LGoony – Lightcore // Review

LGoonys Gefühl für Atmosphäre, seine catchigen Hooks, feuernde Triolenflows und der intelligente Funken Humor in den hedonistischen Texten waren gleichzeitig so mutig, neuartig und schön, dass man gar nicht anders konnte, als begeistert zuzuhören und Fan zu werden. Genau das fehlt bei »Lightcore«: die Lust an der Innovation.

(Airforce Luna)

Wertung: Drei Kronen

Vier Jahre sind vergangen, seit LGoony maßgeblich zum Paradigmenwechsel im deutschen Rap beigetragen hat. Als ers­ter GUDG-Member hat er es geschafft, die Trends aus Schweden (Cloud) und den USA (Trap) einzufangen und daraus massentaugliche Hits in deutscher Sprache zu basteln. Jetzt ist mit »Lightcore« sein viertes Soloprojekt am Start, dessen Titel gleichzeitig auch als von Goony selbst kreierter Name fürs eigene Genre dient. Schon bei den Singles war klar, dass er seine Sache nach wie vor richtig gut macht: alles Ohrwürmer. Insgesamt weiß er mittlerweile genau, was er tut. Im positiven Sinne bewirkt das, dass das komplette Tape – Song für Song – total stimmig ist. Auf der anderen Seite ist das aber auch extrem schade, denn vom avantgardistischen Internet-­Star, der im September 2014 mit seiner ersten Single »Fly Shit« Deutschrap revolutionierte, ist nicht mehr allzu viel übrig. Trotz all der schönen Ohrwürmer ist »Lightcore« leider kaum mehr als eine Reproduktion seines bewährten Erfolgsmodells: Träume von Geld und materiellem Reichtum im melancholischen Autotune-Gewand. Jetzt könnte man vielleicht sagen: »Man muss sich ja nicht immer neu erfinden. Das ist halt LGoonys Ding«, und vielleicht stimmte das sogar. Aber wird er dadurch nicht genau zu der Sorte festgefahrener Rapper, von der er sich so mitreißend losgemacht hat? Stand LGoony 2015 nicht für Wandel und Innovation an sich, und müsste er nicht der erste Künstler im deutschen Rap-Kosmos sein, der mit Experimenten und neuen Ideen weiter an der Speerspitze arbeitet? »Goonyverse« und das »Grape Tape« bleiben als brillante Meilensteine in Erinnerung. LGoonys Gefühl für Atmosphäre, seine catchigen Hooks, feuernde Triolenflows und der intelligente Funken Humor in den hedonistischen Texten waren gleichzeitig so mutig, neuartig und schön, dass man gar nicht anders konnte, als begeistert zuzuhören und Fan zu werden. Genau das fehlt bei »Lightcore«: die Lust an der Innovation. Dabei ist es nicht so, als hätte er diese Gabe komplett verloren. »Check« ist so ein Moment, bei dem er sich über ein für ihn untypisches Sample bewegt und dadurch gezwungen ist, sich neu zu erfühlen. Aber vor allem ist es der »Eiskalte Sommer«, der als herrlich luftiger Radiohit daherkommt und einen LGoony in Aussicht stellt, der tatsächlich wieder richtig spannend sein könnte: den Popstar.

Text: Till Böttcher

Lightcore [Explicit]
  • Airforce Luna
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