Gianni Suave – Dope // Review

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(Don’t Mess With The Weather)

»Mach ein Tape ganz ohne Hooks, weil was ich mach’ ist Rap-Shit«: Keine Frage, der FFMer Gianni Suave hält es echt mit den Bars und Drums. Seit Jahren ist der Name des »Don’t Mess With The Weather«-Soldiers fester Teil der Repertoires der gut informierten Blog-Boys und -Girls, die tiefer graben, die nach mehr suchen und die mehr wollen als vorgefertigte Playlist-Kost. Auf »Dope« unterstreicht Gianni Suave auf fünf Tracks nun auch konsequent, was er ist: Ein MC, der sich ganz bewusst aus der Industrie raushält, der seinen eigenen Film fährt und immer, wirklich immer, seine eigene Philosophie von Musik über schnelle Klicks stellen würde. »Das letzte was ich mache, wäre was, was ich nicht fühl«, rappt Gianni und fügt wenig später an: »Niemand wird zu ‘ner Legende, weil er Sachen macht wie andere«. Das interessante an »Dope« ist, dass Gianni trotz all der Szenekritik, deren Verbalisierung er sich selbstredend nicht als erster Künstler bedient, kein Bisschen, Sorry, hängengeblieben klingt. Es ist erfrischend, dass die hessische Untergrund-Antwort auf Mainstream-Deutschrap nicht ausschließlich auf Knister-Knister-Samples und, trotz Guro-Vocal-Chops, 90er-Ostküsten-Ästhetik basiert – die eben auch schon zu Genüge reproduziert, adaptiert und wiederverwendet wurde. Zusammen mit DMWTW-Producer Rio und Funkvater Frank, der als Co-Producer mitwirkte und das finale Sounddesign überprüfte, schaffte Gianni hier ein Stück Musik, das sich dank einem eigenen, niemals festgefahrenen Soundapproach gar nicht erst auf die Suche nach einer Schublade machen muss. Was »Dope« allerdings final zu einem wirklich, wirklich guten Tape macht, sind Giannis glänzende Skills als Rapper. EsUhAh tänzelt über Beatswitches und ein breites Potpourri an Drums als ob es nichts wäre und macht sich an großzügig an der schier unbegrenzten Bandbreite der deutschen Sprache zu schaffen, ohne allzu kryptisch daherzukommen. Vielmehr meistert Gianni es, ohne dass sich das jemals hätte ausschließen müssen, extrem wortgewandt und zeitgleich authentisch straßenschlau zu wirken. Gianni wirkt zeitweise wie der weiseste Anfangzwanziger der Bundesrepublik, nur um unter all die Knowledge und Schachtelreime immer wieder Reminder seiner Frankfurt-Sozialisation unterzumischen. So bleibt am Ende eine sehr gute EP, deren Erfolg sich mit Sicherheit aber nicht in Streamingzahlen von schwindelerregender Höhe messen lassen wird – und das auch gar nicht soll. Denn was zählt, ist Rap, ist Kunst, ist der eigene Film. Oder um es mit der Opening Line der EP zu halten: »Ich drop und Prodigy macht Gangsigns in Garten Eden«.

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