Logic – YSIV // Review

(Universal)
Wertung: Zwei Kronen

Logisch, dass »YSIV« mit einem ausgedehnten Outro beginnt, schließlich
handelt es sich bei dem Album um den letzten Teil der »Young Sinatra«-Reihe.
Zumindest fühlt sich das siebenminütige »Thank You« nicht nur wegen der
Mischung aus Motivations- und Dankesrede wie ein Outro an, sondern auch weil
Logic in den letzten vier (!) Minuten seinen Fans das Mikro überlässt, die es ihm
mit Lobhudeleien der Superlative danken. Warum der 28-Jährige »YSIV«
dermaßen ausbremst, bevor es wirklich begonnen hat, bleibt sein Geheimnis. An
den Props seiner Fans kann es nicht liegen – die gibt sich Logic auch selbst. Klar,
Selbstbeweihräucherung ist im Rap kein seltenes Phänomen, doch wie
krampfhaft Logic versucht, sich zwischen die Größten im Game zu schummeln,
hat beinahe tragische Züge. Wer sich als »the new Kanye« bezeichnet und seine
»Young Sinatra«-Releases mit »Tha Carter« vergleicht, dessen Album muss
natürlich wie ein Klassiker klingen. »Let’s get back to this boom bap shit«, lautet
daher die Devise, doch leider fehlt den Produktionen der Staub und Dreck, sie
fühlen sich künstlicher an als die Kulissen deutscher Vorabendserien. Für das
»Golden Era«-Gefühl setzt der Titeltrack wie schon »Young Sinatra III« auf ein
»Life’s A Bitch«-Sample, »100 Miles And Running« baut auf dem legendären
»Apache«-Drumbreak auf und für einen Song lädt sich Logic alle verbliebenen
Mitglieder des Wu-Tang Clan ins Studio. Aber braucht es wirklich einen
achtminütigen, mittelmäßig inspirierten Track, um zu wissen, dass „Wu Tang
Forever“ ist? Und wichtiger: Braucht man Logic auf so einem Track? Obwohl er
leidenschaftliche Fans hat, wie »Thank You« zu Beginn beweist, fühlt sich Logics
Musik selbst wie die Hommage eines besessenen Fans an seine Vorbilder an.
Das »Hey!« von J. Cole ausgeborgt (»The Glorious Five«), den »Last Call« als
(dieses Mal echtes) Outro von Kanye, die Hook von Nas (bzw. AZ) – doch wofür
steht eigentlich Logic? Dass man diese Frage nach so vielen Releases nicht
beantworten kann, lässt an Logics »Legacy« zweifeln, über die er auf »YSIV« so
unermüdlich spricht.

Tex: Daniel Welsch

Ysiv
  • Logic, Ysiv
  • Def Jam (Universal Music)
  • Audio CD

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