk für ihre männlichen Kollegen und wurden kaum ernstgenommen. In diesem Sinne ist Angel Haze erst einmal eine ziemlich positive Erscheinung innerhalb der Kultur. Was ihr Album angeht, ist noch eine zweite Entwicklung zu beobachten: Auch wenn die starke Verwurzelung zur HipHop-Kultur weiterhin besteht, bewegt sich dieses Genre derzeit stark in Richtung »Pop«. Und im »Pop« regiert nunmal die endlose Suche nach neuen Sternchen. Angel Haze ist kein Sternchen – ihre Plattenfirma versucht trotzdem, sie als solches zu vermarkten. Und so klingt nun leider auch die Musik auf »Dirty Gold«, das ganz ordentlich anfängt, über die Spieldauer aber leider deutlich an Qualität verliert, immer mehr Top-10-Radio-Momente in Kauf nimmt – die Zusammenarbeit mit dem Coldplay-Produzenten ist deutlich hörbar – und zum Ende hin eher unterirdisch wird. Auch textlich geht es durchaus kreativer. Mit Geschichten aus ihrer traurigen Vergangenheit möchte sie anderen Menschen Mut machen. Was ihre »Cleaning Out My Closet«-Version bereits ankündigte, wird auch hier deutlich: Angel Haze ist eine, die zuviel mitgemacht hat und diese negativen Erlebnisse offen teilt. Soweit so gut, doch »spread your wings and fly«?! Dieses Niveau hat Angel Haze nicht nötig. »Dirty Gold« ist am Ende weniger motivierend, als dass es zeigt, wie sehr diese Rapperin von ihrem Label vereinnahmt wurde. Eigentlich schade, denn wir wissen doch alle: »This girl can flow«.
 
Text: Pat Cavaleiro
 

 

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