Ras Kass – Goldyn Chyld [Album]

Ras Kass
 
Es gab eine Zeit, da war Ras Kass die Beta-Version von Kendrick Lamar: Ein versierter Straßenpoet, der unter Kollegen und Konkurrenten höchstes Ansehen genoss, kein Blatt vor den Mund nahm und lange als das nächste große Ding gehandelt wurde. Sogar der Vergleich zu Kendricks Black-Hippy-Kollektiv hinkt nicht: Seinerzeit machte Ras Kass als Teil der Golden State Warriorz (zusammen mit Saafir und Xzibit) und später auch als Viertel von The HRSMN (mit Canibus, Kurupt und Killah Priest) seinem Ruf als großer Lyricist alle Ehre. Doch bevor das Modell Ras Kassiano in Serie gehen konnte, irgendwann nach seinem zweiten Album »Rasassination«, verließ den MC aus Carson das Glück. Sein drittes Album »Van Gogh« erreichte die Bootlegger schneller als das Presswerk und wurde infolge dessen nie veröffentlicht. Trotzdem geistert die LP bis heute durchs Netz. Auch mit Alchemist und Jadakiss, dessen »We Gon Make It«-Beat Ras ebenfalls von ALC gepickt und den Track »Home Sweet Home« darauf aufgenommen hatte, kam es im Zuge des Bootlegs zu Überwerfungen.
 
Ein ähnliches Schicksal sollte auch das darauffolgende Album »Goldyn Chyld« ereilen: Aufgrund von Labelpolitik landete Ras Kass bei Priority Records auf deren Prioritätenliste weiter unten als gewünscht. Mit Beschimpfungen in Interviews und Disses auf Songs und Freestyles goß er anschließend Öl ins Feuer. Eine Festnahme wegen Trunkenheit am Steuer kurz vor der Fertigstellung des Albums brach dem Projekt endgültig das Genick: Ras Kass wurde verurteilt, Priority entschied sich, die Releasepläne ad acta zu legen und der MC floh mit dem gemasterten Album – wohlgemerkt wenige Wochen vor dem eigentlichen Antritt seiner Haftstrafe. Dass man zuvor die Hoffnung in der Industrie an einen kommerziellen Erfolg von Ras nicht aufgegeben hatte, zeigt ein Blick auf das nun erschienene Album: Mit Beats von Primo und Dre, sowie Features von Busta Rhymes, Pharoahe Monch, Xzibit, Mya und Tray Dee von den Eastsidaz war das Werk eigentlich hochkarätig besetzt. Und somit auch zu schade, um für immer auf irgendeinem Dachboden in Kalifornien Staub zu sammeln. Und so hat Ras Kass das Werk gestern via seiner Bandcamp-Seite zur Verfügung gestellt. Eine weise Entscheidung.

 

 

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