Rakaa – Crown Of Thorns // Review

 

Rakaa_Crown-Of-Thorns

 

(Decon/Groove Attack)

Wertung: Viereinhalb Kronen

In der allgemeinen Wahrnehmung gilt Rakaa Iriscience als das schwächste Glied im Konglomerat der Dilated Peoples. Evidence sei der technisch bessere MC, heißt es gemeinhin, und daneben noch ein talentierter Producer, DJ Babu schlicht und einfach die Macht an den Turntables. Dass aber Rakaa mit seinen intelligenten Texten und dem zwar immer gleichen und einfachen, aber gleichzeitig äußerst effektiven Flow eine Soloplatte alleine tragen könnte, hätte wohl kaum jemand gedacht. Um so beeindruckender ist das, was der originale Zulu-B-Boy auf “Crown Of Thorns” abliefert: Mit einer Handvoll pumpender NeoBoomBap-Produktionen von u.a. Oh No, Sid Roams, Illmind und Alchemist ausgestattet, zeigt Rakaa hier eine Möglichkeit auf, wie erwachsene, zeitgemäße Rapmusik klingen kann, ohne dabei altväterlich, altbacken oder ewiggestrig zu wirken. Ob er in “Mezcal” auf Latino-Horn-Sample der Skateboarding- und Streetwear-Kultur seiner Heimatstadt Los Angeles huldigt, ob er mit Chali 2na auf einem bitterbösen El-P-Brett seine Wurzeln als Graffiti-Writer zelebriert oder ob er mit Ragga-Legende Mad Lion einfach nur eine kritische Perspektive in seiner Sicht auf das politische Weltgeschehen einnimmt – Rakaa hat sowohl die Einflüsse seiner Sozialisation als auch die seiner zahlreichen Reisen um den Globus zu einem spannenden Mosaik verarbeitet, das wider Erwarten im Albumkontext hervorragend funktioniert. Reggae-Einflüsse gibt es auf “Observatory” und der Single “Delilah” zu hören, in “Assault & Battery” oder “Mean Streak” hingegen sind es retrofuturistische Breakbeats, die mit ihren bitterbösen Basslines direkt in die Magengrube des Hörers zielen. Der einzige Song, der nicht wirklich zu zünden vermag, ist “Ambassador Slang” mit einer Armada von Gast-MCs aus Korea, den Philippinen, Hawaii, Japan und den USA – eine löbliche, gut gemeinte Idee des kreativen Austauschs, die aber im Ergebnis eher an eine etwas bessere Freestyle-Session erinnert, ohne gleichzeitig deren Spontaneität und Lockerheit zu vermitteln. Die übrigen zwölf Songs allerdings ergeben summa summarum eines der besten Indie-Alben des bisher unerwartet starken Rap-Jahres.

 

 

 

 

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