Moses Pelham: »Eine der krassesten Lügen ist, Geld macht nicht glücklich« // Interview

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Es gibt die Anekdote, dass du auf das Klingelschild deiner ersten eigenen Wohnung bereits »pelham power productions« geschrieben hast, der Name deines Labels 3p. Ich habe mal gelesen, dass du mit 13 schon 3p sehr genau geplant hast. Woher kam die Ambition bei dir, so früh geschäftlich da heranzugehen?
Moses Pelham: Auch das klingt heute so, als hätte ich einen Businessplan gehabt. Aber ganz ehrlich, ich hatte einen Scheißdreck. Ich hatte nach »Twilight Zone« einfach keinen Bock mehr, mit den Arschlöchern herumzureden. Ich habe einfach bemerkt, dass ich mit diesen Leuten niemals das werde machen können, was ich mir vorstelle, weil diese Leute eine andere Perspektive auf die Sache hatten. Mehr so aus der Not heraus oder aus Trotz kam ich dann auf die Idee, das alles selbst zu machen. Wie wusste ich noch nicht, aber ich war mir sicher, schon einen Weg zu finden.

Jay-Z hat einmal gesagt, wer viel Geld verdienen will, muss sich mit Leuten umgeben, die viel Geld verdient haben. Wie hast du dich diesem Geschäft dann genähert?
Moses Pelham: Ich habe mir natürlich überlegt, was ich brauche. Aber anhand der Prioritätenliste siehst du ja schon, wie strukturiert das war: Erstmal brauchte ich ein Türschild (lacht). Das war zwar kindlich irgendwo, aber im Endeffekt wahrscheinlich wichtig für die eigene Einstellung. Das hat ja auch keiner gesehen, außer die Leute in meinem Haus, die vermutlich gedacht haben, ich sei jetzt übergeschnappt. Ich habe das ja auch nicht gemacht, um einen Dritten davon zu überzeugen. Spannender war es da, anzufangen Musik zu produzieren. Damals konnte man für 2000 oder 3000 Mark schon einen S-900 oder S-1000 schießen, womit man ein bisschen was machen konnte. Vielleicht ist es das, was Jay-Z damit meinte: Ich habe natürlich in Studios von anderen Leuten, wie zum Beispiel von Martin Haas, gesessen, wo mir diese Geräte erklärt werden konnten.

Du hast dich vor deiner Musikerkarriere für Jura eingeschrieben, deine Mutter ist gelernte Versicherungskauffrau. Wie wichtig ist dir finanzielle Sicherheit?
Moses Pelham: Ich verstehe nicht, warum du mein Jura-Studium und den Wunsch nach finanzieller Sicherheit verknüpfst. Ich wollte nie Berufsmusiker werden, das war gar nicht der Plan. Aber Jurist wollte ich auch nicht wegen des Geldes werden. Das wirkte auf mich einfach anziehend. Klar, ich habe Musik geliebt, aber das war kein Berufswunsch. Natürlich wollte ich eine Platte machen und auf der Bühne stehen, aber mein Geld wollte ich damit gar nicht verdienen. Ich bin da einfach reingerutscht. Es gibt nichts, wofür ich so viel Energie aufbringen kann und dann hat sich parallel dazu die Möglichkeit eröffnet, damit auch noch Geld zu verdienen.Zur Uni zu gehen war da dann einfach deutlich weniger spannend. Bei Rechtswissenschaft ging es mir aber – wie gesagt – auch nicht ums Geld. Die Vorstellung war natürlich sehr geprägt vom Modell des US-amerikanischen Kreuzverhörs (lacht). Das sah mir aber nach etwas aus, das mir gefallen könnte. Das geht ja auch vielen Leuten so, dass sie über eine falsche Vorstellung in den Job geraten, den sie am Ende machen. Aber du merkst ja schnell, ob das etwas für dich ist. Ich beschäftige mich ja auch heute noch viel mit juristischen Angelegenheiten. Das hätte mir gefallen, das wäre der richtige Beruf gewesen. Aber um den anderen Teil deiner Frage zu beantworten:Wie wichtig wirtschaftliche Unabhängigkeitist, wirst du erst erfahren, wenn du sie nicht hast. Was soll Geld wert sein, wenn es dir nicht fehlt?

Wann haben deine Eltern aufgehört, sich Sorgen zu machen?
Moses Pelham: Ich glaube nie, ehrlich gesagt. Die haben mich sehr früh gefördert, auch weil mein Vater ja Berufsmusiker war. Das Game konnte er mir also ein bisschen erklären und hat, wie ja bereits erzählt, auch Sachen für mich ermöglicht. Ich glaube, es ist normal, sich ein bisschen zu sorgen, wenn man in so einem diffusen Feld wie Musik arbeitet. Das hat aber auch später nicht nachgelassen: »Hey, ich habe dich heute in den Tagesthemen gesehen. Was machst du da genau? Bist du dir sicher?« Für meine Eltern waren Cash und Fame keine Legitimation, die wollten das dann doch ein bisschen genauer wissen (lacht).

