JUICE Premiere: Torky Tork – Das Ende einer Mondscheinfahrt (1972) (Video)

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Die Geschichte von Torky Tork beginnt auf der Toilette. Der junge Torky interessierte sich für Graffiti, und als er eines Tages auf der Schüssel saß und über einen passenden Namen zum Taggen sinnierte, fiel sein Blick auf das Klopapier – und der darauf eingeprägte Markenname sollte es schließlich werden: Tork, später um den Spitznamen Torky ergänzt. »Wirklich zufrieden bin ich mit dem Namen nicht mehr«, lacht der Berliner. »Aber jetzt ist es zu spät. Ich kann ja nicht mal mehr den Namen meiner Facebook-Seite ändern.«

 

Wie dem auch sei: Gut eineinhalb Jahrzehnte später steht sein Name ­zumindest unter Eingeweihten nicht für Hygieneartikel, sondern für Beats. Damit wir uns richtig verstehen: Hier geht’s nicht um möglichst ­erfolgversprechende Auftragsarbeiten für Rapper oder sonstige ­Gebrauchsmusik, sondern um hochgradig nerdiges Diggertum, um ­Flohmarkt-Fundstücke, um staubige Finger auf der MPC 1000 – und um Konzepte. »Soul-Platten hole ich mir gar nicht mehr, das ist mir zu durch. Ich sample dafür sehr viele deutsche Sachen, Liedermacher und Schlager. Und ganz oft suche ich mir ein Thema für meine Platten, so wie das Dexter und Madlib auch schon öfter gemacht haben. Zum Beispiel meine ‘Syria’-Platte: Die hab ich gemacht, nachdem ich in Syrien war und dort stapelweise Platten und DVDs mit ganzen Diskografien von arabischen Künstlern gekauft habe. Oder einfach mal nur Samples aus ‘Asterix‘-Filmen. So ein Konzept außenrum ist mir schon wichtig.«

 

Torkys neuester Streich auf limitiertem Vinyl hört auf den Namen »PR110«, und wer den zunächst kryptischen Titel entschlüsselt hat, der weiß auch, wo er sich dazu musikalisch bedient hat. Jahrelang zappte sich Torky dafür durch die DDR-Fernsehserie »Polizeiruf 110« und suchte die alten Schinken aus den Siebzigern und Achtzigern nach verwertbarem Material ab. Eine Heidenarbeit, wie sich währenddessen herausstellte: »Ich hab nachts auf MDR mal eine Folge gesehen, und da war ein super Sample drin. Also hab ich versucht, mir diese Folge zu besorgen. Eine DVD-Box mit allen Folgen gibt’s nicht, es war wirklich schwierig, an die Serie ranzukommen. Und dann kuckste dir das an und merkst, dass in manchen Folgen einfach gar keine Musik vorkommt. Dreiviertel der Zeit sitzen die Typen halt auf der Wache und telefonieren – und sonst passiert nix Spannendes. Richtig schlimme Verbrechen gab es in der DDR nicht, da werden halt dann Bohrmaschinen geklaut, richtig lahme Geschichten eben. Es gibt also keine Verfolgungsjagden oder sonstige Action, und da kommt ja eigentlich immer die spannende Musik.« Wenn denn mal Musik vorkommt, dann ist die aber richtig gut, wie man auf »PR110« auch nachhören kann. »Die hatten eben super Musiker zur Verfügung, die sie aus dem ganzen Ostblock geholt haben. Und das ist ohnehin eine musikalische Ecke, die mich sehr interessiert.« Die visuelle Umsetzung des Projektes erfolgt übrigens auch per Zitat – die neueste Sampling-Collage gibt es nun als JUICE Premiere.

 


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Foto: Robert Winter

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