Omik K: »Ich wurde von Cypress Hill in Los Angeles zum Ritter geschlagen« // Interview

Mitentdeckt von Morlockk Dilemma, schrie sich der gebürtige Kubaner Omik K mit seiner markanten Stimme bereits vier Alben lang durch das Rapbusiness: Knallharter Leipziger Straßensound. Vor knapp einem Jahr folgte das Signing beim Berliner Label Auf!Keinen!Fall!, und im Juni kommt dort nun sein neues Album heraus: »Coño«. Warum er sich da musikalisch deutlich verändert und welcher Trip ihn inspiriert hat, erzählt er im Interview vor seinem Konzert in Köln als Support der 187 Strassenbande.

Dein letztes Album hast du noch bei Wolfpack rausgebracht. Vor ungefähr einem Jahr kam das Signing bei Auf!Keinen!Fall!. Was ist seitdem passiert?
Ich war viel im Studio, habe jeden Tag gearbeitet. Jetzt haben wir das Doppelalbum fertig, das richtig geil geworden ist. Mein Bruder Big A sagt oft zu mir: »Junge, das ist irreal!« Wir waren vorher viel zu Hause, haben eine lange Zeit nur gechillt. Musik habe ich nur im Studio gemacht, sonst viel Zeit mit meiner Familie verbracht und versucht, hier und da mal etwas zu klären. Plötzlich stärkt uns das Label den Rücken. Das macht alles viel einfacher.

Beim Signing gab es damals die Meldung mit dem vielsagenden Hashtag #albumnochdiesesjahr. Jetzt kommt es erst einige Monate später, im Juni 2018.
Wir haben uns einerseits Zeit gelassen, damit wir direkt genug neues Zeug haben, weil ich kontinuierlich guten Stuff releasen will. Der andere Grund war aber, dass sich alles wegen einer Aktion verzögert hat. Da ging es um mein Visum. Wir wollten unbedingt nach Los Angeles, um dort Videos zu drehen. Es war schon krass, so lange warten zu müssen, wenn du ein Album fertig hast, aber am Ende des Tages hat es sich gelohnt. Wir haben ein geiles Doppelalbum, Videos aus Los Angeles, coole Leute drauf und vor allem jetzt auch ein Hammer-Feature. Ein Traum, der sich da erfüllt hat.

Wer ist dieses Hammer-Feature?
Cypress Hill! Sen Dog und B-Real sind auf meinem Album drauf! Wir waren bei denen im Studio in Los Angeles. Das Label hat den Kontakt hergestellt. Ich bin da mit fertigem Beat hingekommen. Die Jungs haben direkt geschrieben und aufgenommen. Das war ein sehr familiäres Gefühl, wir sind ja alle Latinos und haben auch nur Spanisch miteinander gesprochen. Wir waren direkt auf einer Wellenlänge. Da kommt jetzt bald noch ein Video zu dem Song, mit Lowridern und so, das volle Programm. Wir haben Los Angeles komplett genutzt.

Du hast Anfang März deine erste Single »Rataz« rausgehauen. Viele Fans waren überrascht, weil man dich auf dem Song mit Autotune hört. In den Sozialen Medien gab es einiges an negativem Feedback, viele wollten deine markante »Kettensägenstimme« zurück. Wie gehst du damit um?
Den Song habe ich bewusst gewählt. Ich will jetzt auch mit Autotune arbeiten, auch wenn das vorher keiner gedacht hätte. Dafür musste ich gleich von Anfang an das Eis brechen. Ich wusste, dass es Hate geben würde, aber wer mich supportet und ein richtiger Fan ist, der wird auch den neuen Stuff feiern. Und es gab ja auch richtig gutes Feedback. Wir haben sicher auch den einen oder anderen Fan dazugewonnen.