»Ich habe nie aufgehört, mir sorgen zu machen. Das passt nicht zu meinem Job.«

Wann hast du aufgehört, dir Sorgen zu machen?
Moses Pelham: Ganz ehrlich, auch nie. Das passt nicht zu meinem Job. Da sind so viele Faktoren, die komplett unvorhersehbar sind, dass man natürlich dazu neigt, auch negative Szenarien durchzuspielen. Was machen wir, wenn Fall X eintritt? Du kannst nur ein paar Eventualitäten einplanen, genau weißt du es nie. Würdest du dich die ganze Zeit nur auf den worst case vorbereiten, würden andere Sachen auf der Strecke bleiben, weil du dafür einfach zu viel Energie verschwendest. Aber ich strebe doch den best case an! Ich will ja nur für den anderen gewappnet sein. Das ist ein schwieriges Thema. Ich habe auch viel Zeit damit verbracht, zu überlegen, mich nur auf das Produzieren zukonzentrieren. Das passt aber nicht ganz zu meiner Persönlichkeit.

Wie schwer fällt es dir, Verantwortung abzugeben?
Moses Pelham: Es fällt mir nicht leicht. Aber wenn die Hände, in die ich sie gebe, nachweislich im Stande sind, die Verantwortung zu tragen und den Ansprüchen gerecht zu werden, kann ich das schon abgeben. Ich frage da meistens zwei, drei Sachen und bekomme ein Gefühl dafür, ob ich es der Person anvertrauen kann. Da geht es nicht nur darum, fähig zu sein, sondern auch willens.

Deine Mutter macht bis heute die Buchhaltung deiner Firma. Wie lernt man mit Geld umzugehen?
Moses Pelham: Naja, meine Mutter hat das Büro aufgebaut, aber die Buchhaltung macht mittlerweile eine andere Dame. Meine Mutter arbeitet zwar noch dort, aber ist eher so eine Art Patronin (lacht). Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, wie man lernt, mit Geld umzugehen. Ich wollte gerade sagen, indem es einem gefehlt hat. Aber ich kenne so viele Leute, die trotzdem schlecht mit Geld umgehen. Auch richtig widerlich. Die wissen dann nicht, wohin damit und sind immer noch getrieben von dieser panischen Angst, dass das Geld weg sein könnte. Aber das ist auch nicht die richtige Antwort, meinem Gefühl nach. Diese Leute würden sagen: »Ja, guck mal, Moses, deswegen habe ich auch das Hundertfache von dir.« Ich glaube, es ist hilfreich, zu lernen, über längere Zeiträume zu denken. Nicht, was es mir heute, morgen oder im nächsten Monat bringt, sondern in 15 Jahren. Man sagt ja auch, dass Leute, die viel Geld haben, in Abschnitten denken, die sie selbst gar nicht mehr erleben werden. Ich denke so nicht. Wenn du mich aber fragst, was ich für clever halt: Das halte ich für clever.

Was ist die größte Lüge über Geld?
Moses Pelham: Ich würde voll gerne eine superschlaue Antwort darauf geben, aber ich habe sie nicht parat (lacht). Ich glaube, eine der krassesten Lügen ist, dass Geld nicht glücklich macht. Klar, Geld allein macht es nicht. Um mal die Bibel heranzuziehen: Was nützt es einem Menschen, wenn er alle möglichen Sachen anhäuft, aber seine Seele dabei verwirkt? Das ist doch klar. Das hat aber auch keiner gesagt. Aber angenommen, jemand braucht eine Operation und kann die 80.000 nicht bezahlen und du gibst sie ihm, dann macht Geld doch glücklich, oder nicht? Geld macht nicht voll umfänglich glücklich oder kann etwas ersetzen, aber der Mangel am selben macht ganz gewiss eben auch nicht glücklich. Wenn ein Mensch wegen des Geldes jeden Tag zu einem Job muss, den er hasst und dort arbeitet für Leute, die er hasst und die ihn scheiße behandeln, nur damit seine Familie durchkommt, würde doch Geld, das diese Tätigkeit unnötig macht, glücklicher machen, oder nicht?

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5 Kommentare

  1. Sag mal, bin ich zu doof? Habe das Jahresabo im Januar abgeschlossen und bezahlt? Finde aber nirgends etwas wo ich mich einloggen kann um die Artikel zu lesen?!

  2. Versucht es mit einem anderen Browser. Bei mir geht es im Chrome nicht. Leider ist das Loginverfahren bei Juice leider nicht wirklich optimal allgemein. Möchte das Magazin zurück 🙁

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