Produzent Jakepot im Track by Track Interview zu »Berbere« // Interview

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Dem Rap-Game fehlt die Würze. Jakepot aus Frankfurt, seines Zeichens Producer für Gianni Suave, Para Yok Mob, Binho und Lukees, sowie einen Haufen anderer Leute, hat sich vorgenommen, das zu ändern. Am 30. September hat er seine Debüt-EP als Producer veröffentlicht, sie trägt den Namen »Berbere«. Features darauf: Das engste Umfeld. Der Sound: Spicy und modern. Unser Autor Till Wilhelm ist das Release mit ihm Track by Track durchgegangen. 

PARA YOK MOB – »LASS DAS«

Das war düsterer, als ich erwartet habe.

Der Song stand auch schon, bevor der für mein Tape gedacht war. Ich hatte den Beat in unsere WhatsApp-Gruppe geschickt und bekam irgendwann Keys’ Part zurück. Ich wusste direkt, dass ich den für’s Tape brauche. Ich wollte sowieso einen Para Yok Mob-Track.

Wie kam überhaupt die Idee zur EP?

Im April war die ganze Crew bei Tubab zuhause, jeder hat an seinen eigenen Projekten gearbeitet. Rafiki hat die »POST«-EP gemacht, Tubab war am Planen  und ich habe nur Beats gemacht. Tubab hat mich gefragt, ob ich nicht ein eigenes Tape machen will. Darüber habe ich bestimmt zwei Stunden nachgedacht  und gar nichts gesagt. Dann bin ich aufgestanden und habe gesagt: »Jungs, ich mach jetzt eine EP!« Das war wie eine Erleuchtung.

Gibt es Producer-Alben, die dir viel bedeuten?

In Deutschland kenn ich genau ein Produzentenalbum, das von Psaiko.Dino – Das fand ich schlimm, wirklich schlimm. »8 km/h« ist in Ordnung. Ich fand das schon schrecklich, als es rauskam, aber das Album ist auch wirklich nicht gut gealtert. International gibt’s halt DJ Khaled… Das Tape von Metro Boomin war super, »NOT ALL HEROES WEAR CAPES«. Es gibt natürlich auch ältere Sachen wie J Dilla, aber das hab ich nie aktiv gehört. Rest in Peace tho. 

Ich habe das Gefühl, Produceralben versinken oft ungehört in der Irrelevanz.

Das stimmt. KitschKrieg können sich das leisten, weil sie eh schon an der Spitze stehen. Sonst fällt mir eigentlich nichts mehr ein. Die Tapes von alphamob sind aber krass, da habe ich einiges gehört, was mir gefallen hat.

Plattenpapzt, MelBeatz, DJ Tomekk. 

Dexters »Palmen & Freunde« hat mir gut gefallen. Diese Alben haben oft das Problem, dass sie überladen sind und die Songs dann schnell in Vergessenheit geraten. Bei »Full House« von Plattenpapzt fällt mir beispielsweise kein Songs außer »King of Rap« ein. Ich habe bewusst nur fünf Tracks auf die EP genommen, auch in Zukunft werden solche Releases nicht länger sein. Ich will mich nicht übernehmen, ich will lieber fünf wirklich gute und unterschiedliche Tracks als 15 mittelmäßige. Auf dem Tape sind jetzt meiner Ansicht nach die krassesten Rapper aus meinem Umfeld. Die Songs zeigen Vielfalt, klingen aber trotzdem wie aus einem Guss. Ich wollte unbedingt vermeiden, dass alles gleich klingt. 

PIPIMANE – »PAGER«

Die Keys sind wunderschön.

Die habe ich eingespielt, ich spiele auch selber Klavier. Pipimane ist eine großartige Untergrundlegende, auch wenn man nicht so weiß, wer das ist. Ich verrate das auch nicht. Er hat ja nur einen Track auf Spotify, der hat um die 50.000 Streams. Das war schon so ein kleiner Untergrund-Hit. OG Keemo hatte ihn gepusht, Breitband hatten das Video dazu gemacht. 

Das kam ja auch gerade zum Beginn des Lockdowns. 

Das Video zu »S-Bahn« wurde auch über Videochat und sonst in einem einzigen Zimmer gedreht. Das war schon sehr typisch für diese Zeit auch. Ich hatte Pipimane vor einiger Zeit Beats geschickt. Eine Woche lang habe ich nur Samples gesucht, ich habe um die 300 Dinger runtergeladen. Zwei Wochen lang habe ich den ganzen Tag nur Beats für das Tape gemacht. Er hat mir den Track dann eigentlich in fertiger Version zurückgeschickt, natürlich komplett ungemischt. Nach ein paar kleinen Änderungen stand der dann auch schon. 

Pipimane finde ich ganz interessant, weil der ja schon in der Tradition von Maskenrappern steht.

Seine Themen sind bisher ja recht überschaubar, er fährt gerne S-Bahn und tippt die Nummer in den Pager. Das macht es umso wichtiger, dass der Flow sitzt, dass der Beat taugt.

Pager werden ja eigentlich nur noch in Krankenhäusern benutzt, weil es da oft kein Internet gibt. 

Vielleicht treibt sich Pipimane in Krankenhäusern herum. Es gab ja wirklich recht viele Vermutungen, wer hinter diesem Namen steckt. Vielleicht ist er ja Krankenpfleger. 

BINHO X TUBAB – »BERBERE«

Was war der letzte Song, den du gehört hast, der richtig nach Fuß klang?