Auf dem Album hört man schlussendlich beides: Tracks im alten Stil und Tracks mit Autotune. In welche Richtung willst du dich entwickeln?
Ich wollte einfach etwas Neues ausprobieren, nicht immer nur ins Mikro hineinschreien und die Stimme dreifach doublen. Ich war davon ein bisschen müde. Als ich in Los Angeles war, habe ich die Zeit genutzt und mich mal wieder inspirieren lassen von anderer Musik. Du kriegst da ganz andere HipHop-Eindrücke, so ein bestimmtes Gefühl, das es in Europa gar nicht gibt. Dann hab ich mich selbst mal an Rap mit Autotune versucht, und es hat Spaß gemacht. Es war, als ob ich neu anfangen würde zu rappen – nur dass ich schon schreiben und rappen konnte. Ich mache das, worauf ich Bock habe. Asozial bleibt das Album ja trotzdem! Ich fick auf den Beat genauso wie vorher. Nur anders verpackt. Mit Schleifchen quasi. (lacht)

Ein Album im Stile des alten Omik Ks wird es also nicht mehr geben?
Doch, ich werde auf jeden Fall auch wieder ein Album droppen, das wie früher klingt. Aber jetzt kann ich variieren, was für Musik ich mache. Ich habe auf dem Album alles ein bisschen gemixt. Es wird von Westcoast-Hardcore-Shit bis hin zu melodischen Autotune-Gesängen alles geben.

Beim letzten JUICE-Interview vor einiger Zeit hast du gesagt, dass Rap wieder zurück in Richtung Boombap gehen wird. Wie siehst du die ­Entwicklung heute?
Habe ich das gesagt? Naja. Alles verändert sich jeden Tag. Momentan geht es in alle Richtungen. Irgendein großer Rapper hat mal gesagt: »Musik ist wie Wasser.« Sie bewegt sich, wie sie will und wie sie es braucht. Man kann sich nicht reinverkrampfen. Du musst machen, was du fühlst.

Du bist einerseits ja schon ziemlich lange dabei, andererseits hat man das Gefühl, du bist immer noch eine Art Newcomer.
Ja, ich schwimme immer in diesem Newcomer-Becken rum, bin aber ein alter Hase. Klar, jetzt auf der Tour mit der 187 Strassenbande sehen viele Leute mich zum ersten Mal und fragen: »Hey Omik, wo warst du die ganzen Jahre?« Aber ich bin fleißig. Bisher war es so: Ich mache ein Album, und mal gucken, wie es wird. Aber jetzt ist es ein Job. Seitdem ich das weiß, gehe ich ganz anders an diese Sache ran.

Vor deinem Einstieg in die Rapszene warst du ja im Osten sogar noch in, sagen wir mal, artverwandten Bereichen unterwegs.
Ja, ich habe gebreakt, ich habe gesprüht. Mein erstes Tag in Leipzig ist von 2003, da war ich zwölf Jahre alt. Wir haben nachts in Rutschen geschlafen, auf Spielplätzen, und sind danach direkt in die Schule. Ich hab meiner Mutter gesagt, ich würde bei einem Kollegen pennen. Er hat dasselbe seiner Mutter erzählt, und dann sind wir rausgegangen – Hauptsache, wir konnten sprühen. Aber wenn du irgendwann Ärger damit hast und deine Mutter eine Geldstrafe für dich zahlen muss, kackst du ab. Irgendwann kam dann Rap. Aber ab und zu geh ich noch was malen. Alte Liebe rostet nie.

Am Anfang hat man dich sehr in der Leipziger Szene wahrgenommen. Gleichzeitig ist deine kubanische Herkunft wichtig. Viele Tracktitel und auch der Albumtitel sind auf Spanisch. Wie willst du selbst wahrgenommen werden?
Ich will vor allem den Latin-Stempel haben! Ich bin der Latino! Danach können andere Zigtausende kommen, aber ich will diesen Stempel. Ich galt lange als hungriger Junge aus der Platte, aus dem Osten. Das ist natürlich auch ein gewisses Image von mir. Aber man vergisst manchmal, dass ich auch Latino bin. Ich komme aus Kuba. Ich komme aus dem Ghettoshit. Und das will ich präsentieren, bevor es ein anderer macht. Das lasse ich mir nicht nehmen. Ich wurde von Cypress Hill in Los Angeles zum Ritter geschlagen. Für Deutschland. So sehe ich meinen Stempel.

Text: Niklas Potthoff
Foto: Ben Baumgarten

Dieses Interview erschien in JUICE 186. Back Issues können versandkostenfrei im Shop bestellt werden.

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