Nazar & RAF Camora – Artkore // Review

 

Nazar-Raf-Camora_Artkore

 

(Wolfpack/Soulfood)

Wertung: Viereinhalb Kronen

Der ein oder andere (Un-)Beteiligte hat ja den 12. März zum Deutschrap-Großkampftag aufgeblasen: “Bello” gegen “Asphalt Massaka”, so das Motto – wie das (un-)gewollte Battle in kommerzieller Sicht schließlich ausging, vermeldeten dann die jeweiligen Newsletter mehr oder eben weniger überschwänglich. Dass zumindest in künstlerischer Hinsicht hier noch zwei weitere Contender was mitzureden hatten und haben, ging in dem Getöse beinah unter: “Artkore” heißt der erste gemeinsame Release der beiden Wiener Nazar und RAF Camora, und der muss sich vor dem, was der 12. März sonst noch auf Rap in D losließ, nun wirklich nicht verstecken. Das fängt schon damit an, dass die zwei bei Qualitätsgaranten wie Sti, m3 & Noyd oder PhreQuincy – und sich selbst übrigens auch – zielsicher die Rosinen gepickt und mit Chakuza, Maxim und Tarek von K.I.Z., Sprachtot und Fler eine so nicht zu erwartende Palette an Featuregästen aufgefahren haben. Und wer sich schon mal mit den beiden Protagonisten beschäftigt hat, der wird zum einen wissen, dass man RAFs Fähigkeiten am Mic gar nicht hoch genug einschätzen kann, und zum anderen, dass Nazar trotz seines Rufes als Österreichs Antwort auf Bushido überaus flexibel, abwechslungsreich und verspielt zu flowen in der Lage ist. Diesen Spaß am Flow um des Flows willen, an den Gimmicks, Stop & Go-Spielereien und Musik an sich hört man “Artkore” letztendlich auch deutlich an, Platz für Nachdenkliches ist dennoch zur Genüge. So folgt auf die ­verstylete Videosingle “Killabizzz” dann auch gleich so ein Ding wie “Angst”, das treffsicher eben jene thematisiert, freilich ohne auch nur den geringsten Zweifel an der raptechnischen Versiertheit von RAF und Nazar aufkommen zu lassen. Klar, manch einem mag die Versteigerei in teils regelrecht sinnentleerte Flowkonstruktionen samt Stottern und merkwürdigen Geräuschen ein wenig zu viel sein – als Empfehlung für größere Aufgaben im hiesigen Game funktionieren die 16 Tracks hier aber bestens. Und Spaß macht die hier exerzierte eigene Herangehensweise an Rap ohnehin unbedingt. Sehr gutes Album, Konkurrenzprodukte hin oder her.

 

Text: Marc Leopoldseder

 

 

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