Die neuen Singles von Fler. Das Video war krass, aber die Songs waren wirklich Fuß. Ansonsten einfach Jamule, weil fick den. Fick den für diese rassistischen Aussagen, fick den für  diese lächerliche Entschuldigung. Ich weiß auch genau, wer da sofort kommentiert hat mit Herz-Emojis. Da war nicht eine Schwarze Person dabei. 

Wieso heißt das Tape eigentlich »Berbere«?

Ich habe sehr lange nach einem passenden Namen gesucht, mehrere Monate. Ich hatte schon ein paar Ideen, aber die fand ich nach ein paar Wochen nicht mehr cool. Als das Tape zur Hälfte fertig war, saß ich zuhause und habe Injera gegessen. Da kam mir die Idee für den Namen. Berbere ist ein Gewürz aus der eritreischen Küche, das mich einfach mein Leben lang begleitet hat. Das war immer da. Das gehört zu meiner Kindheit, zu meiner Kultur und ist auch einfach noch ein geiles Wort. Es geht auch um Flavour, ich spice das Game up. Deutscher Rap isst nicht scharf genug. 

LUKEES X KEYS – »521«

Das ist so bisschen der Chill-Moment. 

Der Track davor ist einfach der Ekelhafteste. Der Beat drückt da sehr, das Sample drängt sich in den Vordergrund. Tubab und Binho sind auch zwei Rapper, die viel Gewalt in ihrer Stimme haben. Das ist auch der Höhepunkt. Dann wollte ich aber, dass der nächste Song ein bisschen ruhiger wird. Das Sample hat einen guten Vibe. 

Der Song klingt recht trocken. 

Stimmt. Ich finde, das hier ist der eingängigste Track auf dem Tape. Die Hook brennt sich sehr gut ein. Die anderen Lieder prügeln sich ein. Dieser hier schmiegt sich in dein Ohr.

Bist du eigentlich das Bindeglied zwischen dem Zonkeymobb und Para Yok Mob? 

Wir haben alle seit längerer Zeit Kontakt miteinander. Es gibt sogar schon einen gemeinsamen Track, der noch nicht veröffentlicht ist. Die erste musikalische Kollaboration zwischen den Crews war aber, dass ich auf dem »Hoteltape« von Binho und Lukees Beats beigesteuert habe. Die Rapper sind einander jeweils gar nicht so sehr vertraut, ergänzen sich hier aber wunderbar. Ich wollte Features auf meinem Tape haben, die es so vorher noch nicht gab. Das ist eben auch die Macht eines Producers. 

Sind die Songs für »Berbere« in Sessions entstanden? 

Nur dieser und der nächste. Lukees kam extra nach Frankfurt, wir haben uns zu dritt hingesetzt und das Studio nicht verlassen, bis der Track fertig war. Beats und Spuren hin- und herschicken ist cool und funktioniert auch, aber wenn alle gleichzeitig an einem Song arbeiten, kriegt man nochmal andere Vibes. 

Ich glaube, wenn man alleine zuhause sitzt und Spuren aufnimmt, hat man viel größere Ansprüche an sich selbst. Mehr Drang, sich beweisen zu müssen. 

Klar, in einer Session bist du in einem sicheren Umfeld. Du kannst dich darauf verlassen, dass die anderen deinen Kram cool finden  und kriegst auch mehr Bestätigung. Da findet super viel Austausch statt, Lieder entstehen richtig organisch. Man merkt das dem Endprodukt an.

GIANNI SUAVE – »NEWCOMER FOREVER«

Gianni Suave wird wirklich mit jedem Track noch ein Stückchen besser. 

Ich wusste schon relativ früh, dass er auf diesem Tape sein wird. Für Gianni Suave habe ich viele Beats gemacht und wieder verworfen. Das waren alles Beats, die sehr typisch für ihn sind. Irgendwann habe ich gemerkt, dass das nicht funktioniert. Ich wollte auf »Berbere« ja meinen  eigenen Sound präsentieren. Diesen Beat gab es schon, der ist im März für ein anderes Projekt entstanden. Damit sind wir dann ins Studio gegangen. In der Session hat er den gesamten Text geschrieben und aufgenommen. Gianni Suave auf einem Beat, wie man ihn vorher nicht gehört hat. Das ist meiner Meinung nach der beste Track, den er jemals gemacht hat. 

»Newcomer Forever« bekommt auch ein Video?

Wir haben ein Video mit Gianni Suave gedreht. Das war ein richtiger Struggle, weil ich komplett broke bin. Schon in der Session hat jeder, der da war, den Track gefeiert. Gianni fand den im Endeffekt so krass, dass er ein Video drehen wollte. DMWTW (Crew von Gianni Suave, Anm. d. Red.) haben das dann auch komplett übernommen, dafür bin ich sehr dankbar. Die haben dafür richtig Geld in die Hand genommen. 

Kendrick Lamar ist ja ein großes Vorbild für Gianni Suave. Mit diesem modernen Beat nähert sich das jetzt auch an. 

Giannis nächstes Tape wird auch in eine moderne Richtung gehen. Vor einem halben Jahr hat er mich ins Producerteam geholt. Die EPs, die er bislang veröffentlicht hat, sind richtig gut. Aber dieser Untergrund-Sound ist irgendwann auch played out. Da kommt jetzt kein Trap-Album auf 21 Savage Type Beats, aber der Sound wird sich weiterentwickeln. Ich hab Gianni Suave als Visionär kennengelernt, das wird jetzt nur noch größer werden.

Interview: Till Wilhelm

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