Kanye West & Jay-Z Review #11

Watch-The-Throne-8

 

Da wir »Watch The Throne« in unserer neuen Ausgabe #138 aufgrund schlechten Timings nicht berücksichtigen konnten, unterziehen wir die 16 Tracks der »Deluxe Edition« einer täglichen Track-by-Track-Rezension. Wir verzichten dabei bewusst auf die Nennung inoffizieller Links zu den jeweiligen Songs. »Watch The Throne« ist bei iTunes ganz einfach zu erstehen oder eben in den Weiten des Internets anderweitig zu finden. Heute besprechen wir den elften Track: »Made In America«.

 

Casio Drums, käsige Synths und ein Typ, der sich Frank Ocean nennt. Das sind nicht unbedingt die herkömmlichen Mittel, aus denen die ganz großen Songs geschnitzt sind. Aber was haben wir nicht schon alles erlebt auf dieser musikalischen Reise namens »Watch The Throne«? Hat ja eigentlich nur noch der Track gefehlt, den man heimlich feiert, das aber vor den Kumpels niemals zugeben würde. Voilà.

 

Wie bereits auf dem Opener »No Church In The Wild« gehört auch hier der erste Auftritt Frank Ocean. Er singt von Martin Luther King und seiner Frau Coretta, von Betty Shabazz und Malcolm X. Von Baby Jesus. Die spaßigen Anekdoten über Frauen und Rauschmittel von »nostalgia/ ultra« sind meilenweit entfernt. »Made In America« ist ein Gospelsong. Eine Schmonzette, um genauer zu sein, in der es um die Protagonisten des Civil Rights Movements geht und die Märsche, die zwei Vertreter ihrer Nachfolgegeneration gegangen sind. Produziert hat den Track Sham »Sak Pase« Joseph, der Sohn eines Pfarrers aus Fort Lauderdale, Florida. Das ist eigentlich gar nicht so wichtig, aber für diesen Track ziemlich konsequent. Coretta und Martin, Betty und Malcolm, Maria und Josef – in den Erinnerungen der (afroamerikanischen) Geschichtsschreibung können die Grenzen zwischen weltlichen und religiösen Vorbildern verschwimmen.

 

So erzählen Kanye West und Jay-Z in ihren Strophen auch vor allem von ihrer Familie und ihrem eigenen Werdegang.

 

Bei Kanye West beginnt es natürlich bei seiner Mutter. Die zeigte letztendlich doch Verständnis für den jungen Hitzkopf, als dieser lieber die Musik als die Uni weiterverfolgen wollte. Und dann besorgte sie ihm auch noch die Handy-Nummer von No I.D., den Kanye später als seinen Mentor bezeichnen sollte.

 

Danach geht Ye im Schnelldurchlauf seine Karriere im Geiste durch. Erst werden Beats an Cam’ron und Ghostface weitergeben – dann aber doch an Hova verkauft. Am Ende tut er das, was eigentlich kein Dealer tun sollte. Er wird high von seinem eigenen Stoff – und wird ein Pop-Star. So groß, dass selbst das Internet in die Knie geht, wenn er mal wieder eine neue Mode-Linie ankündigt. Immerhin ist Kanye anscheinend darüber hinweg, dass er in einer South Park-Folge als »Gay Fish« mit merkwürdigem Mode-Geschmack bezeichnet wurde. »South Park had them all laughing. Now all my niggas designing and we all swaggin’. Ignore the critics just to say we did it. This ain’t no fashion show, motherfucker, we live it.«

 

Jay-Z hingegen dankt zuallererst seiner Oma – für ihren leckeren Bananen-Pudding. Diesen erwähnte er bereits vor zehn Jahren auf »Momma Loves Me« vom ersten »Blueprint«-Album. Der muss also ziemlich lecker gewesen sein. Aber eigentlich geht es hier natürlich um etwas viel Wichtigeres. Jay-Z möchte der Anführer einer (Roc) Nation werden, um für seine späteren Kinder zu sorgen. Eine nette Rechtfertigung dafür, dass er jahrelang am Block stand und dieses weiße Zeug verkaufte.

 

Dann wendet er sich direkt an Gott und bittet ihn um Verzeihung. Für all die schlechten Dinge, die er auf der Straße getan hat. Er entschuldigt sich für die Dinge, die er auf der Straße getan hat. Dabei legt er auf manchen vierten Takt ein »Uh«, das sowohl als peinlich eingeschüchtertes Räuspern als auch selbstmotivierendes Hochpeitschen zu verstehen sein könnte. Gleichzeitig sagt er allen Hustlern, dass er ewig einer von ihnen bleiben wird. Man bekommt den Jungen aus dem Ghetto, aber…ach, ihr wisst schon. Was ist es denn nun, was alle vereint? »Sweet Baby Jesus«? Oder der »Star Spangled Banner«?

 

On to the next one.

 

Text: Sascha Ehlert

 

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