Nas – The Lost Tapes 2 // Review

Nas sollte an seiner Qualitätssicherung arbeiten. »The Lost Tapes 2« erstickt die wenigen Highlights in einem Haufen Ausschussware.

(Mass Appeal Records)

Wertung: Zweieinhalb Kronen

Fortsetzungen sind immer heikel. Auf jedes »Vol. 2 … Hard Knock Life« kommt ein »Blueprint II«, auf jedes »Blackout II« kam ein »Tical 2000«, und über »Culture II« sei hier mal der wohlwollende Gucci-Pelz des Schweigens gehüllt. Auch Nas kennt sich mit Fortsetzungen aus. Doch verhält sich »The Lost Tapes 2« zu »The Lost Tapes« leider nicht wie »Stillmatic« zu »Illmatic«, auch wenn zwischen beiden Sequels zwei ganze Schaffensperioden gelegen haben. Seit er sich mit »The Lost Tapes« vor 15 Jahren via Jay-Z-Beef-Steigbügel in die Form seines Lebens zurückrappte, steht unweigerlich fest: Nasir Jones war schon ein GOAT, bevor man es so nannte. Das scheint ihm mittlerweile aber auch zu genügen, denn die Leftover-Rückschau von »TLT 2« umfasst großzügig Überreste aus 17 (!) Jahren vom eher halbgaren »HipHop Is Dead« (2006) bis zum rückblickend doch enttäuschenden »Nasir« (2018). Braucht man sich unter diesen Gesichtspunkten nochmal mit der Phase um »Untitled« (2008) oder »Life Is Good« (2012) zu beschäftigen? Aus guten Gründen: Nein. Nas’ Output und Qualitätssicherung war in den letzten zehn Jahren eh genauso sporadisch wie die A-Liga-Producer (u.a. Swizz Beatz, Kanye West oder Pete Rock), die er hier wahllos zusammenschiebt, als könnten Big Names über Durchschnittssongs hinwegtäuschen. Natürlich ist es für ein paar Minuten perfekt, wenn er seinen Straßen-Philosophen auf dem schrägen Flötenkonstrukt »Highly Favored« von RZA kanalisiert, auf Alchemists Fusion-Jazz bei »It Never Ends« Biggie zitiert oder das Fühl des Sample-Sommers ’09 auf »Lost Freestyle« dank Statik-Selektah-Piano herbeiflowt. Doch immer wenn er nicht über QB, die Rap-Legacy oder Afrikanismus spricht, wirkt Nas’ Präsenz glanzlos und mitunter sogar haarsträubend. Auf einer Pharrell-Discokugel der »Change Clothes«-Ära spricht er zum Beispiel erst über postkoitale Depression, um den anschließenden Widerworten der Herzensdame etwa so zu begegnen: »what are you becoming? You wanna be the man or the woman?« Auf »Beautiful Life« erfährt diese Misogynie dann ihren Höhepunkt, wenn Nas außer Vorwürfen genau nichts Konstruktives zum Sorgerechtsstreit mit Ex-Frau Kelis vorträgt. »The Lost Tapes 2« bildet damit genau das ab, was es Nas-Fans immer so schwer gemacht hat: eine Handvoll Highlights von absolutem Weltrang, die leider allzu oft von hastig zusammengeschobener Ausschussware überschattet werden.

Text: Kilian Peters

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