»In Belgien kennt man nur Farid und Bushido«: Produzent Oster über Beats für deutsche Rapper // Beat Wars

Hitgaranten wie 385i und KMN, La Fouine oder auch Quebonafide werden von Oster bedient. Hier erzählt er von für ihn zentralen Produktionen und deren Entstehungsgeschichte.

Der Belgier Oster wurde mit elf Jahren von seinem Bastlervater zu einer Computerreparatur mitgenommen. In der Werkstatt ließ Oster sich direkt eine FruityLoops-Kopie mitgeben und legte los. Heute, 18 Jahre später, sind seine Beats vor allem im deutsch- und französischsprachigen Mainstreamrap angekommen. Hitgaranten à la 385i und KMN, La Fouine oder auch Quebonafide werden bedient. »Gute Musik gibt es überall. Und ein guter Koch kann überall kochen«, sagt Oster. Hier erzählt er von für ihn zentralen Produktionen und deren Entstehungsgeschichte.

Fler feat. Sentino – Unterwegs (2016)

Ich hab den Beat ursprünglich für Sexion D’Assaut gemacht, aber die haben ihn nicht benutzt. C-Wash hat mich 2015 nach Düsseldorf ins Studio eingeladen, da hatte ich noch keinen Plan von Deutschrap – in Belgien kennt man nur Farid und Bushido. Über C-Wash habe ich Paar random Beats an Fler geschickt, der sich diesen Beat direkt geschnappt hat. Nach zwei Wochen standen Track und Video – irre. Eine Show von Fler war dann auch mein erstes deutsches Rapkonzert. Da hab ich gecheckt, wie sinnvoll es für mich ist, auch für Deutsche zu produzieren.

Celo & Abdi feat. Olexesh & Nimo – Rhythm’n’Flouz (2017)

Nimo habe ich online gefunden. Mir gefiel sein Vibe sehr, also schrieb ich ihm ne Mail. Es stellte sich raus, dass mich sein Camp eh kontaktieren wollte. 2016 wurde ich auf die »Habibi«-Tour eingeladen und war baff, als ich die vollen Hallen und Fans sah. So kam’s Schritt für Schritt zum persönlichen Kontakt – mit 385i, den Azzlackz, KMN. Ich kannte ja wirklich niemanden und dachte zu Beginn, Celo und dessen Jungs seien Security. (lacht) Olexesh könnte HipHop-Lehrer sein: Sein Wissen, seine Liebe für die Musik und sein Drive sind krass. Und jeder sollte mal Abdi kennenlernen. Der Typ ist crazy!

Azet – Zigarrenhavanna (2017)

Nach Nimos Tourstop in Zürich traf ich Azet – mal wieder im Hotel. Er suchte Beats, wir haben kurz gebrainstormt, dann bin ich aufs Zimmer und hab den Beat zu »Zigarrenhavanna« in zwanzig Minuten gebastelt. Ich wollte ein dancelastiges Instrumental mit Balkaneinfluss kreieren, weil in der Schweiz viele dort ansässige Albaner und Kosovaren mir landestypische Musik gezeigt haben. Der Beat hat auch bloß sechs oder sieben Spuren. Die Gitarrenmelodie hatte ich bereits in mein Handy gesummt, da brauchte es nur noch den Bass, Percussion und ne Hi-Hat. Als Azet in den Knast musste, dachte ich, das wird nichts mehr. Ein Anruf von Unbekannt folgte – am Telefon Azet aus dem Knast. Er beteuerte, bei seinem ersten Ausgang sofort diesen Song zu recorden. Gesagt, getan. Wenig später kam der Song per Mail, und der Videodreh war für den nächsten Ausgang angesetzt – doch der Song wurde im Netz geleakt. KMN haben ihn dann auf die »KMN Street EP 2« gepackt. Zwischen Produktion und Veröffentlichung vergeht so auch schnell mal ein ganzes Jahr.

Dardan – Jump (2018)

Nach einer Studiosession mit Ufo bin ich morgens um vier raus und ab ins Hotel – da hab ich Dardan getroffen. Wir kamen ins Gespräch, und er beschrieb mir, was für eine Art von grimey-sphärischem Beat er braucht. Ich bin direkt rauf aufs Zimmer und hab diesen Beat innerhalb kürzester Zeit gebastelt.

Text: Naima Limdighri

Dieses Feature erschien in JUICE 190. Aktuelle und ältere Ausgaben könnt ihr versandkostenfrei im Onlineshop bestellen.

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