Juice WRLD – Death Race For Love // Review

Während sich die Juice WRLDs der Erde mit Tabletten und Hustensaft gefühlsmäßig in Watte packen, wabert auch dieses Album durch die Luft, ohne irgendetwas oder irgendjemanden jemals zu berühren.

(Interscope / Universal)

Wertung: Zwei Kronen

Hey, Generation Z! Es wird wieder gevibet! Juice WRLD bedient die Bedürfnisse seines Klientels: Weichgespülte Produktionen tragen tieftraurige Texte in die Clubs. Da fließen Tränen und ein bisschen Kodein aus Respekt für die gefallenen Brüder. Musik, bei der gekränkte Künstleregos ihr weinerliches Weltbild tanzbar vermarkten, ist nicht nur bei Drake leichter an den Mann zu bringen als Snacks an Stoner um Mitternacht. Nicht falsch verstehen: Oft ist das spannend. Lil Peep zeigte einen sensiblen Menschen auf Sinnsuche. Und die erschreckende Authentizität, mit der XXXTentacion seine Gedanken darstellt(e), garantierte ambivalente Gefühle beim Hören. Leider geht es hier um Juice WRLD. Nach Klickgigantenhits und dem Kollaboalbum mit Future musste schnell nachgelegt werden. Dafür dreht er am eigenen Emotionsknöpfchen so fleißig wie am Autotune-Regler und präsentiert auf playlistgerecht angelegten 22 Songs seine Welt; redet von der inneren Leere, dem High-Sein, schreit Frauennamen in die Atmosphäre. Dazu darf auch der oberkörperfrei im Club vibende Surferboy eine Träne aufs mitgebrachte Board vergießen, während er sich fragt, warum ihn keiner so sehr liebt wie er seine goldenen Löckchen. Für den Rest gilt: Während sich die Juice WRLDs der Erde mit Tabletten und Hustensaft gefühlsmäßig in Watte packen, wabert auch dieses Album durch die Luft, ohne irgendetwas oder irgendjemanden jemals zu berühren. Die laut stolzer Künstleraussage oft gefreestylten Texte helfen nicht. Der Refrain aus »Feelings«: »Kinda like my feelings. But I still feel them.« Deep Shit. Das Resultat ist belanglos, von links und rechts werden Erfolgsrezepte geklaut, ohne dass es irgendetwas gäbe, was Juice WRLD selbst auszeichnen würde. So können auch gute Ansätze (»Ring Ring« dank Feature-Part von Clever, »Make Believe« mit einer Produktion, die stark an »Tribe« von Bas erinnert) nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Resultat vollkommen egal ist. Aber bis man darüber nachgedacht hat, ist längst die nächste Playlist draußen, die diese Songs wie Tränen wegspült.

Text: Niklas Potthoff

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