Re-Issue der Ausgabe: Dynamite Deluxe – Deluxe Soundsystem (2000) // Review

(Dynamite Deluxe / hhv.de)

Es gibt Alben, die untrennbar mit ihrer Ära und ihrem Entstehungsort verbunden sind. »Fenster zum Hof« von den Stieber Twins ist so eins, »Maske« von Sido auch. Als »Deluxe Soundsystem« im Jahr 2000 über die boomende deutsche HipHop-Szene hereinbrach, besiegelte das aber nicht nur die Regentschaft von Hamburg als damalige HipHop-Hauptstadt, sondern auch einen Paradigmenwechsel. DJ Dynamite, Tropf und Samy Deluxe krempelten mit diesen 49 Minuten alles Dagewesene um: die Art, wie Teenager miteinander sprachen, wie sie Rap hörten, ja sogar, was sie tranken (Lipton Ice aus Dosen, natürlich). »Bambule« hatte den Kindern des Sommer ’99 HipHop erklärt, »Deluxe Soundsystem« infizierte sie, selbst zu rappen. Ab diesem Album bevölkerte der Underground unzählige Rapper, die die Themen, das Vokabular, ja sogar die »Ey, Ey«-Adlibs dieser LP eins zu eins kopierten. Denn Samy Deluxe’ ungewohnt schroffen Battleraps wohnte etwas inne, das man bis dato (no pun intended) nur von US-Rappern kannte: Style und Arroganz. Obwohl von 16 Songs nur vier keine reinen Battle-Tracks waren, setzte dieses Album Maßstäbe in Sound, Arrangements, Flow und – ein damals noch wichtiges Attribut – Reime. Und das alles fast im Alleingang aus einem WG-Zimmer in Hamburg-Eimsbüttel, mit nur kleiner Refrain-Beihilfe von Patrice in »Lots Of Sings« und Eißfeldt 65, dessen Kulthook bis heute über jeden Abiball schallt. »Deluxe Soundsystem« zeigte deutschem Rap erstmals auf Albumlänge, dass es nicht darum geht, was man, sondern wie man es rappt. Abgesehen davon, dass Tropf und Dynamites Ragga-infizierter Dub-Boombap Deutschland mal eben jene hanseatische Reggae-Connection offenbarte, aus der später Jan Delay eine Popstarkarriere und die 187 Strassenbande unzählige Platinplatten schöpfen würden. Für einen Sommer war Eimbush so cool wie Brooklyn und eine ganze Szene schaute nicht mehr auf das Geschehen in den USA, sondern erst vor die eigene Haustür.

Die Re-Issue ist ab dem 29.06. auf HHV.de erhältlich.

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