Kaaris – Or Noir Part 3 // Review

Angepasster Tanzflächen-Sound nahm überhand, enttäuschte Fans wandten sich ab und Kaaris machte eher durch öffentlich ausgetragene Prügeleien mit Booba von sich reden als durch seinen musikalischen Output. »Or Noir Part 3« soll das jetzt ändern.

(Pop Um-France/Universal Music Switzerland)

Wertung: Drei Kronen

Zu kommerziell, zu weich, zu »sell out« – ein Vorwurf, mit dem sich viele Rapper konfrontiert sehen, die im Laufe ihrer Karriere den Kurs in Richtung Charts ändern. So auch Kaaris. Als der Quatre-Vingt-Treize-Hüne 2013 mit »Or Noir« den ersten Teil seiner Trilogie und rückblickend eins der einflussreichsten französischsprachigen Alben des Jahrzehnts abfeuerte, erschütterte er mit rohem Drill-Sound, provokanten Punchlines und brutalem Maschinengewehr-Flow die damals vor sich hintrottende frankophone Rap-Szene. Nach dem Bruch mit Booba und somit auch mit dem Produzentenduo Therapy, das größtenteils für die Beats auf den ersten beiden »Or Noir«-Teilen verantwortlich war, kam auch die musikalische Neuausrichtung, die auf »Okou Gnakouri« ihren Höhepunkt nahm. Angepasster Tanzflächen-Sound nahm überhand, enttäuschte Fans wandten sich ab und Kaaris machte eher durch öffentlich ausgetragene Prügeleien mit Booba von sich reden als durch seinen musikalischen Output. »Or Noir Part 3« soll das jetzt ändern. Und ja: Kaaris ist darauf immer noch Kaaris. Die »Kalashs« werden immer noch gezogen und es gibt immer noch »Mitraillettes« in deinen Kopf. Aber trotz des einen oder anderen zentnerschweren Punchline-Massakers nimmt der 39-Jährige weiterhin Abstand von seinen musikalischen Wurzeln. Wie schon die Vorgänger kommt »Or Noir Part 3« mit weicheren Flows, Afrotrap-Vibes und autotune-getränkten Gesangseinlagen – was teilweise in schon tausendmal gehörte Tanzflächenfiaskos ausartet, teilweise aber auch funktioniert. Bestes Beispiel: Die Asphalt-Trap-Hymne »Briganté« mit den 93-Kollegen Sofiane und Mac Tyer. Aber zugegeben, das Album ist voll von uninspirierten Zeilen à la »Ich mache die Klobrille nicht hoch, hey, setz dich auf meine Pisse«. Ob man diese als Unterhaltung im Rahmen der künstlerischen Freiheit oder schlicht als stumpf und frauenverachtend einordnet, bleibt wohl jedem selbst überlassen. Aber seien wir mal ehrlich: Wegen seiner lyrischen Fähigkeiten hat wohl noch nie jemand Kaaris gehört.

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