PA Sports – Streben nach Glück // Review

 

PA-Sports-Streben-Nach-Glück-Artwork-Cover

 

(Life is Pain/ Groove Attack)

Wertung: Vier Kronen

Essen ist eine feindselige, trostlose Stadt. Ich war nur ein einziges Mal für 24 Stunden dort und würde es vorziehen, nicht so bald wieder dort hin zu müssen. Wenn PA Sports seine Heimat im Zentrum des Ruhrgebiets beschreibt, findet man diesen oberflächlichen Eindruck bestätigt. Essen ist für ihn ein Kriegsschauplatz. In dem stärksten Song seines Soloalbums, »Mein Bilderbuch«, beschreibt der junge Rapper, wie die Umrisse von Fitnessstudios und Spielhöllen am Fenster seines Mercedes AMG vorbeifliegen, wie Junkies und Nutten mit leeren Blicken seinen Weg kreuzen, während er durchs ewige Grau der Betonriesen rollt. Der gerade mal 20-Jährige beschreibt mit eindrucksvoller Intensität ein emotionsloses Post-Hartz-IV-Deutschland, in dem Ausländer wie er keine Chance bekommen, sondern wie selbstverständlich mit Dealerei und Prostitution aufwachsen. Daraus resultiert eine rebellische No Future-Haltung und ein latenter Hass auf das System und seine Institutionen – eine Line wie »Immer wenn die Bullen durch die Blocks drehen/beschmeißt sie mit Molotow-Cocktails« (Kianush) spricht Bände. Im Soundbild dominieren pathetische Streicher und melancholische Klavierklänge, unverkennbare Anleihen an französischen Banlieue-Rap und den Mobb Deep-Sound der »Hell On Earth«-Ära. »Streben nach Glück« ist Moll-Musik für den Block, eine Mischung aus Aggro-Ansagen und sozialen Betrachtungen ohne Verdacht auf Gymnasiastenlyrik. Man kann das Gangsta-Rap nennen, doch PA Sports beherrscht das Handwerk eines MCs. Er beschäftigt sich nur eben lieber mit Themen seiner Umwelt als mit den Werten einer Szene, die in ihrer Selbstreferenzialität immer weiter in die Irrelevanz abdriftet. Trotz kleiner Punktabzüge wegen der etwas zu lockeren Qualitätskontrolle in der Trackauswahl (vor allem wegen so manchem doch etwas schwächeren Instrumental in der zweiten Albumhälfte) lässt sich feststellen, dass wir es hier mit einem der talentiertesten und authentischsten U25-Rapper Deutschlands zu tun haben. Bevor PA zum Schluss von »Bilderbuch« seine Wohnungstür hinter sich schließt, hört er Polizeisirenen. Damit hat er – wohl unbeabsichtigt – schon die größte Gefahr für seine Musikkarriere ausgemacht.

 

Text: Stephan Szillus

 

 

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