Rae Sremmurd – SremmLife 2 // Review

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(Eardrumma / Interscope / Universal)

Wertung: Vier Kronen

Zwei stimmbrüchige Turn-Up-Brudis mit fünf Platinsingles auf ihrem Debütalbum – klarer Fall für die Realness-Polizei. Hot-97-Sheriff Ebro Darden hat in den Brown-Brüdern bereits die Milli Vanilli des US-Rap ausgemacht und versicherte seinen Hörern: Mike Will Made It. Einen Stift hätten die beiden Jungs bis dato nicht zwischen die Finger genommen. Sei’s drum: Vielleicht hätte den Browns nichts Besseres passieren können, als die jüngsten Anschuldigungen, die den Nachfolger ihres Überfliegerdebüts nun überraschend tief gleiten lassen. Dass wir uns nicht falsch verstehen: Der Kosmos der beiden Ear-Drummers-Maskottchen lässt sich noch immer anhand zweier Koordinaten abstecken: Partys und das, was danach passiert. Doch wo die erste Episode der »Sremm­Life«-Serie noch frohen Mutes unter brennenden Scheinwerfern dappte, knipst man für die Fortsetzung erstmal die Birnen aus. Der aussichts­volle Vorbote »Look Alive« gibt den Ton an: das Mike-Will-­Produzenten-Camp lässt die Drums durch dichte Synth-Flächen und nebulöse Reverbs waten, während sich die Hit-Hook von Swae Lee in Travis Scott’scher Highlife-­Melancholie suhlt. Überhaupt Swae Lee: Der Hitzkopf, der mit seinem juvenilen Falsett stets für die ikonischen Sremmurd-Sing­alongs sorgte, nähert sich in seinen Schlachtrufen immer mehr dem freidrehenden Gekrächze eines Young Thug (»Start A Party«) und probiert sich an anderer Stelle gar in Drake’schem Genöle (»Now That I Know«). Sein größerer Bruder Slim Jxmmi dagegen, der zuletzt Gefahr lief, als wenig ­spannender Sidekick in Vergessenheit zu geraten, festigt auf »SremmLife 2« überraschend seine Rolle als gewachsener Konterpart mit selbstbewusster Ruhe. Das Zusammenspiel der beiden Extreme verdichtet sich auf »SremmLife 2« zu einem charakteristischen Vibe: Vom hypnotischen »Real Chill«, über die unterkühlte Piano-­Ignoranz von »By Chance« und den verunsicherten Ego-Push »Came A Long Way«, bis zum meditativen »Do Yoga«, zieht sich durch »SremmLife 2« eine bizarre ­Katerstimmung; die unausge­sprochene Frage, was bleibt, wenn die Gucci-Laken am ­nächsten Tag frisch ­gebügelt zusammengelegt werden. Im allerschlimmsten Fall eine gute Handvoll Hashtag-Hooks.

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