Maxo Kream – Brandon Banks // Review

Mit »Brandon Banks« entwickelt sich der Texaner vom »professional shittalker« zum spannendsten Storyteller im Spiel.


(Big Persona/88 Classic/RCA Records)

Wertung: Fünf Kronen

Maxo Kream ist ein Gangbanger, der zu viel The Cool Kids gehört hat. Der Typ Houston-Hustler, dem der Brückenschlag zwischen Travis Scott und Bun B gelingt und der Rapper früher für Cosigns spamte, die er, wenn sie nicht antworten, auch mal ausraubte. Ein Sneakerhead, der in der Hood aufwuchs und in der Vorstadt lebte, Skinny Jeans trug und auf Blogs und am Block abhing. Emekwanem Ogugua Biosah Jr. war schon immer anders: Während er mit seiner Kream-Clique Krumme Dinger drehte, suchte er im Internet nach Chuck Inglish Type Beats – und glaubte still und heimlich doch noch daran, dass es mit der Rapkarriere klappt. Das hat es mittlerweile – und wie. Anderthalb Millionen Dollar hat der Sony-Ableger RCA in den 29-Jährigen, der bei Jiggas Management-Agentur Roc Nation gut beraten ist, investiert. Engineer-Ehrenmann und Houston-Held Mike Dean begleitete das Major-Debüt als Executive Producer, und dann halfen gleich Jay-Z und J. Cole höchstpersönlich dabei, die Tracks für »Brandon Banks« zu picken. Und ja, es handelt sich bei Maxo Kream um das wahrscheinlich lyrischste Talent seines Jahrgangs; den Rapper der Generation Mumble, auf den sich alle einigen können. Vielleicht, weil er wie ein Neuzeit-Scarface auf Steroiden klingt und mit einem unspektakulären und unfickbaren Pen-Game ein Problem für die Kollegen darstellt, die sich aktuell eher mit Reichweite als Langlebigkeit beschäftigen. »I got homies in the grave/I got homies doin’ life« – bereits die erste Punchline des Albums geht in Mark und Bein. Es geht um Loyalität, Familie und vor allem um seinen Vater, der als eben dieser Brandon Banks ein Doppelleben im Milieu führte. Das Verhältnis zum Senior, der mehrfach im Knast saß und auf dem Album als Erzähler und Erzieher auftritt, wird analytisch seziert. »Dairy Ashford Basstard«, der späte Höhepunkt, ist dann fast das »4:44« aus Kinderaugen: eine schonungslose und versöhnliche Abrechnung mit dem Familienoberhaupt. Obwohl sein Papa kaum zu Hause war und Maxo auf der Straße nach Vorbildern suchte, propagiert er neue Männlichkeitsrollen und wirkt dabei so authentisch wie progressiv. Der Alltag als Gang-Mitglied wird nicht beschönigt, sondern präzise und komplex wie in einer »The Wire«-Folge dokumentiert. Mit »Brandon Banks« entwickelt sich der Texaner vom »professional shittalker« zum spannendsten Storyteller im Spiel.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here